Dienstag, 23. Juli 2019

Die 50 Mächtigsten Kanzler in Rufweite

Wenn Gerhard Schröder auf Reisen geht, stimmt er mit Ludolf von Wartenberg die Liste seiner industriellen Begleiter ab. Der BDI-Hauptgeschäftsführer ist in Berlin die Schaltstelle zwischen Wirtschaft und Politik.

Sechs Jahre Landtagsabgeordneter in Niedersachsen, 14 Jahre Mitglied des Deutschen Bundestages (davon zwei Jahre parlamentarischer Staatsekretär im Wirtschaftsministerium) und nun bereits seit über 13 Jahren Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Ludolf von Wartenberg (61) ist das, was man einen Politprofi nennt.

Ludolf von Wartenberg: "Im Einzelgespräch können wir jeden Politiker von unseren Vorschlägen überzeugen, doch dann muss er eine Wahl gewinnen"
Und auch wenn von Wartenberg in den Medien fast täglich zu den unterschiedlichsten Themen zitiert wird, lässt sich der Spitzenfunktionär sein Handeln schon lange nicht mehr von der Alltagshektik diktieren.

Warum auch? Mit Bundeskanzler Gerhard Schröder trifft er sich eh alle zwei Wochen und sowohl Kanzleramt als auch Ministerien stimmen bei Auslandsreisen ihre Einladungen in Richtung Konzernchefs zuvor mit ihm ab. Die Berliner Schaltstelle zwischen Politik und Wirtschaft heißt - auch wenn er es so formuliert für übertrieben hält - von Wartenberg.

Es scheint dabei fast so, als sei es dem CDU-Mitglied egal, ob nun die Roten oder die Schwarzen an der Macht wären. "Ach, wissen Sie, die Politik ist viel zu konjunkturabhängig geworden. Im Einzelgespräch können wir jeden Politiker von unseren Vorschlägen überzeugen, doch dann muss er eine Wahl gewinnen", beschreibt von Wartenberg im Gespräch mit manager-magazin.de wie mühselig es ist, im Volk die "Stimmung zu drehen". Nun setzt er seine Hoffnung auf den Zeitraum zwischen der bayerischen Landtagswahl Ende des Monats und der Europawahl Anfang Juni 2004. "Dazwischen haben wir ein Zeitfenster für Reformen."

Unvergessener Machtkampf mit Heinrich Weiss

Trotz seiner scheinbar politischen Ambivalenz hat von Wartenberg keine Scheu, seine politischen Gegner beim Namen zu nennen: "IG Metall und Verdi sind Organisationen, die als beharrliche Besitzstandswahrer auftreten." Über den Machtkampf innerhalb der IG Metall verliert er aber kein Wort. Wen wundert's, sind ihm verbandsinterne Auseinandersetzungen doch bestens bekannt. Zwar liegt der Machtkampf mit dem damaligen BDI-Primus Heinrich Weiss schon über zehn Jahre zurück, doch dass ein Präsident von seinem Hauptgeschäftsführer quasi aus dem Amt gedrängt wird, ist bei damaligen Wegbegleitern bis heute unvergessen.

Mit seinem jetzigen Chef Michael Rogowski, dessen Verhältnis zum Kanzler wohl auch dank seiner Hilfe wieder gekittet wurde, zieht von Wartenberg hingegen an einem Strang. "Dem BDI geht es darum, Deutschland attraktiver zu machen, damit die Unternehmen bleiben und investieren", so der gemeinsame Grundtenor.

"Da gibt es eine bunte Wiese von Initiativen"

Beispiel Gesundheitsreform: Sie macht von Wartenberg dafür verantwortlich, dass in der pharmazeutischen Industrie neue Forschungseinrichtungen "vorzugsweise im Ausland" entstünden. Auch in anderen Industrien werde in Deutschland nur noch in bestehende Kapazitäten investiert. Die Folge: Know-how und Spitzenkräfte wanderten ab. Indirekt sei er selbst davon betroffen. Beide Söhne arbeiten auf anderen Kontinenten, der eine für Bosch in Brasilien, der andere als Jurist in Schanghai.

Mitstreiter beim Kampf für die notwendigen Veränderungen sind von Wartenberg daher immer willkommen. "Da gibt es eine bunte Wiese von Initiativen, die sich zu einer entschlossenen Reformbewegung zusammenfinden sollten", freut er sich über Protestvereinigungen wie die "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" oder Meinhard Miegels "Bürgerkonvent".

Am liebsten zieht er die Fäden natürlich weiterhin selbst. Und wenn sich dabei das Angenehme mit dem Nützlichen so trefflich verbinden lässt, wie beim diesjährigen Finalkonzert der Berliner Philharmoniker, wo neben von Wartenberg im VIP-Block der Waldbühne unter anderem auch die CDU-Politiker Wolfgang Schäuble und Laurenz Meyer das zur Abwechslung einmal swingende Orchester genossen, dürfte einer Vertragsverlängerung im kommenden Jahr nichts im Wege stehen.


Die 50 mächtigsten Manager

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