Dienstag, 25. Juni 2019

Die 50 Mächtigsten Makaay-Deal und Schrempp-Gedicht

Unter Herbert Henzlers Ägide wurde die deutsche McKinsey-Dependance zum wichtigsten Umsatzbringer des Beratungsgiganten. Auch zwei Jahre nach seinem Ausstieg spielt er - nicht nur beim FC Bayern München - weiterhin in der Champions League.

Der FC Bayern München ist für Herbert Henzler (61) ein offenes Buch. Als Vorsitzender des Prüfungsausschusses im Aufsichtsrat der als AG abgekoppelten Profiabteilung des deutschen Rekordmeisters landen alle wichtigen Verträge über kurz oder lang auf seinem Schreibtisch. Auch der 18,75-Millionen-Transfer des niederländischen Stürmerstars Roy Makaay von Deportivo La Coruña zu den Bayern wurde von ihm geprüft.

Herbert Henzler: "Wir heucheln eine Aktionärsdemokratie vor"
Die von La-Coruña-Boss Lendoiro mit Hohn und Spott vorgetragene Kritik an der Bayern-Führung ("Anfängerfehler") teilt der ehemalige Deutschland-Statthalter von McKinsey nicht. "Das sind drei hervorragende Männer", bescheinigt er Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß und Karl Hopfner im Gespräch mit manager-magazin.de eine sehr professionelle Vereinsführung.

Henzlers Wort hat Gewicht. Nicht nur in Sachen Fußball, sondern vor allem in Wirtschaft und Politik. Über 30 Jahre stand er als Berater in Diensten von McKinsey, zuletzt als Chairman für die europäischen Niederlassungen. Vor zwei Jahren wechselte er in den Beirat der Unternehmensberatung und wurde kurz darauf Vice-Chairman bei Credit Suisse Börsen-Chart zeigen. Die Führung des hiesigen McKinsey-Geschäfts hatte er nach 13 Jahren bereits 1998 an Jürgen Kluge übergeben.

Treffen mit Franz Beckenbauer in Kitzbühel

Über seinen Nachfolger ist Henzler voll des Lobes. "Er macht einen Super-Job", sagt Henzler, der sich auch privat mit Kluge sehr gut versteht. Dass Kluge Anfang des Jahres nicht zum McKinsey-Weltchef gewählt wurde, sieht Henzler nicht so dramatisch. "Als Deutschland-Chef hat er mehr Power", wirkt Henzler fast erleichtert darüber, dass die von ihm erarbeitete Führungsrolle der deutschen Büros innerhalb des Beratungsimperiums weiterhin in der Verantwortung des 49-jährigen Physikers liegt.

Somit kann sich der passionierte Bergsteiger und Skifahrer des Öfteren ganz beruhigt von München in sein Domizil nach Kitzbühel absetzen. Dort lässt sich das Angenehme mit dem Nützlichen trefflich verbinden. Nicht nur, dass FC-Bayern-Chef Franz Beckenbauer regelmäßig im mondänen österreichischen Urlaubsort weilt, sondern auch die McKinsey-eigene "Alpine University" hat dort ihren Sitz. Dass der neue Erweiterungsbau den Namen "Herb Henzler Hall" erhalten soll, unterstreicht einmal mehr die herausragende Stellung Henzlers innerhalb der "Mackies", die jüngst auch noch ein 80.000-Dollar-Stipendium mit seinem Namen schmückten.

Henzler ist aber alles andere als ein Titel- und Postenjäger. Genau wie die McKinsey interne Ausbildung nimmt er auch seine Gastprofessur an der Uni München sehr ernst. "Ich habe im Sommersemester vor durchschnittlich 300 Studenten gelesen - davon haben 270 die Klausur geschrieben. Um das zu schaffen, muss man auf Zack sein", freut sich Henzler über das große Interesse. Die Vorbereitungen für das kommende Wintersemester sind derweil schon fortgeschritten. Vorlesungsthema: Corporate Governance. "Mit den Hauptversammlungen heutigen Zuschnitts heucheln wir eine Aktionärsdemokratie vor", verspricht Henzler seinen Studenten schon jetzt die eine oder andere provokante These.

Zehn Jahre Similauner

Vorschläge ebenfalls provokanter Natur enthält auch der Bericht der Anti-Bürokratisierungs-Kommission (auch Henzler-Kommission genannt), der vor drei Wochen an den bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber übergeben wurde. "Wir haben rund 1200 Einzelmaßnahmen vorgeschlagen, um das Wirtschaftsrecht für Betriebe unter 20 Mitarbeitern zu vereinfachen", so Henzler. So müssten zum Beispiel der Kündigungsschutz gelockert und das Recht auf Teilzeit aufgehoben werden. Außerdem werde viel zu viel von Staatswegen her geprüft. "Sie haben als Unternehmer ja ständig das Gefühl, dass jemand hinter ihnen steht."

Die Krise des Arbeitsmarktes war auch Thema auf dem diesjährigen Treffen der "Similauner" Anfang August. Die von Henzler vor zehn Jahren ins Leben gerufene Herrenrunde, die ihren Namen von einem Dreitausender in den Ötztaler Alpen ableitet, trifft sich einmal im Jahr in den Dolomiten, um zuerst unter Anleitung von Bergsteiger-Legende Reinhold Messner einen Gipfel zu erklimmen und dann über gesellschaftliche und wirtschaftliche Probleme zu diskutieren. Zum Jubiläumstreffen kamen unter anderem Klaus Zumwinkel (Deutsche Post Börsen-Chart zeigen), Ulrich Cartellieri (Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen), Wolfgang Reitzle (Linde Börsen-Chart zeigen), Ulrich Lehner (Henkel Börsen-Chart zeigen), Jürgen Weber (Lufthansa Börsen-Chart zeigen) und Verleger Hubert Burda. Henzlers Duzfreund Jürgen Schrempp (DaimlerChrysler Börsen-Chart zeigen), der Henzler zu seinem sechzigsten Geburtstag mit einem Gedicht ("Professor Herbert bleibt bescheiden, will Geltungsdrang und Druck vermeiden") überraschte, fehlte aus terminlichen Gründen.


Die 50 mächtigsten Manager

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