Montag, 24. Juni 2019

Die 50 Mächtigsten Weltbürger und Schöngeist

Unter der Führung von Jürgen Strube entwickelte sich der Chemiekonzern BASF vom Sanierungsfall zum Global Player. Nach seinem Wechsel in den Aufsichtsrat fungiert er nun seit wenigen Wochen als oberster Industrie-Lobbyist in Brüssel.

Als Jürgen Strube (63) 1959 das Bochumer Goethe-Gymnasium mit einem erstklassigen Abitur in der Tasche verließ, wollte er entweder Bergassessor werden oder Karriere in einer europäischen Organisation machen.

Jürgen Strube: "Es ist der Mühe wert, eine Ananas zu schälen, denn ihr Fruchtfleisch ist süß und genussvoll"
Über 40 Jahre später ist der promovierte Jurist in Brüssel angekommen. Genauer gesagt in der Rue Joseph II. Im Gebäude mit der Hausnummer 40 residiert nämlich der Europäische Industrie- und Arbeitgeberverband Unice, dessen Präsident Strube seit dem 1. Juli dieses Jahres ist. "Ein Glücksfall", sind sich BDI-Präsident Michael Rogowski und Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt einig.

Da Trommeln aber nun mal zum Handwerk eines jeden Lobbyisten gehört, wundert es auf den ersten Blick schon, warum gerade der "stille Don" nach seinem Wechsel von der Vorstands- an die Aufsichtsratsspitze des Chemiekonzerns BASF Börsen-Chart zeigen als zweiter Deutscher nach Fritz Berg (1967-1971) auf diesen Posten gewählt wurde.

Bei genauerem Hinsehen wird aber schnell klar, dass der "Manager des Jahres 2002" in der Tat die Idealbesetzung ist. Selbst Hubertus Schmoldt, als Chef der IG Bergbau, Chemie und Energie langjähriger Gegenspieler von Strube, geriet vor einigen Jahren ins Schwärmen: "Ich schätze seine Fähigkeit, anderen zuzuhören, um sie dann erbarmungslos auseinander zu nehmen."

15 Jahre für BASF im Auslandseinsatz

Ob Strube diese Taktik auch bei seinem ersten Auftritt als Unice-Chef angewendet hat, ist fraglich. Traf er zwei Wochen nach Amtsantritt doch gleich mit Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi zusammen, derzeit Ratspräsident der Europäischen Union.

Dass Strube sich auf internationalem Parkett problemlos bewegen kann, wundert nicht. Für die BASF war er anderthalb Jahrzehnte im Auslandseinsatz. Antwerpen, São Paulo und New York hießen seine Stationen, bevor er 1990 in Ludwigshafen das Ruder übernahm. Vor allem die Zeit in Brasilien hat ihn geprägt. "Es ist der Mühe wert, eine Ananas zu schälen, denn ihr Fruchtfleisch ist süß und genussvoll", zitiert er noch heute - natürlich auf Portugiesisch - ein brasilianisches Sprichwort, wenn er sich Mut machen will.

Aufsichtsrat bei vier Dax-Konzernen

Sich über den Job in der Wirtschaft hinaus auch politisch und gesellschaftlich zu engagieren, hat Strube zum Teil von Berthold Leibinger gelernt. "Sie sind mein persönliches Vorbild", bedankte sich Strube auf der diesjährigen BASF-Hauptversammlung bei seinem Vorgänger als Aufsichtsratschef. So ist Strube Förderer und Honorarprofessor der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer, Mitglied im Kuratorium des dortigen Dombauvereins und stellvertretender Vorsitzender des Stifterverbandes der Deutschen Wissenschaft.

Dafür, dass der Ballettliebhaber bei so viel akademischer und kultureller Beschäftigung nicht den Kontakt zur Wirtschaft verliert, sorgen seine zahlreichen Aufsichtsratsposten. So sitzt Strube nicht nur bei BASF, sondern auch bei den Dax-Unternehmen BMW Börsen-Chart zeigen, Commerzbank Börsen-Chart zeigen und Linde Börsen-Chart zeigen im Kontrollgremium.


Die 50 mächtigsten Manager

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