Die 50 Mächtigsten Der säuselnde Schlichter

Reinhard Pöllath ist gelungen, was Beobachter für kaum mehr möglich hielten: Der renommierte Wirtschaftsanwalt hat die zerstrittenen Herz-Familien vorerst befriedet. Nun bastelt der Tchibo-Aufsichtsrat an einer neuen Eigentümerstruktur für den Hamburger Beiersdorf-Konzern.
Von Andreas Nölting

Er kommt ruhig und gemütlich daher, er säuselt gern auf urbayerisch, und sein schnittiges gelbes Cabrio hat ein Münchener Kennzeichen: Auch an seinem Zweitwohnsitz Hamburg mag der gebürtige Oberfranke Reinhard Pöllath (55) seine Herkunft nicht verleugnen.

Warum auch? Der renommierte Jurist und Partner der Kanzlei Pöllath + Partner ist in der Hansestadt bestens im Geschäft. Mehr noch: Pöllath ist ein hoch angesehener Ratgeber der feinsten Hamburger Kreise - so etwa der Familie Herz (Tchibo).

Viele Jahre wirkte Pöllath klammheimlich hinter der Kulisse - als M&A-Anwalt und Ratgeber etlicher vermögender Familienfirmen, über die er nicht gerne spricht. Sein Geschäft floriere bestens, verrät der Wirtschaftsanwalt immerhin: "Der Bedarf an Rat hat sich bei den Familienfirmen in den vergangenen Jahren multipliziert". Die Eigentümer diskutierten mit ihm vorab ausgiebig jede Entscheidung und suchten immer wieder neue Wege für eine möglicherweise elegantere Lösung ihrer Probleme.

"Interimschef" an der Spitze der Tchibo Holding AG

Der breiten Öffentlichkeit bekannt wurde Pöllath erst, als ihm die Familie Herz zu seiner eigenen Überraschung ein wichtiges Amt andiente: Elf Monate lang stand Pöllath - zuvor im Aufsichtsrat - als "Interimschef" an der Spitze der Tchibo Holding AG in Hamburg.

Dann übernahm Dieter Ammer, der frühere Geschäftsführer der Brauereigruppe Interbrew Deutschland  (Beck's, Gilde, Diebels), das Amt. Vor Pöllath hatte Ludger Staby den Vorstandsposten 17 Monate inne. Staby fädelte den Verkauf der Zigaretten-Tochter Reemtsma an die britische Imperial Tobacco  ein und spülte Tchibo damit sechs Milliarden Euro in die Kasse.

Heute noch mag Pöllath über die Zeit als Vorstandsvorsitzender still lächeln. Er, der unkonventionelle Jurist, in dessen kleiner Kanzlei (14 Partner, 130 Beschäftigte in Berlin, München und Frankfurt) Hierarchien nie eine bedeutende Rolle spielten ("Wir Partner haben alle die gleichen Rechte"), war Chef von tausenden Mitarbeitern und spürte die Mühlen der Konzernbürokratie. "Plötzlich waren alle sehr nett zu mir", schmunzelt Pöllath, dem Ämter und Titel nicht sehr wichtig scheinen.

Der Herz-Coup

Nun ist Pöllath für Jens Odewald an die Spitze des Tchibo-Aufsichtsrats gewechselt und bastelt derzeit emsig an einer Lösung für die Hamburger Beiersdorf AG . An dem Kosmetikkonzern ist die Allianz  mit 43 Prozent und Tchibo mit 30 Prozent beteiligt. Gerne möchte Tchibo das Allianz-Paket kaufen, und das Geld für die Akquisition ist reichlich vorhanden.

Doch noch haben sich beide Parteien über einen Preis nicht einigen können. Die Allianz fordert einen strategischen Aufschlag, und Tchibo will diesen (noch) nicht zahlen. So ist die Zukunft von Beiersdorf weiter ungewiss.

Die zerstrittenen Herz-Familien wurden befriedet

Kürzlich jedoch gelang Pöllath ein wahrer Coup. Er schaffte es, die zerstrittenen Herz-Familien zu befrieden. Nach Jahren des Streits kehrt bei der Eigentümerfamilie des Hamburger Tchibo-Konzerns nun endlich Ruhe ein. Zum Wohle des Unternehmens trennen sich künftig die Wege der verfeindeten Brüder.

Günter Herz, der älteste Sohn von Firmengründer Max Herz und langjähriger Tchibo-Konzernchef, sowie seine Schwester Daniela werden ausgezahlt. Michael, Wolfgang und Joachim Herz können künftig die Strategie des Tchibo-Konzerns alleine bestimmen.

Auch wenn das Trio sich dann nicht mehr mit Günter bekämpfen wird - auf den Rat eines so ausgeglichenen und klugen Fachmanns wie Reinhard Pöllath werden die Brüder bestimmt nicht verzichten wollen.


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