Montag, 17. Juni 2019

Die 50 Mächtigsten Der messerscharfe Analytiker

Auch wenn Jürgen Kluge nicht Weltchef von McKinsey geworden ist, der Düsseldorfer Topberater ist dennoch einer der wichtigsten Ratgeber der deutschen Konzernelite. Kluges Erfolg beweist: Zurückhaltung und Bescheidenheit kommen auf den Vorstandsetagen gut an.

Jürgen Kluge - einer der fünfzig mächtigsten Manager der Republik? Ein so uneitler Mensch wie der Deutschland-Chef von McKinsey lacht verschämt über den zugespitzten Titel ("so sind die Journalisten"), um sofort eine messerscharfe Analyse nachzuschieben: "Ich bemerke eine deutliche Diskrepanz zwischen der Außen- und der Selbstwahrnehmung."

"Kollektive Weisheit"
Jürgen Kluge, Deutschland-Chef des Strategieberaters McKinsey
Zurückhaltung und Bescheidenheit sind offenbar Kluges Berufsethos. Ein Berater, so sagt der Chef von mehr als tausend Ratgeberprofis, sei eben gut beraten, wenn er andere glänzen lasse. Bei Kluge (49) geht dieses Prinzip sogar so weit, dass er im Flieger niemals auf Platz 1A oder C sitzt, sondern sich in die zweite Reihe verdrückt.

Die verinnerlichte Diskretion allerdings war dem unaufhaltsamen Aufstieg des promovierten Physikers (Spezialgebiet Laserphysik) zu einem der deutschen Topberater nie hinderlich. Auch wenn Kluge noch nicht die Popularitätswerte seines Münchener Konkurrenten Roland Berger oder seines legendären Vorgängers Herbert Henzler erreicht hat - in Deutschlands wichtigsten Vorstandsetagen kennen ihn alle und schätzen seinen Rat. Zu seiner Antrittstour als Chef hat Kluge vor vier Jahren schließlich die hundert größten Kunden (nahezu alle Dax- und MDax-Konzerne besucht) und selbstredend immer mit dem CEO gesprochen.

Elegante Formeln

Ein Gespräch mit Kluge ist nicht nur amüsant, sondern auch durchaus lehrreich. Die Klarheit seiner Argumentation ist faszinierend. Der Physiker liebt elegante, schlichte Formeln, wie etwa e=mc2. Und so ist Kluge heute noch "erfüllt", wenn er komplexe Beratungsthemen auf einen klaren und einfachen Nenner bringen kann.

Es freut ihn etwa, dass seine Kollegen und er Anfang der neunziger Jahre der deutschen Autoindustrie bei der "strategischen Neuausrichtung" geholfen haben und ihm später auch noch gelungen ist, die Produktion von Handys, die nach Japan abzuwandern drohte, hier zu Lande zu halten.

Selbst vermeintliche Niederlagen steckt Kluge locker weg und wertet sie als einen persönlichen Erfolg. So wurde der Deutsche Anfang des Jahres zwar nicht zum McKinsey-Weltchef gekürt, kam allerdings in die Runde der letzten sieben Kandidaten. "Ich habe großes Vertrauen in die kollektive Weisheit meiner Kollegen", bewertet Kluge den Ausgang der Wahl - Weltchef ist seitdem der Brite Ian Davis.

Entwaffnende Bescheidenheit

Keine Frage, Kluge fühlt sich weiter wohl in Deutschland. Schließlich leitet er die weltweit umsatzstärksten McKinsey-Büros (inklusive Wien), die zudem noch zu den profitabelsten zählen. Und trotz der Flaute im Beratermarkt laufen die Geschäfte weiter exzellent. Diesen Erfolg allerdings schreibt sich Kluge natürlich nicht der eigenen Person zu, sondern er sei der "Verdienst einer Generation von Menschen, die vorher hier gearbeitet haben".

Und so präsentierte Kluge bei seinem Amtsantritt als Chef auch ein treffliches Bild, das sein Denken widerspiegelt: Es zeigt seinen Vorgänger Herbert Henzler auf den Schultern des einstigen Deutschland-Chefs John McDonald. Auf den Schultern von Henzler wiederum steht Jürgen Kluge. "Man ist froh, wenn die unter einem nicht wackeln", amüsiert sich Kluge noch heute über das Gemälde.


Die 50 mächtigsten Manager

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