Mittwoch, 24. Juli 2019

Die 50 Mächtigsten Der Gen-Papst und die Tomatenseelsorger

Ohne seinen Segen, heißt es, dürfe in Deutschland keine Pipette angefasst werden. Ernst-Ludwig Winnacker ist als Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft der oberste Wissenschaftler der Republik.

Wenn Nobelpreisträger über die sieben Zwerge grübeln, Wirtschaftsbosse auf der Suche nach den Namen der weltgrößten Pyramiden sind oder eine Ministerin damit glänzt, alle Kantone der Schweiz zu kennen, ist man womöglich zu Gast bei Ernst-Ludwig Winnacker (61) und seiner Frau Antonet.

Ernst-Ludwig Winnacker: "Man sollte bei der Wahl seiner Eltern vorsichtig sein"
Zweimal im Jahr - im Frühling und im Herbst - laden der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und seine Gattin eine erlesene Runde wahlweise in ihr Haus im Münchner Stadtteil Nymphenburg oder in die Dienstvilla in Wachtberg-Pech bei Bonn ein. Im Frühjahr servieren die Winnackers gerne Spargel und Schinken, ein Konzert junger Künstler gehört jedes Mal zum Vorprogramm. "Es ist ein wenig wie ein Ritterschlag, wenn man hier dabei sein darf", vertraute ein Teilnehmer der "Süddeutschen Zeitung" an.

Die Förderung von Nachwuchsmusikern wundert nicht, studierte Winnacker vor seiner internationalen Wissenschaftskarriere (ETH Zürich, Berkeley, Karolinska Institut Stockholm, Harvard) doch für kurze Zeit in Rom Klavier und Cello, um eigentlich Dirigent zu werden.

Vater Karl Winnacker war 16 Jahre Hoechst-Chef

Schließlich setzten sich dann - selbst ein Genforscher wie Winnacker kann sich nicht dagegen wehren - die Erbanlagen durch. Denn schon Vater Karl (1903 - 1989) war Professor der Chemie. Winnacker senior zog es aber nicht wie seinen Sohn ins Labor, sondern in die Industrie. Nach seinem Laufbahnstart 1933 bei der damaligen IG Farben war er von 1953 bis 1969 Vorstandsvorsitzender und von 1969 bis 1980 Aufsichtsratschef der inzwischen zur Aventis fusionierten Hoechst AG.

Bei Winnacker junior fielen die unternehmerischen Ambitionen eine Spur kleiner aus. Aus dem von ihm an der Uni München gegründeten Genzentrum ging zum Beispiel das im TecDax gelistete Unternehmen Medigene hervor, bei dem Winnacker noch heute Vorsitzender des Aufsichtsrats ist. Auch beim Chemie- und Pharmakonzern Bayer fungiert er als Kontrolleur.

Für Stammzellenforschung, gegen Klonen

Schwerpunkt des Wirkens des "Gentechnologiepapstes" ist und bleibt aber die Förderung der Wissenschaft. Der von Kritikern auch als "gefährlicher Drahtzieher" oder "Fachegoist" beschimpfte DFG-Präsident wacht über einen Etat von über 1,2 Milliarden Euro. Da 700 Millionen Euro vom Bund kommen und 500 Millionen Euro die Länder beisteuern, gehören hervorragende Kontakte in die Politik zum Handwerkszeug. Mit Erfolg: Nicht zuletzt dank seiner Teamfähigkeit und seines sozialen Bewusstseins wurde Winnacker lange Zeit auch als "Kanzlerflüsterer" tituliert. Allerdings trat er - offiziell wegen Zeitmangels - Mitte Februar dieses Jahres aus dem von Gerhard Schröder ins Leben gerufenen Nationalen Ethikrat aus.

Aber auch ohne Kommissionsposten wird Winnacker, der sich auf der DFG-Jahresversammlung Ende des Monats in Würzburg der Wiederwahl stellt, für den medizinischen Einsatz von embryonalen Stammzellen und gegen das Klonen von Menschen einsetzen. Dass er dabei auf eine allgemeinverständliche Sprache setzt, bekommen auch seine Widersacher zu spüren, die er mitunter als "Tomatenseelsorger" bespöttelt.

Kleiner Tipp übrigens für Gäste der nächsten Winnacker-Runde: Die sieben Zwerge heißen Doc (Chef), Sneezy (Hatschi), Happy (Happy), Grumpy (Brummbär), Sleepy (Schlafmütz), Bashful (Pimpel) und Dopey (Seppl).


Die 50 mächtigsten Manager

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