Sonntag, 20. Oktober 2019

Die 50 Mächtigsten Multi-Präsident mit Feldbusch-Extra

Es gibt eigentlich keine Versammlung der deutschen Wirtschaftsgrößen, auf der Arend Oetker fehlt. Kein Wunder, ist er doch bei fast allen wichtigen Verbänden und Stiftungen in Amt und Würden.

Der Mann ist die personifizierte Omnipräsenz. Eben noch weilt Arend Oetker (64) in Washington, um beim ersten deutsch-amerikanischen Unternehmertreffen an der Verbesserung des transatlantischen Klimas mitzuwirken, einen Tag später begrüßt er in der Essener Villa Hügel - dem ehemaligen Stammsitz der Familie Krupp - in der Funktion des Präsidenten rund 600 hochrangige Teilnehmer zum Festakt anlässlich der Jahresversammlung des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft.

Konsensmensch: Arend Oetkers ausgleichende Art ist jederzeit gefragt
Der Vorsitz des Stifterverbandes ist aber nicht das einzige Präsidentenamt, dass der Urenkel von August Oetker innehat. An der USA-Reise von Wirtschaftsminister Wolfgang Clement nahm Oetker als Präsident des Vereins Atlantik-Brücke teil, beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) bekleidet er das Amt des Vizepräsidenten und auch in den Präsidien der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft hat Oetker einen Sitz. Aufsichtsratsmandate bei Degussa und Merck runden die imposante Liste ab.

"Ein Saftladen im doppelten Sinne"

Oetker, beim BDI Vorsitzender des Mittelstandsausschusses, machte aber nicht nur als Funktionär Karriere, sondern auch als erfolgreicher Unternehmer. Die aus der Oetker-Gruppe an seine Mutter Ursula gefallenen Unternehmen Schwartauer Werke, Altländer Saftfabrik und Kochs Adler (Nähmaschinen) bildeten dabei den Anfang. Während Altländer (Oetker: "Ein Saftladen im doppelten Sinne") und Kochs Adler nach erfolgreicher Sanierung verkauft wurden, baute Oetker, der über die Finanzierung von Familienunternehmen promoviert hat, die Schwartauer Werke zum Marktführer bei Konfitüren sowie Back- und Dekorartikeln aus.

Prominente Werbeträgerin: Verona Feldbusch schwört auf Erdbeer-Vanille-Konfitüre aus Bad Schwartau
Die im Logo seiner wichtigsten Beteiligung stilisierte Silhouette der Hansestadt Lübeck mit ihren sieben Türmen - für die Restaurierung der St.-Petri-Kirche machte sich Oetker persönlich stark - bekommt der Aufsichtsratschef aber nur selten zu sehen, was zum Teil auch daran liegt, dass die Marmeladenfabrik zwar in der Lübecker Straße, aber eben nicht in Lübeck, sondern im benachbarten Bad Schwartau residiert.

Der eigentliche Grund ist natürlich, dass Oetker über viele Jahre die seinen Namen tragende Holding, zu der neben den Schwartauer Werken auch die Schweizer Hero AG, die KWS Saat AG, die Bominflot Bunkergesellschaft für Mineralöle, das Weiterbildungsunternehmen Cognos und die Reederei TT-Line gehören, von Köln aus steuerte, wo er - die damalige Hauptstadt Bonn vor der Tür - neben den operativen Geschäften ohne Probleme auch der Lobby-Arbeit nachgehen konnte.

Da war es nur konsequent, dass der "Künstler des Unternehmertums" ("FAZ-Magazin") samt Holding jetzt der Regierung nach Berlin folgte. Dort residiert Oetker standesgemäß in einer repräsentativen Villa im Grunewald. Ob dort auch eine lebensgroße Verona-Feldbusch-Pappfigur (bei den Schwartauer Werken für 25 Euro zu bestellen) ihren Platz gefunden hat, ist nicht bekannt. Für den ständig sich auf Reisen befindenden Oetker wäre aber sowieso eher eine Miniaturausgabe im Aktentaschenformat angebracht.


Die 50 mächtigsten Manager

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