Mittwoch, 20. November 2019

Die 50 Mächtigsten Ein Mann der ersten Liga

Als Manfred Schneider vor einem Jahr vom Chefsessel bei Bayer an die Aufsichtsratsspitze wechselte, stand es wenigstens noch um seine Werksfußballer gut - mittlerweile hat sich auch das erledigt.

"Wenn wir Deutscher Meister werden würden, da wäre mir jeder andere Titel gleichgültig", gab sich Manfred Schneider (64) vor einem Jahr in einem Interview mit 3Sat sehr optimistisch. In höchsten Tönen lobte der bekennende Fußballfan die Kicker der Bayer-Werkself, die zu diesem Zeitpunkt noch die Chance hatte, Meisterschale, DFB-Pokal und Champions-League-Trophäe an den Rhein zu holen.

Im innersten Machtkreis: Manfred Schneider sitzt nicht nur bei Bayer, sondern auch bei Allianz, DaimlerChrysler, Linde, Metro, RWE und Tui im Aufsichtsrat
Zwölf Monate später ist selbst nicht so bewanderten Fußball-Interessierten bekannt, dass der damalige Bayer-Chef sich zu früh freute und dass die Truppe um den inzwischen geschassten Coach Klaus Toppmöller gänzlich leer ausging. In der laufenden Saison wurde der Club sogar bis auf einen Abstiegsplatz durchgereicht - die Zweite Liga droht.

Schneider irrte nicht nur als Fußballexperte. Denn im Parallelflug zur sportlichen Talfahrt stürzte auch der Kurs der Bayer-Aktie in nicht für möglich gehaltene Tiefen. Ganz offensichtlich hatte der jetzige Oberaufseher die Nachwehen des Lipobay-Skandals unterschätzt, die er bei seinem Abgang als Vorstandsvorsitzender vor einem Jahr lediglich als "Tiefpunkt seiner Amtszeit" abhaken wollte.

Doch die Horrormeldungen reißen seit Monaten nicht ab. Als der Kurs der Bayer-Aktie Ende Februar dieses Jahres unter die Elf-Euro-Marke fiel, wurden sogar Übernahmegerüchte laut. Sollte der Mutterkonzern etwa der Calmund-Truppe mit dem Abstieg in die Zweitklassigkeit zuvorkommen?

Noch ist es nicht soweit, die ersten beiden Klagen amerikanischer Lipobay- beziehungsweise Baycol-Patienten scheiterten vor den US-Gerichten, die Aktie notiert aktuell bei knapp 17 Euro.

Nachfolger Wenning darf die gelbe Karte zeigen

Doch die gesamte Routine Schneiders, der nicht nur Vorsitzender des Bayer-Aufsichtsrats ist, sondern auch als Kontrolleur bei Allianz, DaimlerChrysler, Linde, Metro, RWE und Tui fungiert, ist mehr denn je gefragt. Seinem Nachfolger Werner Wenning (56) - wie Schneider seit 1966 in Bayer-Diensten - hält er den Rücken für den radikalen Umbau des Konzerns zur Holding frei, auch wenn es ihm nicht immer leicht fällt. Wenn er sich zu sehr einmische, solle Wenning ihm die gelbe Karte zeigen und beim zweiten Vergehen sei eine Flasche Rotwein fällig, umschrieb Schneider in kleiner Runde das Verhältnis der beiden in seiner typisch menschlichen Art.

Zur Not kann Schneider aber auch mal derb werden. Als er sich vor einigen Jahren über Analysten geärgert hatte, entfuhr ihm folgender Satz: "Ein Analyst ist wie einer, der 100 Stellungen kennt, aber noch nie eine Frau gehabt hat." Vielleicht ein Satz, den sich auch viele vermeintliche Fußballkenner im Umfeld der BayArena einmal zu Herzen nehmen sollten.


Die 50 mächtigsten Manager

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