Dienstag, 25. Juni 2019

Die 50 Mächtigsten Piëchs langer Schatten

Seit einem Jahr ist Bernd Pischetsrieder nun die Nummer eins bei Volkswagen. Bisher ist es ihm noch nicht gelungen, dem Wolfsburger Autobauer seinen Stempel aufzudrücken.

Es war ein perfekt inszenierter Wechsel, als Ferdinand Piëch (65) im vergangenen Frühjahr den Stab bei Volkswagen an Bernd Pischetsrieder (55) übergab. Bereits bei der Bilanz-PK im März 2002 präsentierten sich die beiden Automanager als kongeniales Doppel.

 Auch bei Volkswagen unter Druck: Bei BMW musste Bernd Pischetsrieder 1999 nach dem Rover-Debakel gehen
DPA
Auch bei Volkswagen unter Druck: Bei BMW musste Bernd Pischetsrieder 1999 nach dem Rover-Debakel gehen
Der eine sollte als Aufsichtsrat weiterhin über die von ihm eingeführten Standards wachen, der andere sollte dafür sorgen, dass vor allem die Kernmarke VW endlich in bisher vernachlässigten Nischen reüssiert und der Design-Attacke der französischen Konkurrenz Paroli bietet.

Der Höhepunkt der österreichisch-bayerischen Harmonie-Demonstration war dann zwei Monate später die gemeinsame Fahrt im Ein-Liter-Auto von Wolfsburg nach Hamburg, wo Piëch sich auf der Hauptversammlung des Konzerns von den Aktionären verabschiedete. Der Generations- und Stilwechsel schien gelungen.

Zwölf Monate später: Pischetsrieder hat als Chef des größten europäischen Autoherstellers zwar qua Posten Macht und Einflussmöglichkeiten seines Vorgängers übernommen, seine eigene Position aber nicht festigen können. Wurde vor einem Jahr bei der Präsentation der Jahreszahlen noch locker gescherzt, musste der VW-Primus diesmal eingestehen, dass er das Jahr 2003 bereits als gelaufen betrachte. Interviews haben unlängst den Tenor "Alles eine Frage der Nerven" oder "Bei der Rabattschlacht machen wir nicht mit". Hinzu kommt, dass Pischetsrieder auch intern Image-Probleme hat. "Unter Piëch herrschte ein anderer Wind. Da war mehr Zug in der Truppe", fasst ein VW-Mitarbeiter die Stimmung im Wolfsburger Werk zusammen.

Schicksalsauto Golf V

Langsam dürfte auch dem größten Wolfsburg-Fan klar werden, dass eine gehörig aufpolierte Stadt und vom Phaeton gewonnene Vergleichtests gegen die Mercedes S-Klasse nicht ausreichen. Nach wie vor sind es eben die Klassiker, die den Konzern am Leben erhalten. Zitterten der rechtzeitigen Serienreife der fünften Generation des legendären VW-Busses bis zur Premiere auf der AMI in Leipzig noch hauptsächlich die VW-Werker in Hannover entgegen ("Wenn wir die Fehler beim T5 nicht in den Griff kriegen, gibt es Kurzarbeit"), kommt der Präsentation des Golf V auf der IAA im September dieses Jahres eine noch viel größere Bedeutung zu.

Der Aufpasser und sein Lieblingsschüler: Audi-Chef Winterkorn (rechts) steht unter dem Schutz von Piëch
Die geschickt von Piëch vor seinem Abgang eingeleitete Aufspaltung des Konzerns in die zwei Produktfamilien VW (VW, Skoda, Bentley) und Audi (Audi, Seat, Lamborghini) führt nämlich dazu, dass Pischetsrieders Schicksal viel stärker an den Erfolg der Kernmarke gekoppelt ist. Konnte Piëch seinen Namen noch an jeden Erfolg des Konzerns heften, erntet nach der Installation einer Quasi-Doppelspitze Audi-Chef Martin Winterkorn (55) die Lorbeeren der sportlichen Sparte ganz allein. Offiziell wird das natürlich heruntergespielt. "Mit Pischetsrieder verstehe ich mich prächtig. Wir sind beide Techniker und fast immer derselben Meinung, wie die Autos aussehen sollen. Das erleichtert die Arbeit", gab sich Winterkorn gegenüber seinem Aufsichtsratsvorsitzenden erst im März im Interview mit dem manager magazin ganz loyal.

Dennoch sollten externe Kritiker und interne Gegner Pischetsrieder, der auch in den Aufsichtsräten von Metro, Münchener Rück und Dresdner Bank sitzt, nicht unterschätzen. Der Bayer sei durchaus taktisch versiert und durchsetzungsstark – aber auf die leise Tour, versichern Geschäftsfreunde. Das bekam zuletzt Robert Büchelhofer (60) zu spüren. Dem langjährigen Vertriebsvorstand wurde unter anderem der schleppende Absatz des Phaetons zum Verhängnis. Pikantes Detail am Rande: Als Büchelhofer 1994 im Streit seinen damaligen Arbeitgeber BMW verließ, hieß sein Chef auch dort Pischetsrieder.


Die 50 mächtigsten Manager

© manager magazin 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung