Mittwoch, 11. Dezember 2019

Die 50 Mächtigsten Ganz legale Seilschaften

Obwohl der Boulevard so gar nicht zum Auftreten und Wesen von Klaus Zumwinkel passt, darf der Post-Chef und Vorsitzende des Telekom-Aufsichtsrats getrost als "Super-Manager" bezeichnet werden.

Als Anfang März dieses Jahres bekannt wurde, dass Klaus Zumwinkel (59) als Nachfolger von Hans-Dietrich Winkhaus (65) künftig den Aufsichtsrat der Deutschen Telekom führen wird, war das Echo geteilt. Von "Zumwinkel ist ein anerkannter CEO, der mit dem Aktionär Bund umzugehen wisse" bis "Das Ganze ist ein ungutes Zeichen" und "Die Finanzmärkte sehen jeden Einfluss des Bundes auf die Telekom negativ", reichte das Spektrum der Kommentare.

Einmal McKinsey, immer McKinsey: Klaus Zumwinkel pflegt die Kontakte zu seinen ehemaligen Kollegen
Dem promovierten Diplomkaufmann Zumwinkel das betriebswirtschaftliche Können für die Doppelrolle bei den beiden aus der ehemaligen Bundespost hervorgegangenen Konzernen abzusprechen, scheint vor dem Hintergrund des erfolgreichen Umbaus der "Gelben Post" auf keinen Fall angebracht. Aber auch dafür, dass Zumwinkel künftig als verlängerter Arm der Bundesregierung in das tägliche Geschäft von Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke hineinwirken könnte, gibt es keine ernsthaften Hinweise.

Dazu ist das pragmatische und unternehmerische Denken beim gebürtigen Rheinländer zu sehr verankert. Sowohl als Geschäftsführer der Zumwinkel-Handelsunternehmen (zehn Kaufhäuser und 50 Discounter), die er nach dem frühen Tod des Vaters zusammen mit seinem Bruder führte und später an Rewe verkaufte, als auch später als Partner und schließlich Direktor bei McKinsey bestand keine Gefahr, mit dem Virus politischer Kungelei in Kontakt zu kommen. Dass er in den mittlerweile 13 Jahren nach seinem Wechsel vom Fürther Versandhausriesen Quelle zur Post natürlich über gute Kontakte in die Politik verfügt, steht dabei außer Frage. Die Auszeichnung mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik ist vielleicht sogar ein Beleg dafür.

Auf Bergtour mit Schrempp und Reitzle

Rückgrat seines privaten Netzwerkes sind und bleiben aber die Kontakte zu seinen ehemaligen Kollegen der Unternehmensberatung McKinsey. Zusammen mit Herbert Henzler (61), ehemals Deutschland-Chef der Edelberater, pflegt er die beruflichen Seilschaften, fördert Karrieren ihm bekannter "Mackies" und platziert sie zum Teil auf einflussreichen Posten. Seine Aufsichtsratsmandate bei Lufthansa und der Tchibo-Holding sind dabei hilfreich.

Mit Henzler - selbst einer der 50 Mächtigsten - vereint Zumwinkel aber nicht nur die lebenslange Verbundenheit mit McKinsey, sondern auch die Leidenschaft zum Bergwandern. Unter Henzlers geistiger und oftmals Reinhold Messners fachlicher Führung kraxeln die so genannten "Similauner" jeden Sommer durch die Alpen. Neben den beiden McKinsey-Größen gehören unter anderem auch Jürgen Schrempp (DaimlerChrysler), Wolfgang Reitzle (Linde), Jürgen Weber (Lufthansa) und Verleger Hubert Burda der exklusiven Herrenrunde an.

Eine halbe Million Ex-Postler unter Kontrolle

Seinem Hang zu luftigen Höhen kann der frisch gebackene "Herrscher" über eine halbe Million Ex-Postler (230.000 bei der Post, 265.000 bei der Telekom) seit kurzem auch in Bonn frönen. Residiert er im nagelneuen Post-Tower doch im 41. Stock, Blick auf die Telekom-Zentrale inklusive.

Telekom-Chef Ricke ("Ich bin ich") muss sich aber keine Sorgen machen, auf der nächsten Hauptversammlung von seinem neuen Oberaufseher auch rhetorisch übertrumpft zu werden. Wurde Zumwinkel - alte Berater-Krankheit - doch vom Verein Deutsche Sprache wegen des Gebrauchs zu vieler englischer Ausdrücke wie zum Beispiel "easy trade" und "funcard mailing" zum "Sprachpanscher 2002" gekürt.


Die 50 mächtigsten Manager

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