Montag, 20. Mai 2019

Die 50 Mächtigsten Ein kühler Stratege

Das Lebenswerk des Ulrich Hartmann ist beeindruckend: In dreißig Berufsjahren hat er Eon zu einem Energieriesen geformt, der nach dem jüngsten Kauf der Ruhrgas AG eine kritische Masse hat, die an frühere Monopolstrukturen erinnert.

Kurz vor dem Wechsel aus der Vorstands- in die Eon-Aufsichtsratsspitze Ende April 2003 kann Ulrich Hartmann auf einen nahezu historischen Lebensweg zurückblicken. Keine Frage - bei der Veba, die sich nach der Fusion mit der Viag in Eon umbenannte, hat der meist kühl und distinguiert auftretende Stratege markante Spuren hinterlassen: In seinen dreißig Berufsjahren kaufte und verkaufte der agile Unternehmensschmied Firmen im Wert von stattlichen 50 Milliarden Euro.

 Von der Idee des Konglomerats verabschiedet: Ulrich Hartmann verkaufte Firmen für insgesamt 50 Milliarden Euro
DPA
Von der Idee des Konglomerats verabschiedet: Ulrich Hartmann verkaufte Firmen für insgesamt 50 Milliarden Euro
Ein Größenwahnsinniger auf den Spuren des US-Konkurrenten Enron? Keinesfalls. Hartmann war einer der ersten Topmanager hier zu lande, der sich konsequent der wertorientierten Unternehmensführung verpflichtete. Der Veba-Chef machte das Thema Shareholder-Value in Deutschland publik. Jeder Geschäftsbereich müsse zumindest seine Kapitalkosten verdienen, lautet noch immer die oberste Management-Devise im Hause des Energieriesen. Als strenger Oberkontrolleur wird Hartmann darüber wachen, dass sein Nachfolger Wulf Bernotat (einst Stinnes) die eherne Regel bei der Zusammenlegung mit der jüngst erworbenen Ruhrgas AG einhält.

Dabei war der Managementstil des Ulrich Hartmann - er kam 1993 nach dem plötzlichen Lawinentod des damaligen Konzernchefs Klaus Piltz an die Unternehmensspitze - nie besonders dogmatisch. Anfang der neunziger Jahre propagierte er noch die Idee des Konglomerats. Als Mischkonzern könne ein Unternehmen den konjunkturellen Schwankungen besser widerstehen, dozierte Hartmann und diversifizierte das Geschäft durch unzählige Firmenkäufe und teure Investments in die Halbleiter- und Mobilfunktechnologie (Otelo).

Nur wenige Jahre später musste sich Hartmann auf Druck des Kapitalmarktes von der Idee des Konglomerats verabschieden. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hatte eine spektakuläre Analyse veröffentlicht, die nachwies, dass die Summe der Einzelteile der Veba an der Börse mehr Wert sei als das Ganze zusammen. Folge: Am Kapitalmarkt wurde die Veba-Aktie mit einem Abschlag gehandelt, dem "conglomerate discount".

Sehr gute Kontakte in die Bundespolitik

Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern, mag Hartmann damals gedacht haben. Flugs beendete er das Abenteuer Mobilfunk, stieß seine amerikanischen Halbleiteraktivitäten wieder ab und fokussierte das Geschäft auf Energie, vor allem Strom und Gas. Prompt war Eon an der Börse wieder beliebt.

Allerdings kann Hartmann sich glücklich schätzen, dass seine erstaunliche Lebensleistung kurz vor knapp nicht doch noch einen schweren Makel erlitten hat. Denn die mühevoll geplante Fusion mit der Ruhrgas AG schien lange am Widerstand von Kartellamt und Monopolkommission zu scheitern.

Dass es schließlich noch zu einer Ministererlaubnis und einer Einigung mit den Wettbewerbshütern kam, hat Hartmann nicht zuletzt seinem hervorragenden Netzwerk und der prallen Eon-Kriegskasse zu verdanken. Ihm werden sehr gute Beziehungen in die Bundespolitik, den Gewerkschaften und den Banken nachgesagt. Und mit den letzten Fusionsgegnern einigte sich Hartmann außergerichtlich - gegen Bares, versteht sich.


Die 50 mächtigsten Manager

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