Die 50 Mächtigsten Längst nicht alle Trümpfe ausgespielt

Friedel Neuber gilt als der Pate an der Ruhr, als "roter Baron" - als der große Strippenzieher. Seit die Staatsanwaltschaft im Fall Babcock Borsig gegen ihn ermittelt, häufen sich die Abgesänge auf den ehemaligen Chef der WestLB. Doch die Kritiker unterschätzen Neuber gewaltig.
Von Arne Stuhr

Sofort nachdem bekannt wurde, dass die Staatsanwaltschaft Düsseldorf im Umfeld der Ermittlungen im Falle Babcock Borsig auch Babcock-Aufsichtsratschef Friedel Neuber ins Visier genommen hat, brach das Mediengewitter los.

In fast schon epischer Breite wurde Neuber als "sagenhaft trinkfester Kettenraucher" geschildert, der wenn er nicht in der heimischen Eifel mit geschulterter Flinte durch den Wald stromert, gerne auf den Balkan jettet, um dort den Bären nachzustellen. Ein ganzer Kerl eben, der aber in der Vergangenheit lebt und das Ende seiner Karriere nicht wahrhaben will.

Die Realität sieht anders aus: Die Trinkgelage zum Beispiel gehören längst der Vergangenheit an. Dass bei den damaligen Skatrunden mit dem heutigen Bundespräsidenten Johannes Rau und dem inzwischen verstorbenen Ex-NRW-Finanzminister Heinz Schleußer nicht gerade Milch mit Honig getrunken wurde, ist ein offenes Geheimnis. Neuber hätte aber nicht diese herausragende Stellung in der deutschen Wirtschaft erlangt, wenn er, wie es einige "Nachrufe" wahr machen wollen, als herausragende Eigenschaft vor allem das eine oder andere Bier mehr vertragen konnte.

Neuber bestimmt selbst, wann er abtritt

Neuber, inzwischen 67 Jahre, verkörpert den rheinischen Kapitalismus wie kein anderer. Und wer ihn zum Auslaufmodell erklärt hat, musste sich schon des Öfteren eines Besseren belehren lassen.

Beispiel RWE: Wie beim Touristikkonzern Tui und eben Babcock Borsig ist Neuber auch beim Versorger aus Essen Vorsitzender des Aufsichtsrats. Dieses Mandat plant er auch nicht abzugeben, wenn RWE-Chef Dietmar Kuhnt im Laufe des Jahres von der Vorstandsspitze in das Kontrollgremium wechselt, um seinem von Neuber bestimmten Nachfolger Harry Roels Platz zu machen. RWE-Kenner vermuten deshalb, dass hinter den jüngsten Gerüchten um einen bevorstehenden Abschied von Neuber an der Aufsichtsratsspitze Kuhnt-Vertraute stecken.

Wird Neuber - bei Leibe nicht zum ersten Mal unter Beschuss - aber wirklich über Babcock Borsig stolpern? Das glauben noch nicht einmal alle Gegner. Er selbst dürfte sich sogar sicher sein.


Die 50 mächtigsten Manager

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