Freitag, 13. Dezember 2019

Die 50 Mächtigsten Schwabe mit F1-Lizenz

Hermann Scholl hat den Stil des Hauses Bosch - verschwiegen aber beharrlich – verinnerlicht. Dass diese Geisteshaltung einen ausgeprägten Machtwillen nicht ausschließt, bewies der scheidende Konzernchef zuletzt bei der Bestimmung seines Nachfolgers.

Als Hermann Scholl 1962 als frischgebackener Dr.-Ing. der Elektrotechnik bei Bosch in der Sparte Kfz-Ausrüstung einstieg, kämpften auf der nur unweit von der Konzernzentrale liegenden Stuttgarter Rennstrecke "Solitude" die Formel-1-Legenden Jim Clark und Jack Brabham noch um Weltmeisterschaftspunkte. Nur ein Beleg dafür, dass Scholl getrost als ein Urgestein der deutschen Automobilbranche bezeichnet werden kann.

Hermann Scholl: "Wir müssen unternehmerischer werden"
Während 1964 auf der gefährlichen Porsche-Hausstrecke zum letzten Mal um Formel-1-Punkte gefahren wurde - Jim Clark gewann übrigens auf Lotus - begann im Machtzentrum des Bosch-Konzerns auf der Gerlinger Schillerhöhe eine ganz andere "F1-Karriere".

"F1" war einst die interne Bezeichnung für den Vorsitzenden der Geschäftsführung bei Bosch. Der 67-jährige Scholl übernahm am 1. Juli 1993 von seinem Vorgänger Marcus Bierich (davor Finanzvorstand der Allianz) erst als fünfter Manager überhaupt in der mittlerweile 117-jährigen Konzerngeschichte diese Position. Zusätzlich ist er seit 1995 persönlich haftender Gesellschafter der Industrietreuhand KG, die als Vertreterin der Robert-Bosch-Stiftung mit 92 Prozent der Stimmrechte das Herzstück der Konzernarchitektur bildet. Nach dem Tod seiner beiden Förderer Bierich und Bosch-"Gottvater" Hans Merkle im Jahre 2000 übernahm Scholl endgültig die Macht.

Scholl behält die Fäden in der Hand

Diese wird er auch nicht abgeben, wenn er zum 1. Juli dieses Jahres die Geschäftsführung an seinen Nachfolger Franz Fehrenbach (53) abgibt. Da Scholl seine Position in der Industrietreuhand behalten wird und zusätzlich an die Spitze des Aufsichtsrats rückt, wird er weiterhin alle Fäden in der Hand halten.

Erst der sechste Bosch-Chef in 117 Jahren: Franz Fehrenbach tritt am 1. Juli Scholls Nachfolge an
Dass trotzdem nicht alles beim Alten bleiben kann, ist auch Scholl klar. "Bosch steht vor einem langen und durchgreifenden Wandel seiner Unternehmenskultur" und "wir müssen noch unternehmerischer werden" ließ der Konzernchef die rund 220.000 Bosch-Angestellten bereits vor gut einem Jahr wissen.

Dass dieser Wandel nicht ganz einfach wird, musste aber auch Scholl feststellen. Die Übernahme des Heizungsbauers Buderus hing lange in der Schwebe. Nun hat Scholl alles eingeleitet, den Konzern breiter aufzustellen und die Abhängigkeit von der Automobilindustrie zu verringern. Der Kernbereich Kfz-Ausrüstung erwirtschaftete zuletzt nämlich rund 23 der insgesamt 34 Milliarden Euro Umsatz.

Noch ist es aber nicht so weit. Und so wird Scholl auch in Zukunft nicht umhinkommen, vor allem gegenüber den großen Automobilkonzernen seine ganze Macht auszuspielen. DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp, wichtigster Kunde von Bosch, war über Scholls öffentlichen Protest gegen geforderte Preiszugeständnisse so erbost, dass dem Automobilzulieferer nach einer Panne beim Navigationssystem der E-Klasse gleich der ganze Auftrag entzogen wurde.

Enger Draht zur Allianz

Ansonsten dürfte Scholl aber unter Deutschlands Topmanagern nur wenige Gegner haben. Bei BASF und der Allianz sitzt er im Aufsichtsrat. Besonders zum Münchener Finanzriesen besteht ein enger Draht. Neben Mentor Bierich war auch Scholls langjähriger Vize Friedrich Schiefer, einst Henning Schulte-Noelle im Kampf um die Nachfolge Wolfgang Schierens unterlegen, viele Jahre Allianz-Vorstand. Aktueller Statthalter der Münchener als Gesellschafter in der Industrietreuhand ist der ehemalige Allianz-Chef von Baden-Württemberg Peter Adloff.

Allerdings musste Adloff in der Nachfolge-Diskussion die dominante Rolle Scholls eindeutig akzeptieren. Sein Favorit soll nämlich nicht Fehrenbach, sondern Forschungschef Siegfried Dais gewesen sein. Aber über die Position "F1" wird bei Bosch nicht diskutiert, sie wird von Hermann Scholl mit seinem Wunschkandidaten besetzt.


Die 50 mächtigsten Manager

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