Mittwoch, 20. November 2019

Die 50 Mächtigsten Auf Liebesentzug

Von Bundeskanzler Gerhard Schröder im Wahlkampf aus dem Hut gezaubert, wurde Peter Hartz über Nacht prominent. Jetzt muss der "Wundermann aus St. Ingbert" erkennen, dass in der Politik nicht jedes Wort eins zu eins geglaubt werden kann.

Peter Hartz lässt sich gerne bitten. Schon bei seinem Wechsel aus dem heimischen Saarland nach Wolfsburg bedurfte es einer persönlichen Einladung des damaligen Volkswagenchefs Ferdinand Piëch und - so der heutige Aufsichtsratsvorsitzende in seinen Memoiren - den Überredungskünsten von Piëchs Ehefrau, um den Arbeitsdirektor der Dillinger Hütte 1993 als neuen Personalvorstand für Volkswagen zu gewinnen.

 Personifizierte Parität: Peter Hartz ist Manager, Gewerkschafter und Kanzlerberater in einer Person
DPA
Personifizierte Parität: Peter Hartz ist Manager, Gewerkschafter und Kanzlerberater in einer Person
Wenn Hartz sich ziert, geht es ihm aber weniger um eine Machtdemonstration als vielmehr um persönliche Bestätigung und Anerkennung. Seine Eitelkeit ist oft ein Schutzschild, mit dem Hartz Einzelheiten seiner Vergangenheit zu verbergen sucht. Nur mit "unglaublicher Selbstdisziplin" hätte er die Demütigungen einer Kindheit in Armut überstanden, gestand der 61-Jährige dem manager magazin im Sommer dieses Jahres.

Vor einem halben Jahr noch stand Peter Hartz im Zenit seiner Karriere. Der Saarländer, der es über den zweiten Bildungsweg zum Betriebswirt und sogar zum Ehrendoktor der Universität Trier brachte, hatte den Auftrag seines Lebens bekommen. Duzfreund und Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte ihm die Leitung eines Expertengremiums angetragen, das den deutschen Arbeitsmarkt reformieren und seinen Namen tragen sollte. Die Hartz-Kommission war geboren.

Der Sepp Herberger von Wolfsburg

Der VW-Vorstand war die Idealbesetzung. Hartz, seit 40 Jahren Gewerkschaftsmitglied und mit IG-Metall-Chef Klaus Zwickel freundschaftlich verbunden, ist die personifizierte Parität, ohne die in Deutschland bekanntlich nichts geht. Als "Sepp-Herberger-Methode" beschreibt Karlheinz Blessing, Nachfolger von Hartz bei der Dillinger Hütte, den Stil des Reformers. "Der ging auch zu jedem Spieler und sagte, gerade du bist heute der Wichtigste auf dem Platz", zitiert die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" den SPD-Mann.

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Doch anders als beim Fußball ist in der Politik halt nicht nur "auf dem Platz wichtig". Sich in den Schmollwinkel zurückziehend muss Hartz mit ansehen, wie seine Ideen vom "Gesamtkunstwerk zur Wundertüte" (DER SPIEGEL) verkommen. Bisheriger Höhepunkt der Demontage: Auf der Auftaktveranstaltung zur "Roadshow für Ausbildung und Arbeit" in Wolfsburg geriet der bekannt rhetorisch schwache Hartz zwischen die Mühlen der Politik. Beim Schlagabtausch zwischen Kanzler Schröder und Wirtschaftsminister Wolfgang Clement auf der einen und CDU-Oberbürgermeister Rolf Schnellecke auf der anderen Seite, blieb "dem sehr geehrten Herrn Doktor Hartz" ausgerechnet beim Heimspiel die gewohnte und ersehnte Anerkennung versagt.

Bei Volkswagen sind die Verdienste des Peter Hartz hingegen noch nicht vergessen. Der Aufsichtsrat unter Leitung von Piëch, dem Hartz mit der Einführung der Viertagewoche laut eines VW-Managers vor zehn Jahren "den Hintern rettete", verlängerte jüngst seinen Vertrag.


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