Montag, 24. Juni 2019

Die 50 Mächtigsten Der gnadenlose Kämpfer

Kajo Neukirchen galt lange als Deutschlands härtester Manager. Viele Arbeitnehmer haben durch ihn ihren Job verloren. Nun wurde der knallharte Sanierer selber geschasst.

Wohl kaum ein deutscher Top-Manager polarisiert derart wie Karl-Josef ("Kajo") Neukirchen (61). Entweder man mag den hochgewachsenen Manager mit den stechenden Augen, was nicht häufig der Fall sein soll, oder man mag ihn eben nicht.Tatsache ist: Neukirchen galt lange als der härteste Manager des Landes, ein Mann ohne Gnade, der von der Presse schnell als "Rambo" und "Terminator" gescholten wurde.

 Kajo Neukirchen: Der einstige Chef kassiert zum Karriereende noch einmal ordentlich ab
DPA
Kajo Neukirchen: Der einstige Chef kassiert zum Karriereende noch einmal ordentlich ab
Seinen Ruf als knallharter Sanierer hat Neukirchen spätestens seit der Restrukturierung des Maschinenbaukonzerns KHD erlangt. Der Großaktionär Deutsche Bank, mit deren Ex-Chef Hilmar Kopper der Rheinländer befreundet ist, hatte ihn als Troubleshooter zu KHD beordert, um den aus dem Ruder gelaufenen Konzern wieder ins Lot zu bringen. Neukirchen meisterte die Aufgabe bravourös, wenn auch viele Menschen ihren Arbeitsplatz verloren. Im Jahr 1993 dann wechselte Neukirchen, ebenfalls auf Wunsch der Deutschen Bank, zur Metallgesellschaft, die wegen merkwürdiger Öl-Termingeschäfte ihres schillernden Vorstandsvorsitzenden Schimmelbusch arg in die Bredouille geraten war.

Wie Neukirchen dann in der Metallgesellschaft aufräumte, ist geradezu legendär. Rund 50 leitende Manager hat er in den vergangenen Jahren geschasst - etwa den einstigen Strategie-Vorstand Ralf Bufe. Er erfülle nicht die nötigen Qualitätsansprüche, begründete Neukirchen den Rauswurf trocken vor der Presse - eine öffentliche Hinrichtung.

Im Streit mit Otto Happel unterlegen

Neukirchen hat das diversifizierte Konglomerat neu ausgerichtet und in MG Technologies umbenannt. Doch der permanente Streit und die Gerichtsverfahren mit Großaktionär Otto Happel, der Zweifel an der Wahrhaftigkeit des MG-Zahlenwerkes hat, trüben den persönlichen Erfolg. Und nun hat Neukirchen seine letzte große Schlacht verloren: Anfang April löste der >Aufsichtsrat seinen Vertrag auf Druck Happels auf.

Heraus kam eine Lösung im Stile Kajo Neukirchens: Sein Vorstandsvertrag, der noch bis 2006 laufen sollte, wird komplett ausgezahlt. Sämtliche Pensionsansprüche bleiben erhalten, wie auch das Recht auf Wagen, Fahrer und Sekretärin. Der Wert des Neukirchen-Abschieds-Paketes: Gut 15 Millionen Euro.

Mit Neukirchen dankt ein Stück der alten Deutschland AG ab.


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