Die 50 Mächtigsten Der Menschenfänger

Wirtschaftsprüfer, Vermögensverwalter, Sanierer, Berater, Fusionsexperte - Otto Gellert ist ein Multitalent. Mit seiner offenen und ehrlichen Art ist der passionierte Hamburger zum Urgestein der deutschen Unternehmerszene geworden.
Von Andreas Nölting

"Das will ich Ihnen sagen". Auch jenseits der Siebzig ist Otto Gellert geblieben, was ihn Jahrzehnte auszeichnete: Ein offener und amüsanter Gesprächspartner, ein einflussreicher Strippenzieher und vor allem ein glaubhaftes, unabhängiges Multitalent. Seine liebenswerte, schnoddrige Art und sein typisch Hamburger Tonfall haben Gellert in aller Welt Freunde für das Leben beschert. Ob Reemtsma, Warburg, Schrempp, Sinatra oder Crosby - Gellert kennt die globale Elite.

"Der Mensch ist entscheidend", lautet sein Motto. Wer an die Spitze eines Unternehmens gelangen wolle, müsse auf Leute zugehen können, kreativ, offen und "unglaublich fleißig" sein - alles Eigenschaften, die Gellert perfekt verinnerlicht. Seit 42 Jahren ist der "Professor", wie er im Hamburger Ratsherrenkelller liebevoll genannt wird, im Geschäft - als Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Fusionsexperte, Schiedsgutachter, Testamentsvollstrecker und Verwalter privater Super-Vermögen.

Gellert kann und will offensichtlich nicht kürzer treten. Noch immer mischt er an vorderster Front mit. So vermittelt er zwischen der Herz-Familie (Tchibo) und dem Allianz-Konzern um einen möglichen Verkauf der Beiersdorf AG. Kürzlich hat ihn die Handelskammer Hamburg als Schiedsgutachter bestellt, um eine Einigung ("Shareholder-Agreement") zwischen Gerhard Schmid (Mobilcom) und der France Telecom herbei zu führen.

Mehr als 350 Deals eingefädelt

Für die Hansestadt hat Gellert erreicht, dass Teile der Airbus-Produktion an die Elbe kommen, die meisten Arbeitsplätze der Bavaria-Brauerei erhalten bleiben und 42.000 Wohnungen der fallierten Neuen Heimat in den Besitz der Stadt gelangen. Und auch seiner Aufgabe als stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrats der BvS (früher Treuhandanstalt) geht der Fusions-Spezialist unverzagt nach.

Zudem hat Gellert noch mehrere sehr prominente Mandate. Er vertritt den Herz-Clan, Michael Kühne (Kühne und Nagel), die Bankiersfamilie Warburg sowie zwei ungenannte Vermögensgesellschaften. Und auch seiner heimlichen Leidenschaft als M&A-Experte geht Gellert weiter nach. Gellert ist quasi eine Ein-Mann-Investmentbank. Mehr als 350 Akquisitionen oder Firmenverkäufe hat der Zahlenexperte in seinem Berufsleben begleitet.

Dramaturg war sein Traumberuf

Kaum zu glauben, dass ein so erfolgreicher Manager eigentlich Dramaturg werden wollte. Nur seinem Vater ("Otto, lerne etwas Praktisches") hat Gellert zu verdanken, dass er schließlich Betriebswirtschaft studierte, an der Universität Hamburg promovierte und sich dann als Wirtschaftsprüfer selbständig machte. Sein erstes großes Mandat: Gellert rettete 1961 den Werftunternehmer Willy H. Schlieker aus dem Insolvenzverfahren und erreichte einen Zwangsvergleich.

Heute ist Gellert das Urgestein der deutschen Wirtschaft. 45 der 50 mächtigsten Manager kennt er persönlich - kein Netzwerk, wie Gellert meint ("das klingt doch so negativ"), sondern ein Erfolg seiner ehrlichen Art und seiner ungemeinen Fähigkeit, mit Menschen offen umzugehen.

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