Mittwoch, 17. Juli 2019

Die 50 Mächtigsten Technokrat und Königsmacher

Von VW bis Porsche - Ferdinand Piëch hat in vier Jahrzehnten seinen Einfluss auf große Teile der internationalen Autolandschaft ausgedehnt. Ein Netzwerk aus persönlichen Abhängigkeiten erhält ihm seine Macht auch als Ruheständler.

Jeder, der glaubt, wichtig, interessant oder im besten Fall sogar beides zu sein, beglückt die Leser heutzutage mit seinen Memoiren. Auch Ferdinand Piëch (65) präsentierte bereits seine "Auto.Biographie". Wer erwartete, pikante Details aus seinem Privatleben - Piëch hat immerhin zwölf Kinder von fünf verschiedenen Frauen - zu erfahren, wurde enttäuscht. Vielmehr legte der Aufsichtsratsvorsitzende und langjährige Chef (1993 bis 2002) von Volkswagen ein Bekenntnis zum Glauben an die Technik ab.

Ferdinand Piëch: Immer das Gefühl gehabt, es besser als die anderen machen zu können
Dass der Österreicher neben seinem Können im Bereich Automobilbau auch ein Meister der Machtgewinnung und -erhaltung ist, lässt er hingegen nur an wenigen Stellen durchblicken. Nach außen gibt Piëch nach seinem Ausscheiden aus dem operativen Geschäft lieber den Ruheständler. Verschmitzt lächelnd auf einer Bank vor seinem Alterssitz in der Alpenrepublik einen Wanderstab schnitzend (sein offizielles Imagefoto) will er seine Gegner und Mitstreiter in Sicherheit wiegen. "Ich werde mich hüten, dem Vorstand reinzureden", gab der gewiefte Taktiker in einem Interview mit der "Welt am Sonntag" ("WamS") das Unschuldslamm.

Die Wahrheit sieht anders aus: Mit Nachfolger Bernd Pischetsrieder, der Piëch seine Rehabilitation und Rückkehr in die erste Garde der deutschen Manager zu verdanken hat, und Martin Winterkorn, der von Piëch nicht nur zum Audi-Chef, sondern gleich zum Verantwortlichen für die gesamte sportliche Modellpalette des Konzerns gekürt wurde, hat der ehemalige Volkswagen-Chef beide Schlüsselpositionen im Konzern mit Managern besetzt, die ihm etwas schuldig sind.

Den Kanzler des Wortbruchs bezichtigt

Bei Porsche ist die Sache differenzierter. Piëch ist direkt am Unternehmen beteiligt und hat von seiner Mutter Louise Piëch Anteile an der Porsche Holding, die exklusiv Porsche- und VW-Fahrzeuge in Österreich vertreibt, geerbt. Auch wenn Piëch statt Wendelin Wiedeking vor zehn Jahren lieber Wolfgang Reitzle, demnächst Vorstandsvorsitzender von Linde, zum Porsche-Chef gemacht hätte, bezeichnet er Wiedeking heute als einen Glücksfall für die Zuffenhausener. Dennoch übt er immer wieder Kritik am Senkrechtstarter. "Er braucht einmal einen Knick, um wirklich etwas Großes machen zu können", orakelte Piëch in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Interessengemeinschaft mit dem Kanzler: "Schröder und ich waren nie wirkliche Freunde"
Neben seiner Rolle als Königsmacher der deutschen Autobauer hat Piëch zusätzlich hervorragende Beziehungen zur Politik geknüpft. Flankiert durch die Kontakte auf höchster Regierungsebene nach Spanien und Tschechien, die Heimatländer der Volkswagen-Töchter Seat und Skoda, bildet die Verbindung zum Großaktionär Niedersachsen das Herzstück der Piëch-Diplomatie.

Im Gespräch mit der "WamS" reduzierte Piëch seine Beziehung zum langjährigen Ministerpräsidenten und jetzigen Bundeskanzler Gerhard Schröder aber auf eine "Interessengemeinschaft" und bezichtigte Schröder sogar des Wortbruchs, da dieser gegen ein persönliches Versprechen Umweltminister Jürgen Trittin so viel Spielraum gewähre.


Die 50 mächtigsten Manager

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