Luftfahrt nach der Corona-Krise Lufthansa will Piloten loswerden - Ryanair will sie einstellen

Die Corona-Pandemie hat Fluggesellschaften rund um den Globus hart getroffen. Doch während die einen immer noch am Personalabbau arbeiten, stellen die anderen schon wieder ein.
Das Frankfurter Cargo-Krisen-Spirit ist längst verflogen: Die Lufthansa-Tochter möchte ein paar Piloten loswerden

Das Frankfurter Cargo-Krisen-Spirit ist längst verflogen: Die Lufthansa-Tochter möchte ein paar Piloten loswerden

Foto: Fredrik Von Erichsen/ DPA

Bei der Lufthansa-Tochter Cargo spitzt sich ein Streit zwischen Arbeitgebern und Piloten zu. Nach dem Boom im Krisenjahr droht bis zu 160 Piloten von Lufthansa Cargo das vorzeitige Karriereende, meldet das Internetportal "Aero.de". Jüngeren Ersten Offizieren soll die Airline bereits nahegelegt haben, sich neue Jobs zu suchen.

Hintergrund sind die Sondervereinbarungen, die zwischen der Lufthansa und den Piloten während der Pandemie vereinbart wurden. Mit der Regelungsabsprache zu erweiterten Einsatzmöglichkeiten des Personals war der boomende Frachtverkehr erst ermöglicht worden. Da Lufthansa Cargo nun aber Personal abbauen will, wollten die Piloten die Sonderregelungen nicht weiter verlängern - Lufthansa Cargo drohen damit kurzfristige Flugausfälle.

Nach einer Krisensitzung einigten sich die Parteien nun zumindest darauf, die Sonderregeln noch eine weitere Woche in Kraft zu halten, um zu einer vertraglichen Lösung zu kommen. "Bei uns läuft nach wie vor alles", erklärte eine Cargo-Sprecherin am Montag.

Lufthans Cargo ist mit einem Umsatz von 2,8 Milliarden Euro und 4400 Beschäftigten aktuell der Star des Konzerns. Während die Passagierfliegerei im Corona-Modus Milliarden verbrennt, schafft die Cargo-Tochter Rekordzahlen, auch wegen des allgemeinen Frachtbooms. Gut 770 Millionen Euro Betriebsgewinn (bereinigtes Ebit) fielen 2020 an, eine Traummarge von 28 Prozent.

Ryanair will 2000 Piloten einstellen

Insgesamt sind bei der Lufthansa aufgrund der Corona-Pandemie 1500 der rund 5000 Piloten- und Co-Piloten-Jobs gefährdet. Derzeit verhandelt die Airline mit den Arbeitnehmern über einen sozial verträglichen Abbauplan. Gesichert sind die Jobs noch bis zum Frühjahr 2022.

Wer sich schon jetzt umorientieren möchte, sollte einen Blick nach Irland werfen. Dort will der Billigflieger Ryanair in den kommenden drei Jahren 2000 Piloten einstellen. Gesucht werden vor allem Nachwuchskräfte, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Freie Kapitänsposten würden vor allem intern vergeben. Noch in diesem Jahr sollen dafür Trainingskurse beginnen.

Hintergrund der Neueinstellungen ist die Anschaffung von mehr als 200 Boeing 737 der neuesten Generation. Die Erholung von der Corona-Krise will Ryanair bis 2024 abgeschlossen haben. Bis dahin will der Billigflieger die Marke von 200 Millionen Passagiere jährlich knacken. Ryanair-Chef O'Leary hat den Billigflieger bisher glimpflich durch die Krise gebracht  und blickt trotz eines Milliardenverlustes für das vergangene Geschäftsjahr (rund eine Milliarde Euro) optimistisch in die Zukunft.

mg/dpa-afx