Weitere Staatshilfe gezogen Lufthansa stoppt den Cash-Abfluss

Erstmals seit Beginn der Corona-Krise hat die Lufthansa im abgelaufenen Quartal mehr Geld eingenommen als ausgegeben - darunter auch neue Staatsmilliarden. Das Reisegeschäft ist noch weit vom alten Niveau entfernt.
Wieder etwas Betrieb: Passagierin am Frankfurter Flughafen Ende Juli

Wieder etwas Betrieb: Passagierin am Frankfurter Flughafen Ende Juli

Foto: Arne Dedert / dpa

Die Lufthansa hat mit steigenden Fluggastzahlen und Kostensenkungen den Verlust in der Corona-Krise verringert. Im zweiten Quartal habe sich das bereinigte Betriebsergebnis auf minus 952 Millionen Euro belaufen, teilte der Luftfahrtkonzern am Donnerstag mit. Der Verlust war damit viel niedriger als im Vorjahresquartal, als der Corona-Lockdown für einen Fehlbetrag von 1,7 Milliarden Euro sorgte, und etwas geringer als von Analysten erwartet.

Dank starker Buchungseingänge und Kostensenkungen, auch durch Kurzarbeit und Personalabbau, konnte die Lufthansa erstmals seit Ausbruch der Pandemie den Mittelabfluss stoppen und nahm 340 Millionen Euro Barmittel ein. "Dass uns dabei bislang über 30.000 Kolleginnen und Kollegen verlassen haben, schmerzt uns alle, ist aber für die nachhaltige Rettung der über 100.000 verbliebenen Arbeitsplätze unausweichlich", erklärte Vorstandschef Carsten Spohr (54).

Hälfte des Sparziels bereits umgesetzt

Die Corona-Krise hat den Luftverkehr hart getroffen. Erst seit Mai hoben mit den Lockerungen der Reisebeschränkungen allmählich wieder mehr Passagierflugzeuge ab. Die Lufthansa und die Tochter-Airlines Eurowings, Swiss, Brussels und Austrian Airlines beförderten von April bis Juni sieben Millionen Fluggäste - das waren zwar mehr als im Vorjahreszeitraum, als der Luftverkehr weitgehend am Boden lag und 1,7 Millionen Passagiere einstiegen, aber nur 18 Prozent des Vorkrisenniveaus von 2019. Der Umsatz stieg um 70 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro, blieb aber weit entfernt vom Niveau normaler Zeiten, als die Lufthansa fast zehn Milliarden Euro Erlös eingeflogen hatte. Zugleich kommt die Lufthansa mit ihren Kostensenkungen schneller voran als geplant: Die Hälfte der angepeilten Summe von 3,5 Milliarden Euro Einsparungen bis 2024 sei schon umgesetzt.

Positive Beiträge lieferten die Frachtsparte Lufthansa Cargo, die Lufthansa Technik mit ihrem wieder anziehenden Wartungsgeschäft sowie die zum Verkauf stehende Cateringtochter LSG mit ihrem außereuropäischen Geschäft. Die wesentlichen Ergebnisverbesserungen kamen von den Airlines, die aber weiterhin deutlich in der Verlustzone unterwegs waren.

Hoffen auf Amerikaflüge für Geimpfte

Die wieder steigenden Infektionszahlen werfen erneut einen Schatten über den sich gerade erholenden Tourismus in Europa, der zurzeit auch für die Lufthansa mangels Geschäftskunden das Hauptgeschäft ausmacht. Entscheidend für den weiteren Geschäftsverlauf ist aus Sicht der Lufthansa vor allem die Öffnung des nordamerikanischen Marktes. Bislang gilt für EU-Bürger weiterhin ein coronabedingtes Einreiseverbot in die USA. Laut Presseberichten unter anderem der "New York Times" soll sich dies bald ändern. Vorausgesetzt werde dann der Nachweis einer vollständigen Corona-Impfung, hieß es am Mittwoch unter Berufung auf Kreise des Weißen Hauses. Offiziell gab es zunächst keine Stellungnahme.

Die Berichte werte er als klares Signal, dass mit hohem Tempo an einem Plan gearbeitet werde, sagte Spohr am Donnerstag in Frankfurt. Ein Zeitplan für Reiseerleichterungen liege bislang aber nicht vor. Lufthansa plane bislang konservativ, dass bis Ende September Geimpfte wieder in die USA einreisen können. Er sei aber hoffnungsvoll, dass dies auch schon früher geschehen könne, meinte Spohr.

Den Ausblick für das Gesamtjahr ließ der Vorstand unverändert: Das Angebot soll im Durchschnitt 40 Prozent der Sitzplatzkapazität von 2019 erreichen, im dritten Quartal will die Airline-Gruppe 50 Prozent der Vorkrisenkapazität anbieten. Der operative Verlust werde geringer ausfallen als das Minus im Vorjahr von fast 5,5 Milliarden Euro. Der Billigflieger Ryanair, von den Passagierzahlen her der Hauptkonkurrent, will im laufenden Geschäftsjahr etwa zwei Drittel der Sitzplätze im Vergleich zu 2019 füllen und beim Betriebsergebnis die Nulllinie erreichen.

Jetzt vier Milliarden Euro Staatshilfe gezogen

Im abgelaufenen Quartal nahm der Konzern weitere 1,5 Milliarden Euro Staatshilfe aus der Stillen Beteiligung des Bundes in Anspruch. Damit nutzt die Lufthansa nun vier Milliarden der von Deutschland, Österreich, Schweiz und Belgien angebotenen neun Milliarden Euro. Weiterhin bereitet Lufthansa eine Kapitalerhöhung vor, mit der die Staatshilfen abgelöst werden sollen, wie Finanzvorstand Remco Steenbergen bekräftigte. Zur Jahresmitte standen dem Unternehmen liquide Mittel in Höhe von 11,1 Milliarden Euro zur Verfügung.

Der deutsche Staat ist seit der Rettungsaktion im vergangenen Jahr mit einem Anteil von 20 Prozent Hauptaktionär. Lufthansa-Chef Spohr will die Schulden beim Steuerzahler mit Geld aus einer Kapitalerhöhung abbauen, die nach früheren Aussagen noch vor der Bundestagswahl Ende September vollzogen werden könnte. Die in Medienberichten genannten drei bis vier Milliarden Euro seien deutlich zu hoch, erklärten Steenbergen und Spohr am Donnerstag. Der Finanzbedarf sei geringer, weil das Unternehmen die Pensionsverpflichtungen habe reduzieren können. Das Unternehmen plant außerdem, mit der Wartungstochter Lufthansa Technik Geld hereinzuholen über den Verkauf eines Anteils oder einen Teilbörsengang. Eine Investmentbank sei mittlerweile beauftragt, die strategischen Optionen zu prüfen, erklärte Steenbergen. Der Vorstand wolle dann vor Jahresende entscheiden.

Lufthansa-Aktien werden nach Einschätzung von Analysten bis zur Kapitalerhöhung Ladenhüter bleiben, weil unklar ist, wie stark der Wert der Papiere dabei verwässert wird. Nach Daten von Refinitiv empfiehlt derzeit keine Bank die Aktie zum Kauf - die Mehrheit der Analysten rät, sie abzustoßen.

ak/Reuters, dpa-afx
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