Ausstieg aus Staatshilfe Lufthansa zahlt stille Einlage vollständig zurück

Nach einer neuen Milliardenzahlung hat der Bund seine direkte Staatshilfe von der Lufthansa komplett zurück. Olaf Scholz rechnet mit einem Gewinn aus der Rettungsaktion, wenn auch die Aktien verkauft werden.
Back in the game: Die ersten US-Flüge (Bild vor dem Abflug von München nach Miami am Montag) stützen das Geschäft der Lufthansa

Back in the game: Die ersten US-Flüge (Bild vor dem Abflug von München nach Miami am Montag) stützen das Geschäft der Lufthansa

Foto: Alexander Hassenstein / Getty Images

Früher als geplant hat die Lufthansa alle Corona-Hilfen des Staates zurückgezahlt. Am Freitag sei eine Milliarde Euro an den Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) der Bundesrepublik gegangen, nicht abgerufene Mittel seien zudem gekündigt worden, teilte die Lufthansa mit. Der Staat bleibt noch mit rund 14 Prozent der Aktien an der Fluggesellschaft beteiligt. Diese Anteile sollen bis spätestens Oktober 2023 verkauft werden, bekräftigte am Freitag die Bundesregierung.

Die Lufthansa hatte in der Corona-Krise mit der Bundesregierung und der EU-Kommission ein insgesamt neun Milliarden Euro schweres staatliches Rettungspaket ausgehandelt - drei Milliarden Euro als Darlehen der staatlichen Förderbank KfW und sechs Milliarden Euro aus dem WSF. Der Konzern nahm nach eigenen Angaben rund 3,8 Milliarden Euro in Anspruch. Darin enthalten sind rund 306 Millionen Euro, mit denen der WSF seine Aktienbeteiligung am Unternehmen aufbaute. Der Konzern hatte bereits im Februar einen Kredit der staatlichen Förderbank KfW in Höhe von einer Milliarde Euro vorzeitig getilgt. Im Oktober zahlte er 1,5 Milliarden Euro an den WSF, nun eine weitere Milliarde.

Die Rückzahlung aller in der Corona-Krise gezahlten Staatshilfen gilt als Voraussetzung für weitere Fusionen und Übernahmen unter Europas Fluggesellschaften. Denn so lange die Unternehmen der Branche staatlich gestützt werden, sind ihnen Zusammenschlüsse untersagt. Lufthansa hat auch Hilfen von Österreich, der Schweiz und Belgien erhalten, die nach eigenen Angaben noch nicht zurückgezahlt sind.

Scholz spricht von "gutem Geschäft für die Staatskasse"

Die Rückzahlungen ermöglicht hätten vor allem "die steigende Nachfrage nach Flugreisen, die schnelle Restrukturierung und Transformation" sowie "das Vertrauen der Kapitalmärkte in das Unternehmen", teilte Lufthansa am Freitag mit. Der Konzern gab seit November 2020 mehrere Anleihen aus und lieh sich so Geld von Investoren; im Oktober gab die Airline zudem neue Aktien aus und sammelte so knapp 2,2 Milliarden Euro ein.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr (54) erklärte am Freitag, er bedanke sich im Namen aller Beschäftigten bei der Bundesregierung und den Steuerzahlern. "In der schwersten finanziellen Krise unserer Unternehmensgeschichte haben sie uns eine Zukunftsperspektive gegeben. Dadurch konnten wir mehr als 100.000 Arbeitsplätze erhalten."

Finanzminister Olaf Scholz (63, SPD) und Wirtschaftsminister Peter Altmaier (63, CDU) lobten die schnelle Rückzahlung und verwiesen auf die Wirksamkeit der Staatshilfe zur Sicherung des Unternehmens und vieler Arbeitsplätze. Scholz erklärte: "Und es war ein gutes Geschäft für die Staatskasse - denn wie es aussieht, wird der Staat am Ende seines Engagements ein Plus machen."

ak/AFP, dpa-afx
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