Quälend langsame Ticketerstattung Noch immer warten 650.000 Lufthansa-Kunden auf ihr Geld

Hunderttausende Lufthansa-Kunden warten Monate nach ihrem Flugstorno immer noch auf ihr Geld. Der Konzern glaubt sich auf gutem Weg, die offenen Forderungen von 300 Millionen Euro zu begleichen.
Geparkte Lufthansa-Maschinen

Geparkte Lufthansa-Maschinen

Foto: Christophe Gateau / dpa

Beim Lufthansa-Konzern warten weiterhin rund 650.000 Kunden auf die Erstattung stornierter Tickets. Allerdings habe die Zahl abgenommen, und die offenen Forderungen beliefen sich inzwischen auf weniger als 300 Millionen Euro, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Eine Woche zuvor waren es noch rund 350 Millionen Euro gewesen.

Mit Ausbruch der Coronavirus-Pandemie kam die Passagierluftfahrt im Frühjahr über Monate weltweit zum Erliegen. Die meisten Airlines mussten mit Staatsgeld vor einer Pleite gerettet werden. Die Unternehmen bauen als Folge der Krise Zehntausende Arbeitsplätze ab.

Mittlerweile hebt ein Teil der Maschinen der Fluggesellschaften unter strengen Hygieneauflagen an Bord wieder ab. Doch etliche Flieger stehen weiter am Boden oder sind bereits ausgemustert. Denn die Kunden nehmen das Angebot nur zögerlich wahr, zugleich bremsen Quarantäne- und Einreisebeschränkungen den Reiseverkehr nach wie vor erheblich.

Wie die Lufthansa weiter erklärte, komme es durch laufende Änderungen der Flugpläne im Zuge der Corona-Reisebeschränkungen zu unvermeidbaren Flugstreichungen. Daher könnte die Zahl der offenen Erstattungsanträge nie ganz auf Null sinken. Aktuell sei man durch verstärkten Personaleinsatz in der Lage, rund 1700 Erstattungsanträge pro Stunde zu bearbeiten.

Doch ist das wohl nur die Hälfte der Wahrheit: Die Lufthansa war angesichts der vielen Kundenforderungen infolge der Flugausfälle seit März mit der Ticketerstattung sichtlich überfordert. Zugleich versuchte der in den MDax abgestiegene Konzern die eigenen Geldreserven zu schonen, indem er den Kunden Gutscheine und Umbuchungen anbot. Sehr viele Kunden nahmen dieses Angebot offensichtlich nicht in Anspruch.

Eine Anfrage des Bundesluftfahrtamtes von Anfang August offenbarte dann das Desaster: Von 4,48 Millionen Erstattungsanträgen bis zu diesem Zeitpunkt waren lediglich 3,25 Millionen bearbeitet worden. Das Luftfahrbundesamt leitete ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen den Konzern ein - die drohende Strafe von bis zu einer Million Euro nimmt sich allerdings wie die besagten Peanuts zu den Ansprüchen der Kunden aus.

Nicht nur die Lufthansa hält ihre Kunden lange hin

Dabei war die Lufthansa mit einem neun Milliarden Euro schweren Rettungspaket auch vom Steuerzahler und Kunden mit gerettet worden. Das Verhalten der Lufthansa hatte bereits Mitte Juni für scharfe Kritik seitens der Bundesregierung geführt. "Was da passiert, ist eine Frechheit", ätzte der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung offen gegen das Unternehmen.

Ende September verklagte die Verbraucherzentrale die Lufthansa wegen nicht erstatteter Flugtickets. Auf eine Abmahnung hatte das Unternehmen zuvor nicht reagiert. Konzernweit will die Lufthansa nach eigenen Angaben bislang 7,3 Millionen Tickets mit einer Summe von 3,2 Milliarden Euro erstattet haben.

Die Lufthansa ist zweifelsohne kein Einzelfall: Rechtsdienstleister wie Flightright  oder Fairplane , die Erstattungsansprüche für ihre Klientel auch gerichtlich durchzusetzen versuchen, berichteten im September noch von Zehntausenden Anfragen, in denen Kunden verschiedenster Airlines noch immer nicht ihr Geld erhalten hätten.

Besonders dreist verhielt sich dabei offenbar die TAP Air Portugal gegenüber ihren Kunden. Weil sie sich beharrlich weigerte, ihren Zahlungsausständen nachzukommen, ließ Flightright laut eigenen Angaben Konten, Sparverträge, Stahlkammerfächer und Depots der Fluggesellschaft in Millionenhöhe pfänden .

rei mit dpa
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