"Täglich 100 kaum besetzte Flüge" Streit um Geisterflüge – Lufthansa kritisiert EU-Kommission

Der Streit zwischen Lufthansa und der EU-Kommission über umweltschädliche Leerflüge, mit denen sich die Airline Landerechte sichern will, spitzt sich zu. Inzwischen mischt auch Ryanair-Chef Michael O'Leary mit.
Jets am Boden: Durch die Corona-Pandemie ist der Flugverkehr massiv eingebrochen - die Start- und Landerechte der Airlines geraten dadurch in Gefahr

Jets am Boden: Durch die Corona-Pandemie ist der Flugverkehr massiv eingebrochen - die Start- und Landerechte der Airlines geraten dadurch in Gefahr

Foto: Kai Pfaffenbach / REUTERS

Seit Jahresbeginn sorgen die nahezu unbesetzten Passagierflugzeuge für Aufsehen, die die Lufthansa durchführt, um sich die Start- und Landerechte für begehrte Flughäfen zu sichern. Nun legt die Airline noch einmal nach und beklagt die uneinheitliche Anwendung der Ausnahmeregeln durch die Mitgliedsländer in der Europäischen Union.

Die Regeln würden in mehr als 20 Mitgliedsländern gar nicht eingesetzt und in den übrigen sehr unterschiedlich, sagte ein Unternehmenssprecher in Frankfurt am Main. Derzeit würden im Konzern täglich etwa 100 kommerziell unnötige, kaum besetzte Flüge durchgeführt. Die Lufthansa fordert für den Rest des Winterflugplans flexible und unbürokratische Ausnahmen zu den sogenannten Slotregeln. Die Kommission solle sich für eine einheitliche Regelung einsetzen, um unnötige Flüge zu vermeiden und den Airlines Planbarkeit zu geben.

Hintergrund des Streits zwischen der Lufthansa und der EU sind die Start- und Landerechte in der Union. Grundsätzlich müssen die Airlines an bestimmten, zu normalen Zeiten stark belasteten Flughäfen mindestens 80 Prozent ihrer zugeteilten Zeitfenster nutzen, um sie nicht in der kommenden Saison abgeben zu müssen. Mit Auftreten der Pandemie wurde diese Quote zwischen März 2020 und März 2021 komplett ausgesetzt, für den derzeitigen Winterflugplan gilt eine Quote von 50 Prozent. Von vielen Fluggesellschaften wird dies als unrealistisch betrachtet, da der Flugverkehr weiter stark durch die Pandemie eingeschränkt ist.

Laut EU-Kommission kann der Anteil aber mit Ausnahmeregeln weiter unterschritten werden, die etwa beim Auftreten neuer Virusvarianten greifen. Die Prüfung unterliegt dabei nationalen Koordinatoren. Zu Beginn des Sommerflugplans ab dem 28. März plant die Kommission eine Erhöhung der Nutzungsquote auf 64 Prozent.

18.000 unnötige Lufthansa-Flüge

Kurz vor dem Jahresende hatte Lufthansa-Chef Carsten Spohr (55) in einem Interview gesagt, dass der Konzern bis Ende März rund 18.000 eigentlich unnötige Flüge abfliegen müsse, um seine Zeitfenster zu behalten. Davon seien aktuell bereits rund 40 Prozent abgeflogen worden, hieß es nun. Für die verbleibenden rund 11.000 unnötigen Flüge hoffe man auf Lösungen.

Die EU-Kommission wies die Vorwürfe am Donnerstag zurück. Auch die Lufthansa profitiere von zahlreichen Ausnahmeregeln, die vom deutschen Slot-Koordinator zugelassen worden seien, teilte die EU-Kommission in Brüssel mit. Zudem werde nach einer Prognose der EU-Behörde Eurocontrol der Luftverkehr in diesem Jahr schon wieder 89 Prozent des Vorkrisenniveaus erreichen. Die neue Rate komme den Verbrauchern zugute und sorge für eine effiziente Nutzung der Flughafenkapazitäten.

Ryanair mischt sich ein

Konkurrent Ryanair macht sich bereits über die "Geisterflüge" der Lufthansa lustig. "Wir haben die Lösung: Verkauft billige Tickets", schrieb die irische Fluggesellschaft am Mittwoch auf Twitter und appellierte zugleich an die EU-Kommission, nicht genutzte Startzeiten anderweitig zu vergeben. "Lufthansa weint Krokodilstränen mit Blick auf die Umwelt, ist aber zu allem bereit, um seine Zeitfenster zu behalten", sagte Ryanair-Chef Michael O'Leary (60) dazu. Billigflieger wie Ryanair kritisieren die Slotregeln, da sie ihrerseits Interesse an den Rechten haben.

"Wir haben die Lösung: Verkauft billige Tickets"

Ryanair zum Streit über die Start- und Landerechte in der EU

Die EU-Kommission solle "falsche Behauptungen" der Lufthansa über die Notwendigkeit von leeren Geisterflügen ignorieren, erklärte Ryanair weiter. Die EU solle Lufthansa und andere staatlich subventionierte Fluggesellschaften stattdessen zwingen, Slots freizugeben, die sie nicht nutzen wollten. "Ghostbusters" wie Ryanair und andere Airlines könnten dann diese Flüge zu niedrigeren Ticketpreisen anbieten. Ryanair hatte vergangene Woche angekündigt, sich vom Flughafen Frankfurt im Frühjahr wegen der Gebührenerhöhung zurückziehen zu müssen.

mg/dpa-afx, Reuters, AFP
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