Erneut Milliardenverlust Lufthansa verbrennt "nur noch" acht Millionen Euro pro Tag

Die Bilanz der vom Staat geretteten Lufthansa bleibt auch im ersten Quartal tiefrot. Immerhin konnte Vorstandschef Carsten Spohr den Verlust dank Kostensenkungen im Vergleich zum Vorjahr halbieren.
Angebotsprognose reduziert: Die Flugbegleiter der Lufthansa würden gerne mehr arbeiten - aber noch gibt es zu wenig Flüge

Angebotsprognose reduziert: Die Flugbegleiter der Lufthansa würden gerne mehr arbeiten - aber noch gibt es zu wenig Flüge

Foto: Andreas Arnold / DPA

Die anhaltende Corona-Krise im Luftverkehr hat die Bilanz der Lufthansa im ersten Quartal erneut tiefrot gefärbt. Von Januar bis März schrieb der Konzern unter dem Strich einen Verlust von einer Milliarde Euro, der Umsatz brach um 60 Prozent auf 2,56 Milliarden Euro ein. Dank Kostensenkungen war der Verlust aber nur halb so hoch wie im Vorjahresquartal, als die Pandemie weltweit ab März den Passagierluftverkehr fast zum Erliegen gebracht hatte.

"Je länger die Krise dauert, desto größer wird die Sehnsucht der Menschen wieder zu reisen", erklärte Lufthansa-Chef Carsten Spohr (54) am Donnerstag. Die Lufthansa geht wegen des wachsenden Tempos bei den Covid-Impfungen und Testmöglichkeiten von stark steigender Nachfrage im Sommer aus. Dennoch reduzierte sie ihre Angebotsprognose für das Gesamtjahr auf 40 Prozent des Vorkrisenniveaus nach zuvor erwarteten 40 bis 50 Prozent.

Einen Ausblick gab die Lufthansa auch auf die kommenden Jahre: Bis 2024 prognostiziert sie eine Angebotskapazität von 90 bis 95 Prozent, wobei sich die Nachfrage nach Ferienflügen stärker erholt als die nach Geschäftsreisen. Die Kranich-Linie und Eurowings wollen künftig mehr touristische Ziele denn je ansteuern, was zu einem Konflikt mit dem Ferienflieger Condor führte. Die Lufthansa wollte Condor die Integration ihrer Zubringerflüge zu deren Langstreckenverbindungen erschweren, muss aber nach Intervention des Kartellamts hier einlenken.

Cargo und Technik mit schwarzen Zahlen

Die Airline-Gruppe, zu der neben der Hauptmarke Lufthansa auch Swiss, Austrian und Brussels Airlines sowie der Ferienflieger Eurowings gehören, wurde so schwer vom Corona-Schock getroffen, dass sie mit einem milliardenschweren Finanzpaket gerettet werden musste. Die Verschuldung lag zuletzt bei 10,9 Milliarden Euro, die verfügbaren Mittel waren fast genauso hoch. Von den neun Milliarden Euro Staatshilfe sind 5,4 Milliarden Euro noch nicht abgerufen. Während alle Airline-Töchter Verluste einflogen, erzielte das Frachtgeschäft erneut einen Rekordgewinn, da die Frachtpreise bei knappem Angebot hoch sind. Lufthansa Cargo verdiente operativ 314 Millionen Euro. Auch die Wartungssparte Lufthansa Technik schrieb schwarze Zahlen mit 60 Millionen Euro Betriebsgewinn.

Die Hoffnungen der Airlines auf eine Erholung des Passagierluftverkehrs haben sich bisher nicht erfüllt. Die Regierungen in Europa bekämpfen die dritte Covid-Infektionswelle mit Reisebeschränkungen und raten von allen nicht dringend notwendigen Reisen ab. Analysten äußerten sich deshalb zuletzt skeptisch zu den Aussichten der Airlines. Die Ratingagentur Moody's erklärte, die Sommerreisesaison werde in Europa erst ab Mitte August Fahrt aufnehmen. Dafür müsse sich das Impftempo aber deutlich beschleunigen. "Das Risiko wächst, dass die lang erwartete Erholung sich auf 2022 verschiebt", erklärte Bernstein Research. In diesem Jahr werde keine Fluggesellschaft wieder schwarze Zahlen schreiben.

Spohr begründete seine Zuversicht mit den großen Fortschritten beim Impfen. In der EU soll bis Juni ein einheitliches Impfzertifikat eingeführt werden, das Reisen ohne Quarantänepflicht erlaubt. Ermutigend sei die Ankündigung der EU-Kommission, geimpften Fluggästen aus den USA die Einreise nach Europa wieder zu ermöglichen.

Die Lufthansa-Gruppe hatte im ersten Quartal nur ein Fünftel der Kapazität des Vorkrisenniveaus im Angebot, mit dem sie drei Millionen Passagiere beförderte - nur 10 Prozent des Vorjahresniveaus. Die Kosten sanken unter anderem durch Personalabbau, denn mittlerweile beschäftigt der MDax-Konzern mit gut 111.000 Mitarbeitern fast ein Fünftel weniger als im Vorjahr. Zudem entlastet weiter die Kurzarbeit für einen großen Teil der Beschäftigten. Der monatliche Mittelabfluss konnte auf durchschnittlich 235 Millionen Euro begrenzt werden. Zeitweise war er mehr als doppelt so hoch. Im zweiten Quartal soll er weiter sinken auf 200 Millionen Euro. Der Konzern könnte so mit seiner Liquidität in diesem Jahr auskommen, will sich auf der Hauptversammlung kommende Woche aber die Option auf bis zu 5,5 Milliarden Euro Kapitalerhöhung genehmigen lassen.

mg/Reuters
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