Carsten Spohr Lufthansa verliert nur noch alle zwei Stunden eine Million

Lufthansa-Chef Carsten Spohr sieht seinen Konzern auf dem Weg der Besserung. Trotz lahmgelegten Fluggeschäfts habe sich das Tempo der Verluste halbiert, die gewährte Staatshilfe werde wohl nur zum Teil gebraucht.
Besserung: Lufthansa-Chef Carsten Spohr

Besserung: Lufthansa-Chef Carsten Spohr

Foto: CHRISTOF STACHE/ AFP

Die Lufthansa braucht im Kampf gegen die Corona-Krise Vorstandschef Carsten Spohr (54) zufolge die neun Milliarden Euro Staatshilfe womöglich nicht vollständig. Bisher seien erst drei Milliarden abgerufen worden. Es könne sein, dass die Lufthansa die Summe nicht ganz brauche, sagte er am Donnerstag bei einer Onlineveranstaltung mit der europäischen Flugsicherungsbehörde Eurocontrol. Der Airlinekonzern musste im vergangenen Jahr mit Krediten und Kapitalspritzen von Deutschland, Österreich, Belgien und der Schweiz vor einer Insolvenz bewahrt werden, weil der Luftverkehr in der Corona-Krise weitgehend einbrach.

Zum Höhepunkt der Krise flossen bei der Lufthansa im Frühjahr 2020 eine Million Euro pro Stunde ab. Noch immer sei es eine Million Euro alle zwei Stunden, bekräftigte Spohr. Das erste Quartal werde mit weniger als 20 Prozent der angebotenen Kapazität bei den Passagierflügen so verlaufen wie geplant, erklärte der Vorstandschef weiter. Ab Sommer sei eine starke Erholung zu erwarten, wenn das Impfen gegen Corona vorankomme und keine Quarantänepflichten mehr das Reisen hemmten. Für das Gesamtjahr habe sich die Lufthansa darauf eingestellt, 40, 50 oder 60 Prozent der Vorkrisenkapazität zu erreichen.

Spohr forderte die Europäische Union auf, die Vergaberegeln für die Start- und Landerechte an viel genutzten Flughäfen weiterhin auszusetzen. Wenn es beim bisherigen Vorschlag der Kommission für den Sommer bleibe, könnte sich Lufthansa zu umweltschädlichen Leerflügen gezwungen sehen, um die attraktiven Slots zu erhalten. "Das wäre verrückt", sagte er.

Die Start- und Landerechte an den Drehkreuzen zu bestimmten Zeiten sind der Kern des Systems einer Netzgesellschaft wie Lufthansa, die ihre Langstreckenflüge nur mit Umsteigern auslasten kann. Um die Slots für die nächste Saison zu erhalten, müssen sie in normalen Zeiten zu mindestens 80 Prozent genutzt werden, weil sie anderenfalls von den Aufsichtsbehörden neu vergeben würden. Weltweit waren und sind die Slotregeln wegen der Corona-Krise ausgesetzt worden. Die EU hat hingegen für den Sommerflugplan vorgeschlagen, dass für den Erhalt der Slots diese zu mindestens 40 Prozent genutzt werden müssten.

Bislang bleibt die erhoffte Erholung des Luftverkehrs wegen neuer Corona-Mutationen und weiterhin bestehender Reisebeschränkungen aber aus. Eurocontrol-Chef Eammon Brennan bezifferte den aktuellen Europaverkehr auf lediglich 14 Prozent des Niveaus aus dem Vorjahr. Der Februar werde noch schlimmer, sagte der Lotsenvertreter.

ak/Reuters, dpa-afx
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