Rasanter Nachfrageanstieg Lufthansa prüft Comeback des A380

Eigentlich sollten die letzten Riesenflieger des Konzerns auf einem spanischen Flugzeugfriedhof auf ihren Verkauf oder ihr Ende warten. Nun prüft Vorstandschef Carsten Spohr, sie angesichts der hohen Nachfrage noch einmal zu reaktivieren.
Riesenflieger mit Riesenproblemen: Der A380 ist für die meisten Airlines zu unwirtschaftlich, der Flugzeugbauer Airbus hat die Produktion daher eingestellt

Riesenflieger mit Riesenproblemen: Der A380 ist für die meisten Airlines zu unwirtschaftlich, der Flugzeugbauer Airbus hat die Produktion daher eingestellt

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Jan Huebner/ Bongarts/Getty Images

Mit den Lockerungen der Corona-Beschränkungen nimmt auch die Reisefreude der Deutschen wieder zu. Darauf setzten viele Airlines wie die Deutsche Lufthansa oder Condor nach den mauen Corona-Jahren. Doch wie stark die Nachfrage nun wirklich angestiegen ist, damit hatte wohl auch Lufthansa-Chef Carsten Spohr (55) nicht gerechnet. Nicht nur, dass die Airline derzeit mit Personalmangel in den Fliegern und am Boden kämpft, auch die Plätze in den Flugzeugen reichen nicht aus, um die große Masse der Reisewilligen vor allem auf der Langstrecke durch die Welt zu fliegen.

Deshalb prüft Spohr nun ein Comeback des Riesenfliegers A380, wie das Luftfahrtportal Aero.de  berichtet. "Wenn sich die Nachfrage sehr stark erholt, könnten wir darüber nachdenken, einige von ihnen zurückzubringen", soll Spohr demnach vor Kollegen gesagt haben. Insider bestätigten dem manager magazin die Informationen. Die Lufthansa war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Es ist ein überraschendes Wendemanöver. Das einst gefeierte Großflugzeug war ausgemustert. Noch im April hatte der Vorstandschef im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin "SPIEGEL" erklärt, der A380 komme bei der Lufthansa nicht wieder. Der Jet sei zu unwirtschaftlich. Von den 14 Modellen seien sechs bereits verkauft und würden das Unternehmen in diesem und im nächsten Jahr verlassen. Der Rest parkte bislang auf einem Flugzeugfriedhof in Spanien. Gegenüber Aero.de erklärte ein Sprecher: "Seit der letzten Stellungnahme von Carsten Spohr hat sich keine Veränderung ergeben."

Vom Flugzeugfriedhof in den aktiven Dienst

Die internen Szenarien belegen aber, dass es dabei nicht bleiben muss. Nach Informationen von Aero.de erwägt die Lufthansa inzwsichen, die vier oder sogar alle acht verbliebenen A380 so schnell wie möglich aus dem spanischen Teruel wieder in den aktiven Dienst zu versetzen. Die Flieger würden vor allem für den Nordamerika-Verkehr benötigt.

Wie das manager magazin erfuhr, benötigt die Lufthansa vor allem auch zusätzliche Kapazitäten, weil Lieferungen neuer Flugzeuge von Boeing auf sich warten lassen. Im Sommer könnten die reaktivierten Riesenflieger daher nahezu ausgelastet sein, doch spätestens im Winter wird die Nachfrage erfahrungsgemäß wieder nachlassen. Der A380 wird daher voraussichtlich nur vorübergehend reaktiviert.

Zu groß und zu viel Verbrauch

Das Grundproblem des A380 bleibt nämlich, dass er sich für die Airlines nicht rechnet. 14 Jahre nach dem Erstflug hatte Hersteller Airbus im Februar 2019 das Aus für den Jumbojet beschlossen, die letzte von insgesamt mehr als 250 Auslieferungen erfolgte im vergangenen Jahr. Die Bestellungen für den doppelstöckigen Passagierjet waren zu gering, der Flugzeugbauer hatte die Jahresproduktion von zeitweise bis zu 30 Maschinen auf nur noch sechs Exemplare zurückgefahren.

Vielen Airlines ist der Flieger zu groß und verbraucht zu viel Treibstoff – das ist nicht wirtschaftlich, besonders wenn der Riesenjet nicht voll besetzt ist. Der A380 hat je nach Ausstattung bis zu 853 Sitze und verfügt über eine Reichweite von 15.200 Kilometer. Andere Flugzeuge bei Airbus sind hingegen sehr beliebt. Die kleineren Maschinen der A320-Familie sind ein Kassenschlager.

mg/mac
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