Jahresverlust verringert Lufthansa mit Rekordgewinn im Frachtgeschäft

Dank eines Rekordgewinns in der Frachtsparte hat die Lufthansa ihre Verluste in 2021 gegenüber dem Vorjahr verringert. Eine Prognose für das laufende Jahr traut sich das Management wegen der Ukraine-Krise allerdings nicht zu.
Seit rund einem Jahr Vorstandschefin von Lufthansa Cargo: Die von Dorothea von Boxberg geführte Frachtsparte profitiert vom allgemeinen Frachtboom

Seit rund einem Jahr Vorstandschefin von Lufthansa Cargo: Die von Dorothea von Boxberg geführte Frachtsparte profitiert vom allgemeinen Frachtboom

Foto: Arne Dedert / picture alliance/dpa

Die Lufthansa erwartet nach einem erneuten Milliardenverlust durch die Corona-Krise eine kräftige Erholung. Eine Gewinnprognose traut sich das Management um Vorstandschef Carsten Spohr (55) aber wegen der Unsicherheit über die Folgen der Ukraine-Krise nicht zu. "Wir sind sehr sicher, dass der Luftverkehr in diesem Jahr einen starken Aufschwung erleben wird", erklärte Spohr am Donnerstag bei der Vorlage der Jahresbilanz für 2021 am Donnerstag in Frankfurt am Main. "Jetzt lassen wir die Corona-Krise mental und – mit Blick auf die starken Buchungszahlen in diesem Jahr – auch geschäftlich hinter uns." Ein detaillierter Finanzausblick sei derzeit nicht möglich. Nach einem schwachen ersten Quartal soll es aber deutlich aufwärtsgehen, sodass sich das Ergebnis verbessern werde. Die Buchungen für Oster- und Sommerferien hätten fast schon das Vorkrisenniveau von 2019 erreicht.

Bei Anlegern kamen die Aussagen nicht gut an. Die Aktie  der Lufthansa stand zunächst knapp 4 Prozent im Minus. Analysten zeigten sich enttäuscht von der fehlenden Gewinnprognose.

Im Gesamtjahr will die Lufthansa-Gruppe, zu der auch die Airlines Eurowings, Swiss, Austrian und Brussels Airlines gehören, bei Passagierflügen mehr als 70 Prozent der Vorkrisenkapazität anbieten nach nur 40 Prozent im vergangenen Jahr. Das Unternehmen schrieb auch im zweiten Jahr der Corona-Pandemie tiefrote Zahlen, verringerte den Verlust aber deutlich. Operativ fiel 2021 ein Minus von 2,3 Milliarden Euro an nach 5,5 Milliarden Euro im Vorjahr, als die Corona-Pandemie ausgebrochen war. Die Lufthansa schnitt damit so ab wie am Markt erwartet. Mehrere Covid-Krankheitswellen weltweit bremsten die Nachfrage, da die Regierungen mit harten Quarantänepflichten und anderen Auflagen die Ausbreitung des gefährlichen Virus bekämpften.

Frachtsparte mit Rekordgewinn

Die Netzwerk-Airlines machten wegen des noch schwachen Langstreckengeschäfts einen hohen operativen Verlust. Der auf Europa fokussierte Ferienflieger Eurowings konnte sein Minus deutlich senken. Die von Dorothea von Boxberg (48) geführte Frachtsparte Lufthansa Cargo riss den Konzern mit einem Rekordgewinn von 1,5 Milliarden heraus, denn knappes Angebot und hohe Nachfrage nach Luftfracht ermöglichten einen starken Preisanstieg. Lufthansa Technik und das Catering machten ebenfalls Gewinn.

Den Nettoverlust konnte die mit hoher Staatshilfe vor dem Aus gerettete Airline-Gruppe um zwei Drittel auf 2,2 Milliarden Euro senken, bei einem Umsatz von 16,8 Milliarden Euro. Die Passagierzahl stieg um 29 Prozent auf 47 Millionen – vor der Corona-Krise waren es mehr als 140 Millionen.

In der Corona-Krise trennte sich die Lufthansa von 30.000 Beschäftigten, ohne dass es in Deutschland zu betriebsbedingten Kündigungen kam. Ende letzten Jahres hatte der Konzern weltweit noch 105.000 Mitarbeitende. Die Personalkosten seien strukturell um 10 Prozent gesenkt worden. Bis 2024 sollen sie um 15 bis 20 Prozent unter dem Vorkrisenniveau liegen. "Die Lufthansa Group ist heute effizienter und nachhaltiger als vor der Pandemie", erklärte Spohr. Die Airline-Gruppe will auch künftig eine der fünf größten der Welt sein.

mg/Reuters