Nach Rekordverlust für 2020 Lufthansa fliegt auch 2021 nur mit halber Kapazität

Mit einem Rekordverlust von 6,7 Milliarden Euro schließt die Lufthansa das Jahr 2020 ab. Die Corona-Krise prägt auch das laufende Jahr. Besserung ist zwar in Sicht, doch Konzernchef Carsten Spohr dämpft die Hoffnung.
Text-Bild-Schere: Corona-Testzentrum der Lufthansa am Münchener Flughafen verheißt "unbesorgt fliegen" - die Realität spiegelt das noch nicht wider

Text-Bild-Schere: Corona-Testzentrum der Lufthansa am Münchener Flughafen verheißt "unbesorgt fliegen" - die Realität spiegelt das noch nicht wider

Foto: CHRISTOF STACHE / AFP

Der Geschäftseinbruch in der Corona-Krise hat der Lufthansa 2020 einen Rekordverlust eingebrockt. Unter dem Strich stand ein Minus von 6,7 Milliarden Euro nach einem Gewinn von 1,2 Milliarden Euro ein Jahr zuvor, wie der vom Staat gestützte Konzern am Donnerstag in Frankfurt am Main mitteilte.

Der Umsatz des in den MDax abgestiegenen Konzerns schrumpfte um 63 Prozent auf 13,6 Milliarden Euro, zugleich wurden die Betriebskosten um 44 Prozent gesenkt. Die Zahl der beförderten Passagiere sank um drei Viertel auf 36,4 Millionen - das weniger stark rückläufige Frachtgeschäft bremste den Fall. Die Frachttochter Lufthansa Cargo lieferte sogar ein operatives Rekordergebnis von 772 Millionen Euro ab - dank kräftig gestiegener Preise für das geschrumpfte Laderaumangebot. Zum Jahreswechsel zählte die Lufthansa gut 110.000 Beschäftigte, ein Fünftel weniger als Ende 2019.

Nach dem schwierigen Start ins neue Jahr wird Vorstandschef Carsten Spohr (54) auch für 2021 ein Stück pessimistischer. Das Flugangebot dürfte lediglich 40 bis 50 Prozent des Niveaus aus dem Vorkrisenjahr 2019 erreichen. Bisher hatte er bis zu 60 Prozent für möglich gehalten. Im laufenden ersten Quartal hat die Airline nach früheren Angaben ihr Angebot auf 20 Prozent des Vorjahreswerts verkleinert.

Eine Dividende für die Aktionäre wird es erneut nicht geben. Für 2021 geht Spohr davon aus, dass der Verlust geringer ausfällt und die Lufthansa trotz der weiterhin schwierigen Lage die gewährten Staatshilfen von insgesamt neun Milliarden Euro nicht ganz in Anspruch nehmen muss.

"Jahr der Redimensionierung" - Aus für hunderte Flugzeuge und zehntausende Stellen

"Ab dem Sommer rechnen wir wieder mit einer stärkeren Nachfrage, sobald durch eine weitere Verbreitung von Tests und Impfstoffen die restriktiven Reisebeschränkungen zurückgehen", sagte er. Die Lufthansa könne ihr Flugangebot kurzfristig auf bis zu 70 Prozent des Vorkrisenniveaus hochfahren. Der Konzern stellt sich jedoch auf langfristige Auswirkungen der Corona-Krise ein. Noch Mitte des Jahrzehnts sei nur mit einer 90-prozentigen Auslastung zu rechnen.

Derzeit sind noch 500 der 800 Flugzeuge großen Flotte dauergeparkt. Bis 2023 soll die Flotte auf 650 Flugzeuge schrumpfen, vor allem Maschinen mit hohem Kerosinverbrauch werden ausgemustert. "Wir prüfen, ob alle Flugzeuge, die älter als 25 Jahre sind, dauerhaft am Boden bleiben", erklärte Spohr.

Der Konzern verfügte Ende 2020 über 10,6 Milliarden Euro flüssiger Mittel. Obwohl der Flugbetrieb in den Wintermonaten größtenteils ruht, verbrannte die Lufthansa im vierten Quartal pro Monat nunmehr 300 Millionen Euro. Dieses Niveau peilt der Vorstand auch für das laufende erste Quartal an. Um den Geldabfluss zu stoppen, müsste die Lufthansa nach eigenen Angaben mindestens halb so viele Flüge mit Passagieren durchführen wie im Jahr 2019 - was Spohr für unrealistisch erklärt.

Da die Lufthansa Ende des Jahres wieder frisches Geld zu günstigen Konditionen am Kapitalmarkt aufnehmen konnte, tilgte sie bereits den Milliardenkredit der Staatsbank Kreditanstalt für Wiederaufbau. "Die Lufthansa Group ist über das Jahr 2021 hinaus durchfinanziert", erklärte der neue Finanzchef Remco Steenbergen. Jetzt gelte es, die Kosten weiter zu senken und die auf knapp zehn Milliarden Euro gestiegenen Schulden abzubauen.

In Deutschland fielen bisher 8000 Stellen weg - dank der Vereinbarungen mit den Gewerkschaften UFO, Verdi und Vereinigung Cockpit über freiwilliges Ausscheiden. Die Lufthansa bezifferte den noch bestehenden Personalüberhang auf 10.000 Stellen, die bei noch mehr Teilzeitvereinbarungen nicht alle wegfallen müssten. "Die einzigartige Krise beschleunigt den Transformationsprozess in unserem Unternehmen", erklärte Spohr. "2021 wird für uns ein Jahr der Redimensionierung und Modernisierung."

ak/DPA, Reuters
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