Corona-Fluchten gefragt Lufthansa meldet Buchungsboom für Weihnachten und Neujahr

Südafrika, Kanaren, Nordfinnland: Viele Deutsche suchen nach Fluchtorten vor dem Corona-Winter, trotz aller Warnungen der Regierung. Die Lufthansa weitet sogar ihren Flugplan über Weihnachten und Neujahr aus.
Corona-Fluchtort: Windsurfer vor Kapstadt

Corona-Fluchtort: Windsurfer vor Kapstadt

Foto: Nic Bothma/ picture alliance / dpa

Viele Deutsche wollen sich trotz der Warnungen aus der Politik offenbar nicht von Auslandsreisen über die Weihnachtsfeiertage abhalten lassen. Die Buchungen von Flügen nach Übersee, aber auch ins europäische Ausland um den Jahreswechsel seien in der vergangenen Woche sprunghaft gestiegen. Sie hätten sich teilweise verfünffacht, teilte die Lufthansa am Donnerstag mit. "Die Sehnsucht zu reisen ist weltweit groß", sagte Vorstand Harry Hohmeister (56). "Sobald Reiserestriktionen fallen, sehen wir einen deutlichen Anstieg der Buchungen." Die Lufthansa habe ihren Flugplan rund um Weihnachten und Neujahr deshalb von München und Frankfurt am Main aus deutlich aufgestockt.

Besonders gefragt seien etwa Südafrika und Namibia, Ziele auf den Kanarischen Inseln und Madeira im Atlantik, aber auch schneesichere Gebiete in Nordfinnland. Südafrika hat zwar die Einreisebeschränkungen im November aufgehoben, das Auswärtige Amt warnt aber wegen der Corona-Pandemie weiterhin vor "nicht notwendigen touristischen Reisen" dorthin. Namibia ist von dem Virus kaum betroffen. Die Reisewarnung für Spanien gilt wegen der geringen Infektionsraten nicht für die Kanarischen Inseln. In Finnland warnt das Auswärtige Amt nur vor Reisen in den Großraum Helsinki. Finnland selbst verweigert Touristen aus Ländern wie Deutschland, die stärker von Corona betroffen sind, aber noch bis Mitte Dezember die Einreise.

Die Bundesregierung fürchtet, dass Urlauber das Coronavirus bei ihrer Rückkehr wieder nach Deutschland einschleppen könnten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (66, CDU) hatte deshalb eine Schließung der Skigebiete in den Alpen bis zum Ende der Weihnachtsferien gefordert. Inzwischen hat Österreich seinerseits erklärt, die Einreise für Touristen aus Corona-Risikogebieten - also praktisch ganz Europa - nur noch nach längerer Quarantäne zuzulassen.

Einige Länder reagieren auch mit inländischen Reisesperren zur Weihnachtszeit. Die italienische Regierung beschloss in der Nacht zu Donnerstag, Reisen zwischen den Regionen in Italien vom 21. Dezember bis zum 6. Januar zu verbieten. Die 60 Millionen Italiener sollen davon abgehalten werden, in großer Zahl in den Weihnachtsurlaub aufzubrechen oder entfernte Verwandte zu besuchen. Ausnahmen sind für die Arbeit, aus gesundheitlichen Gründen und in anderen Notlagen möglich. Die Rückkehr an den Hauptwohnort bleibt erlaubt.

Für eine Erholung im kommenden Jahr prüft die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen möglichen Einsatz elektronischer Impfzertifikate für Reisende. Technologien als Antwort auf das Coronavirus würden sehr genau untersucht, sagte ein Medizinexperte der WHO bei einer virtuellen Unterrichtung in Kopenhagen. Ein Weg sei ein E-Impfzertifikat. Die Ausstellung eines sogenannten Immunitätspasses, in dem die Genesung von einer Covid-19-Erkrankung dokumentiert wäre, empfiehlt die WHO ihren Mitgliedstaaten aber nicht.

ak/Reuters, dpa-afx
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