Lufthansa-Chef Carsten Spohr spürt Aufwind durch Aussicht auf Impfstoffe

Die Buchungen für Flüge im Sommer haben sich laut Lufthansa-Chef Carsten Spohr seit den positiven Impfstoffnachrichten verdreifacht. Trotzdem will der Konzern im Frühjahr ein Fünftel der Piloten entlassen.
Hoffnungsfroh: Lufthansa-Chef Carsten Spohr (l, mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer bei der Eröffnung des Berliner Flughafens am 31. Oktober)

Hoffnungsfroh: Lufthansa-Chef Carsten Spohr (l, mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer bei der Eröffnung des Berliner Flughafens am 31. Oktober)

Foto: Tobias Schwarz / dpa

Die wegen der Pandemie gebeutelte Lufthansa sieht dank bevorstehender Corona-Schutzimpfungen Aufwind für ihr Geschäft. "Seit eine konkrete Aussicht auf einen wirksamen Impfstoff besteht, haben sich unsere Buchungen für den nächsten Sommer verdreifacht", sagte Konzernchef Carsten Spohr (53) der "Wirtschaftswoche" . "Dass die Menschen zudem schon für die Osterzeit Flugreisen reserviert haben, zeigt, wie zuversichtlich sie sind." Bereits zum Jahresende hatte die Lufthansa von einem Buchungsboom berichtet.

Nach dem Krisenjahr 2020 gibt sich Spohr für 2021 optimistischer. "Ich gehe davon aus, dass wir im kommenden Jahr durchschnittlich wieder die Hälfte des Niveaus von 2019 erreichen können, für den Sommer und den Herbst kalkulieren wir mit bis zu 70 Prozent."

Bereits nächstes Jahr solle der Abfluss liquider Mittel gestoppt sein, ab 2022 wolle die Airline wieder profitabel arbeiten. Daher erwartet Spohr auch weiter, dass die Bundesregierung ihre Lufthansa-Beteiligung ab 2023 herunterfährt. Die Lufthansa habe von den insgesamt neun Milliarden Euro Staatsgeldern bisher drei Milliarden abgerufen. "Und dank unseres strikten Kostenmanagements haben wir bislang nur einen geringen Teil davon tatsächlich ausgegeben."

Kein Tarifkompromiss - Spohr will 1000 Piloten entlassen

In den Verhandlungen mit den Piloten um Kosteneinsparungen in der Corona-Krise über das Jahresende hinaus erhöhte Spohr den Druck. "Mangels Einigung wird es wohl erstmals in der Geschichte unseres Unternehmens im zweiten Quartal 2021 so weit sein, dass uns 500 Kapitäne und 500 Erste Offiziere verlassen müssen", sagte Spohr. Das wäre etwa ein Fünftel des Lufthansa-Cockpitpersonals.

Anders als Flugbegleiter oder das Bodenpersonal hätten sich die Piloten nicht auf ausreichende Zugeständnisse bei Gehältern und Arbeitszeitverkürzungen eingelassen. "Es geht ausgerechnet um die Beschäftigtengruppe mit den höchsten Tarifgehältern", sagte Spohr dem Magazin. "Innovative Teilzeitmodelle für die nächsten Jahre müssten möglich sein, um den unzweifelhaft vorhandenen Personalüberhang mit möglichst wenig Kündigungen zu kompensieren."

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) kritisierte, dass Spohr für Sommer und Herbst wieder mit deutlich mehr Kapazität kalkuliere und zugleich 1000 Piloten entlassen müsse. "Das ist nicht nur grob widersinnig, sondern auch eine völlig unnötige Belastung für die derzeit laufenden Tarifgespräche", sagte Marcel Gröls, der bei der VC für die Tarifpolitik zuständig ist. "Es gibt am Tariftisch immer einen freien Stuhl und Herr Spohr ist herzlich eingeladen, daran Platz zu nehmen", betonte Gröls.

Wegen der Viruspandemie fährt die Lufthansa Kapazität und Flotte herunter. Die Airline baut nach Spohrs Worten bis Jahresende 29.000 Jobs ab, den Großteil davon im Ausland. In den nächsten Jahren sollen dem Konzern zufolge in Deutschland weitere rund 10.000 Arbeitsplätze wegfallen.

Konfrontation mit Frankfurter Flughafenbetreiber

Spohr forderte zudem Gebührennachlässe vom Frankfurter Airportbetreiber Fraport. Mit den anderen Drehkreuzflughäfen München, Zürich, Wien und Brüssel habe man bereits Vereinbarungen für das gemeinsame Hochfahren des Geschäfts getroffen. "In Frankfurt führten nicht einmal die Verhandlungen über Gebühren für geparkte Flugzeuge zu einem marktüblichen Kompromiss", sagte Spohr der "Wirtschaftswoche". Darum werde die Lufthansa weitere nicht benötigte Maschinen wie den Superjumbo Airbus A380 an Flughäfen in Spanien und Südfrankreich verlegen.

Fraport erklärte, man könne Spohrs Aussagen inhaltlich und im Ton nicht nachvollziehen. Die Zusammenarbeit mit Lufthansa am Standort Frankfurt laufe "hervorragend". Zudem habe es "in Frankfurt trotz teilweise massiver Kostensteigerungen seit sieben Jahren keine Entgelterhöhung" gegeben.

ak/Reuters
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