Zwei Anleihen erfolgreich platziert Lufthansa zahlt KfW-Kredit vorzeitig zurück

Die Lufthansa holt sich weiteres Geld mit Anleihen von Investoren. Damit kann der Konzern seinen Finanzbedarf für 2021 decken und den Kredit der Staatsbank KfW ablösen. Trotzdem wird er wohl weitere Staatshilfe in Anspruch nehmen.
Für 2021 finanziell abgesichert: Lufthansa-Chef Carsten Spohr

Für 2021 finanziell abgesichert: Lufthansa-Chef Carsten Spohr

Foto: CHRISTOF STACHE/ AFP

Die in der Corona-Krise schwer gebeutelte Lufthansa hat es erneut getan: Nachdem sich der Konzern bereits im November zweimal Geld am Kapitalmarkt beschaffen konnte, was Beobachter auch als Vertrauensbeweis interpretierten, hat sich der Konzern nun erneut frisches Geld besorgt. Wie er am Donnerstagabend mitteilte , habe die Airline mit einer Anleihe 1,6 Milliarden Euro eingenommen.

Die beiden Tranchen sind mit 2,875 Prozent (750 Millionen Euro) und 3,75 Prozent (850 Millionen Euro) verzinst und laufen bis 2025 und 2028. Die Lufthansa könne damit nicht nur einen staatlichen KfW-Kredit in Höhe einer Milliarde Euro vorzeitig ablösen. Mit dem neu eingespielten Kapital und den Mittelaufnahmen von 2,1 Milliarden Euro im vergangenen Jahr habe der Konzern nun auch die Refinanzierung aller Verbindlichkeiten im laufenden Jahr sichergestellt, heißt es in der Mitteilung.

Ein wichtiger Vorteil ist, dass die Lufthansa nach der Rückzahlung nun auch wieder frei über jene Flugzeuge verfügen kann, die sie zur Absicherung des Kredits verpfändet hatte. Der Konzern sei dankbar "für die Unterstützung, die wir in unseren Heimatmärkten erhalten", erklärte Lufthansa-Finanzvorstand Remco Steenbergen (52) in der Mitteilung.

"Wahrscheinlich, dass wir weitere Elemente des Stabilisierungspakets in Anspruch nehmen werden"

Remco Steenbergen, Lufthansa-Finanzvorstand

Gleichwohl löst sich der Konzern damit nicht gänzlich aus staatlicher Abhängigkeit, sondern hält es für "wahrscheinlich, dass wir weitere Elemente des Stabilisierungspakets in Anspruch nehmen werden", die er derzeit noch nicht nutzt. In welchem Ausmaß die Lufthansa davon Gebrauch machen werde, hänge vom weiteren Verlauf der Pandemie ab. Diese hat ihren Schrecken durch diverse Virus-Mutationen noch lange nicht verloren. Jenseits von Reisebeschränkungen dürften viele Menschen auch künftig noch Flüge in ferne Länder vermeiden. Das wird die Lufthansa selbstverständlich zu spüren bekommen.

Bis Ende des dritten Quartals hatte der Konzern knapp 3 Milliarden Euro und der insgesamt möglichen Staatshilfen von 9 Milliarden in Anspruch genommen, die Deutschland, Österrreich, Schweiz und Belgien in einem gemeinsamen Hilfspaket zur Verfügung gestellt hatten. Zu den bislang nicht genutzten Mitteln zählt laut Mitteilung unter anderem eine Stille Beteiliung des 4,5 Milliarden Euro des Wirtschaftsstabilisierungsfonds.

Lufthansa verbrennt nicht mehr ganz so schnell Geld

Die Lufthansa hält sich also für weitere Staatshilfe die Türe offen, doch keimte zuletzt wieder Optimismus auf. Das Tempo, in dem der Konzern Geld verbrennt, hatte sich zuletzt deutlich verlangsamt - so fließen wegen des darniederliegenden Fluggeschäfts zwar alle zwei Stunden noch eine Millonen Euro aus dem Konzern ab, zum Höhepunkt der Krise verbrannte das Geld aber doppelt so schnell.

Die Hoffnung ruht nun auf einen schnellen Erfolg beim Impfen, der möglicherweise ab Sommer Quarantänepflichten für Reisende übflüssig und das Reisen mit dem Flugzeug dann auch akzeptabler machen könnte. Intern rechnet die Lufthansa-Gruppe damit , ab Sommer wieder bis zu sechs Millionen Passagiere monatlich transportieren zu können und im laufenden Jahr zwischen zwischen 40 und 60 Prozent des Vorkrisenniveaus zu erreichen - wenn denn die Pandemie mit neuen Virusvarianten keinen Strich durch die Rechnung macht.

rei