Kampf ums Überleben Luftfahrtbranche warnt vor schärferen Quarantäneregeln

Die Luftverkehrswirtschaft fürchtet eine pauschale Verschärfung der Corona-Regeln. Der Reiseverkehr könnte erneut zusammenbrechen und der ohnehin angeschlagenen Branche den Rest geben.
Ein negatives Testergebnis bei Einreise könnte die Quarantänepflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten ersetzen, schlägt der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft vor

Ein negatives Testergebnis bei Einreise könnte die Quarantänepflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten ersetzen, schlägt der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft vor

Foto: Ralph Peters / imago images/Ralph Peters

Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), Matthias von Randow (61), hat vor den wirtschaftlichen Folgen gewarnt, sollten die Corona-Reisebeschränkungen verschärft werden. Es sei zwar zu begrüßen, dass sich Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (45, CSU) auf einem Luftfahrtgipfel für eine Entlastung der Branche einsetzen wolle, sagte von Randow dem "Handelsblatt". An vorderster Stelle für die Luftverkehrswirtschaft stehe aber ganz aktuell, dass die geplante Verschärfung der pauschalen Quarantänepflicht durch eine "differenzierte Teststrategie" ersetzt werde.

Dadurch ließen sich die Testkapazitäten effizienter nutzen und es bleibe möglich, die Quarantänepflicht durch einen negativen Test bei der Einreise zu ersetzen. "Sollte hingegen das Vorhaben von Bund und Ländern umgesetzt werden, ab Oktober alle Reiserückkehrer aus Risikogebieten der verschärften Quarantänepflicht zu unterziehen, würde dies einen erneuten Lockdown des internationalen Reiseverkehrs bedeuten und hätte damit sehr negative Folgen für den gesamten Wirtschaftsstandort", warnte von Randow.

Es drohe "erneut der Wegfall zahlreicher Flugverbindungen mit den entsprechenden Folgen für den Industriestandort, der auf Geschäftsreisen angewiesen ist, und für die 27,3 Millionen Menschen in ganz Europa, deren wirtschaftliche Existenz an der Reisewirtschaft und am Tourismus hängt", sagte der BDL-Hauptgeschäftsführer der Zeitung.

Die Zahl der Neuinfektionen ist europaweit zuletzt wieder deutlich gestiegen. Der britische Premier Boris Johnson (56) forderte die Briten am Dienstag auf, von zu Hause aus zu arbeiten. In dem von der Pandemie in Europa am stärksten betroffenen Land droht ein erneuter landesweiter Lockdown.

Genau das fürchtet die Wirtschaft und insbesondere die Luftverkehrsbranche. Die Corona-Krise trifft kaum eine Branche so hart wie die Luftfahrt. Die staatliche gestützte Lufthansa kündigte erst am Montag an, ihren Sparkurs zu verschärfen und mehr Maschinen dauerhaft stillzulegen als geplant. Das könnte weitere Jobs kosten. Der rechnerische Personalüberhang von zunächst erwarteten 22.000 Vollzeitstellen erhöhe sich, eine genaue Zahl der zusätzlich wegfallenden Arbeitsplätze nannte der Konzern allerdings nicht.

Den Wettbewerbern geht es nicht besser: British-Airways-Chef Alex Cruz (54) zum Beispiel warnte vor wenigen Tagen: "Wir kämpfen ums Überleben." Derzeit liege der Flugplan bei lediglich 25 bis 30 Prozent des normalen Geschäftes. Tausende Arbeitsplätze müssten gestrichen werden. "Dies ist die schlimmste Krise, die British Airways in ihrer 100-jährigen Geschichte durchgemacht hat."

rei/afp
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