Zur Ausgabe
Artikel 55 / 55
Vorheriger Artikel

Was macht eigentlich ... Ludolf von Wartenberg?

Was macht eigentlich Ludolf von Wartenberg?
aus manager magazin 12/2008

man MUSS JA RICHTIG AUFPASSEN, dass einem bei Ludolf-Georg von Wartenberg nicht so abgegriffene Attribute wie "Alter Fahrensmann" oder "Haudegen" in den Sinn kommen. Doch selbst ein alter Fahrensmann und Haudegen wie Wartenberg wirkt für einen Moment ratlos, wenn er über die aktuelle Finanzkrise nachdenkt: "So eine Nervosität in den Märkten! Das habe ich noch nie erlebt", sagt der 67-Jährige.

Der langjährige Hauptgeschäftsführer des Industrieverbands BDI erlebt das Geschehen an den Finanzmärkten nicht nur aus der Zuschauerposition. Für die Investmentbank Goldman Sachs sitzt er im International Advisory Board, und gerade war Wartenberg in London, wo er mit dem Private-Equity-Fonds Texas Pacific Group ("Ich helfe denen, Deutschland zu verstehen") über Beteiligungsmöglichkeiten im Finanzsektor sprach. Doch den Konferenzmarathon früherer Zeiten hat er hinter sich. "Montags genieße ich meine neue Freiheit am meisten", sagt Wartenberg, "der Wochenanfang war beim BDI ja immer vollgepackt mit Besprechungen."

2006 hatte Wartenberg seinen BDI-Posten abgegeben, nach 17 Jahren, in denen regelmäßig das Bonmot kursierte, wonach es Wartenberg eigentlich ziemlich egal sei, wer unter ihm als BDI-Präsident diene. Schlussendlich war es der Plan von BDI-Präsident Jürgen Thumann, den Industrieverband mit dem Arbeitgeberverband BDA zu fusionieren, der Wartenberg von einer bereits verkündeten erneuten Vertragsverlängerung abhielt. Noch immer hat Wartenberg beim BDI Büro und Sekretärin, allerdings nicht im Haus der Deutschen Wirtschaft, sondern gegenüber auf der anderen Seite der Straße.

Kaum hatte Wartenberg seinen Rücktritt bekannt gegeben, trudelten die ersten Angebote für ehrenamtliche Aufgaben bei ihm ein. Viele nahm er an. Heute ist Wartenberg Präsident der Gesellschaft zur Förderung von Auslandsinvestitionen, Kuratoriumsvorsitzender des Instituts für Finanzen und Steuern, Kuratoriumsmitglied der Welthungerhilfe, der Goethe-Gesellschaft, des Senior-Expertenservice, und im März soll er Kuratoriumsvorsitzender der Hanns Martin Schleyer-Stiftung werden. Wobei Wartenberg sich keine Illusionen darüber macht, warum ihn all diese Institutionen so schätzen: "Die wollen, dass ich meine Kontakte zum Geldeinwerben nutze, und das ist gut so."

Das Netzwerk des Industrielobbyisten galt schon immer als legendär, und es hat mit seinem Ausscheiden beim BDI offenbar nicht gelitten. Noch immer ist alle paar Monate Angela Merkel in Wartenbergs Berliner Wohnung am Grunewald zu Gast, auch mal Guido Westerwelle oder Peer Steinbrück. Meist lädt Wartenberg dann noch ein paar interessante Leute aus der Wirtschaft ein, seine Frau schmiert die Schnittchen und kocht die Suppe - Küchenkabinett.

Christian Rickens

Zur Ausgabe
Artikel 55 / 55
Vorheriger Artikel