Lucid Motors Wie der Vater des Model S jetzt Tesla schlagen will

Der Lucid Air soll laut Lucid-CEO Peter Rawlinson das "beste Elektroauto der Welt" werden. Muss man Tesla-Jäger Rawlinson ernst nehmen? Immerhin hat der Brite das Model S mit entwickelt – und er plant groß, mit Geld von den Saudis.
Lucid: Der Elektroautobauer aus Kalifornien will Tesla den Rang ablaufen. Im Frühjahr will Lucid mit dem "Lucid Air" den Durchbruch schaffen

Lucid: Der Elektroautobauer aus Kalifornien will Tesla den Rang ablaufen. Im Frühjahr will Lucid mit dem "Lucid Air" den Durchbruch schaffen

Im Frühjahr soll es endlich so weit sein. Dann soll mit dem neuen Lucid Air das Hoffnungsmodell des US-Elektroautobauers Lucid Motors auf die Straße kommen – zum Preis von 170.000 US-Dollar will Lucid-CEO Peter Rawlinson selbstverständlich ein "neues Level" der Elektromobilität bieten. Man könnte die Ankündigungen als das übliche Getöse der selbsternannten Tesla-Jäger abtun – wäre der 63jährige Waliser nicht vom Fach: Vor rund zehn Jahren hat Rawlinson als Chefingenieur Teslas erstes Erfolgsmodell Model S maßgeblich entwickelt – und hat sich nun vorgenommen, als Chef des 2007 im kalifornischen Newark gegründeten Lucid Motors dem ewigen Vorbild Tesla den Rang abzulaufen. Und das funktioniert, klar, natürlich nur mit dem "besten Auto der Welt."

"Niemand glaubt mir, aber wir heben Elektromobilität auf ein neues Level", erklärt Rawlinson in einem Interview mit dem US-Wirtschaftsmagazin "Forbes".  2012 sei es das selbe Gefühl gewesen, als Teslas Model S die Welt im Sturm eroberte: Zunächst hielt die Konkurrenz Tesla-Chef Elon Musk und seinen Chefingenieur Rawlinson für Spinner, denen man keine Beachtung schenken sollte – der Rest ist bekannt. "Mit dem Lucid Air ist es dasselbe Gefühl wie damals mit dem Model S", sagt Rawlinson – und nutzt damit seine damalige Karrierestation bestmöglich aus.

Doch Rawlinson hat laut "Forbes" auch ein paar beeindruckende Fakten parat, die der Lucid Air im Frühjahr bieten soll. Eine Reichweite von 517 Meilen nach voller Ladung – mehr als Teslas Model S. Eine kürzere Ladezeit als Tesla – und eine Beschleunigung von 0 auf 60 Meilen in rund 2 Sekunden.

Update angekündigt: Musk nimmt den Lucid Air durchaus ernst

Dass Tesla-Chef Elon Musk den Lucid Air als Konkurrenzmodell ernst nimmt, zeigt Teslas jüngste Modellankündigung: Ein weiterentwickeltes "Plaid+" Model S, das Ende des Jahres vorgestellt werden soll, soll auf eine noch bessere Beschleunigung kommen und die Reichweite des Autos auf 520 Meilen vergrößern, versicherte Musk kürzlich.

Rawlinson hat nicht das Ziel, ein weiteres teures Premium-Modell für reiche Elektroauto-Fans in den Markt zu drücken. Die Technologie des 1080 PS-starken Lucid Air soll langfristig dazu dienen, mittelfristig bezahlbare elektrische Massenmodelle zum Preis zwischen 25.000 und 40.000 US-Dollar zu entwickeln. Das gleiche Ziel verfolgt Rawlinsons Ex-Boss Elon Musk mit dem Model 3. Die Massenmodelle von Lucid sollen laut Rawlinson ausgerechnet in Saudi Arabien gebaut werden – dem Ölstaat, der bald auf andere Geschäftsmodelle als Öl angewiesen sein wird. Bereits jetzt ist der saudi-arabische Staatsfonds mit 66 Prozent der Anteile größter Anteilseigner von Lucid Motors.

Rawlinson plant groß, und er spricht damit den Erwartungen seiner Anteilseigner. Eine Million Autos pro Jahr will Lucid Motors in wenigen Jahren verkaufen – es gehe nicht um Nischenmodelle. Auch das klingt verdächtig nach Tesla 2. Die Rhetorik seines Ex-Chefs Musk beherrscht Lucid-CEO Rawlinson bereits recht gut: "Wir sind kein kleiner Nischenspieler", betont er. Kein Zufall, dass sich Lucid direkt in Teslas Nachbarschaft angesiedelt hat. Die Elektrifizierung der weltweiten Automobilindustrie, der steigende politische Druck, der weltweite Siegeszug der Elektroautos – auf diesem Weg will der Lucid-Chef Elon Musk auf keinen Fall allein lassen.

la/mmo