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Low Budget

Cinemaxx: Die Kinokette schreibt rote Zahlen. Finanzchef Schwarz geht. Und die Aussichten sind grau in grau.
aus manager magazin 9/2001

Im September vergangenen Jahres unterschrieb Marius Schwarz (44) seinen Vorstandsvertrag. Als Finanzchef der Kinokette Cinemaxx AG trat er seinen Job offiziell Anfang Februar 2001 an, tatsächlich allerdings schon Wochen vorher.

Bereits ein halbes Jahr später, Mitte August, packte er bei Cinemaxx seine Sachen und verabschiedete sich erst einmal in Richtung Toskana.

Warum geriet sein Auftritt im Hamburger Kinohaus derart kurz?

Als Schwarz unterschrieb, schien alles glänzend: Cinemaxx (380 Leinwände) hatte gerade eine weit reichende Kooperation mit dem Konkurrenten Ufa Theater GmbH (380 Kinos) geschlossen; und Cinemaxx-Chef Hans-Joachim Flebbe (49) plante, das Geschäft gewaltig auszuweiten - vor allem im Ausland. Schwarz erinnert sich: "Wir waren damals auf dem Weg zur größten europäischen Kinokette. Das reizte mich."

Der gelernte Wirtschaftsprüfer und Finanzmann, der von der Pro Sieben Sat1 Media AG kam, hätte genauer hinsehen sollen. Cinemaxx war ein klarer Sanierungsfall. Firmengründer Flebbe hatte viel zu hastig expandiert. "Er war im Goldrausch", beschreibt es ein Ex-Mitarbeiter.

Flebbe - wie seine Konkurrenz - bepflasterte die Republik mit so genannten Multiplex-Kinos, Lichtspieltheatern mit mindestens acht Sälen. Und das unabhängig davon, ob es genügend Nachfrage gab oder nicht. Die Folge: In Deutschland stieg die Zahl der Leinwände in den vergangenen Jahren viel stärker als die Besucherziffern (siehe Kasten Seite 46). Nur der Ansturm auf das Zelluloid-Drama "Titanic" überdeckte kurzzeitig den Größenwahn der Kinobetreiber.

Jetzt, nach dem Rausch, katzenjammert Flebbe über einen Auslastungsgrad von unter 20 Prozent und über die deutschen Kinomuffel.

Schwarz war kaum im Amt, da merkte auch endlich die Hausbank, die Dresdner Bank, wie es um Cinemaxx stand. Der Kreditgeber machte Druck: Keine neuen Multiplexe mehr in Deutschland; und alle Kinos im Ausland - von Dänemark bis zur Türkei - verkaufen.

Der europäische Traum war geplatzt, Schwarz frustriert. Im Frühjahr schon teilte er dem Cinemaxx-Aufsichtsrat mit, dass er ein Angebot von der Entertainmentfirma EMTV habe, er aber die Sanierung von Cinemaxx noch ein paar Monate begleiten wolle.

Zusammen mit der Unternehmensberatung Droege zog er ein Sparprogramm durch, das 17 Millionen Mark jährlich bringen soll. In der Hauptverwaltung mussten 40 Leute gehen.

Parallel versucht Cinemaxx, die Film- und Gebäudemieten zu drücken. Firmenchef Flebbe verhandelt derzeit mit Verleihern. Doch er sitzt einem Quasi-Kartell gegenüber, das in der Regel 50 Prozent der Ticketerlöse kassiert. Die wenigen marktbeherrschenden Verleiher haben kein Interesse, Cinemaxx entgegenzukommen.

Und auch die Vermieter mauern. Der seit Dezember 2000 amtierende Aufsichtsratschef Paul Morzynski führte bereits viele Gespräche, um die teuren Mietverträge mit Laufzeiten von 15 und mehr Jahren positiver zu gestalten. "Aber ich hatte bislang nur mäßigen Erfolg", sagt Morzynski, im Hauptberuf Wirtschaftsprüfer in Hannover.

So wird Cinemaxx trotz aller Sanierungsbemühungen auch dieses Jahr rote Zahlen schreiben. Aber nächstes Jahr werden sie schwarz - "wenn es nach Plan läuft", sagt Schwarz, der bei den Besucherzahlen "extrem pessimistisch" gerechnet haben will.

Ob seine Kalkulation aufgeht, wird Schwarz aus der Ferne beobachten. Der Spezi des neuen EMTV-Chefs Werner Klatten (55, "Schwarz ist ein erstklassiger Controller") wechselt Anfang September als Finanzmann nach München.

Bei der schwer angeschlagenen EMTV erwartet ihn freilich ein noch brutalerer Saniererjob.

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