Flüssiggas für Deutschland So steht es um den Bau der deutschen LNG-Terminals

Berlin stellt 1,5 Milliarden Euro für Flüssiggas (LNG) bereit. Zudem sollen rasch LNG-Terminals gebaut werden, um nicht mehr auf russisches Gas angewiesen zu sein. Doch bis der erste Tanker hierzulande anlegen kann, wird es dauern: Ein Überblick über die laufenden Projekte.
LNG-Tanker sollen in Deutschland bald direkt anlegen: Für die Standorte Brunsbüttel, Wilhelmshaven und Stade laufen die Planungen für entsprechende Terminals auf Hochtouren

LNG-Tanker sollen in Deutschland bald direkt anlegen: Für die Standorte Brunsbüttel, Wilhelmshaven und Stade laufen die Planungen für entsprechende Terminals auf Hochtouren

Foto: A9999 E.on-Ruhrgas/ dpa

Verflüssigtes Erdgas (LNG) gilt als möglicher Lückenfüller, sollte Russland seine Gaslieferungen nach Europa einstellen. Das Flüssigerdgas bietet den Vorteil, dass es über Frachter transportiert werden kann. Somit kann es aus Ländern eingekauft werden, zu denen keine direkte Pipeline besteht - beispielsweise aus den USA oder aus Katar. Deutschland setzt kurzfristig auf LNG-Importe, um die Abhängigkeit von russischem Erdgas zu senken und nicht zum Spielball des Kriegstreibers Putin zu werden.

Die Bundesregierung hat für den Kauf des Flüssigerdgases jetzt 1,5 Milliarden Euro bereitgestellt. Ziel ist es, die Versorgungssicherheit zu erhöhen und Deutschland unabhängiger vom wichtigsten Gaslieferanten Russland zu machen.

Der Kauf von Gas soll über den Trading Hub Europe (THE) umgesetzt werden, eine Tochter der Gasnetz-Betreiber in Deutschland. Der THE schreibt Mengen aus, die dann schnell geliefert und gespeichert werden müssen. Da die Lieferungen "kurzfristig" in Deutschland ankommen sollen, muss das verflüssigte Erdgas über nahegelegene Terminals im Ausland wie Rotterdam in den Niederlanden importiert und von dort ins Inland gebracht werden. Denn für einen direkten Import von LNG nach Deutschland fehlt die Infrastruktur. Bislang existiert hierzulande kein einziges LNG-Terminal.

Ein solches Terminal ist nötig, um LNG-Tanker abzufertigen und das Flüssigerdgas wieder mithilfe einer Verdampfungsanlage in seinen gasförmigen Zustand zu versetzen, damit es anschließend in Hochdrucknetze eingespeist werden kann.

Um mittelfristig LNG direkt importieren zu können, kündigte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am Sonntag als Reaktion auf den Ukraine-Krieg an, jetzt schnell zwei LNG-Terminals in Deutschland zu bauen. Dabei nannte er Brunsbüttel und Wilhelmshaven als Standorte. Auch über den Bau eines Terminals in Stade wird diskutiert. Doch bis der erste Tanker an einem deutschen Terminal anlegt und entladen wird, dürften noch Jahre vergehen.

Brunsbüttel, Wilhelmshaven, Stade: Warum bislang so wenig passiert ist

In Wilhelmshaven wird im günstigsten Fall mit zweieinhalb bis drei Jahren bis zu einer Inbetriebnahme gerechnet. Brunsbüttel und Stade kalkulierten zuletzt mit dem Jahr 2026.

Planungen für LNG-Terminals gibt es schon seit Jahren. Die Gasbranche klagt schon lange über unzureichende Rahmenbedingungen für Investitionen. Bislang fehlte die politische Notwendigkeit sowie der finanzielle Anreiz. Aufgrund der guten Verbindungen und der geringen LNG-Nachfrage in Deutschland sei der Bau von LNG-Terminals hierzulande bislang nicht wirtschaftlich gewesen, so Kerstin Andreae, Chefin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).

Der ehemalige US-Präsident Trump erhöhte in seiner Amtszeit zwar den Druck auf die Bundesregierung und bezeichnete Deutschland als "Gefangener Russlands" in der Hoffnung, sein eigenes LNG an die Bundesrepublik verkaufen zu können. Trump bezeichnete das durch Fracking gewonnene US-Flüssiggas als "Freedom Gas". Doch erst der Angriff Russlands auf die Ukraine hat die Deutschen überzeugt, bei ihrer Energieversorgung auch den Blick gen Westen zu wenden.

Europaweit gibt es aktuell 37 LNG-Terminals, 26 davon liegen in Mitgliedstaaten der EU. Bislang bezog Deutschland das Flüssigerdgas über Terminals im belgischen Zeebrügge, im französischen Dünkirchen sowie von einem Terminal in Rotterdam namens "Gate".

Wie steht es also um den Bau der LNG-Terminals in Deutschland? Was bremst die Pläne? Und warum stockte der Fortschritt in den vergangenen Jahren? Ein Überblick über die einzelnen Projekte.

Noch keine Investitionsentscheidung für Brunsbüttel

Geplant ist die Anlage im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel an der Elbe schon seit Jahren. Die Projektpläne ziehen sich in die Länge, da es rund vier Jahre nach Präsentation des Vorhabens noch keinen Termin für eine endgültige Investitionsentscheidung gibt, wie der Projektträger mitteilte. Es handele sich um eine sehr komplexe, kostenintensive und langfristige Investition. Einer der Hauptinvestoren, der niederländische Hafenlogistiker Vopak, hatte im Herbst 2021 bekannt gegeben, seine aktive Beteiligung in der Projektgesellschaft einzustellen. Er setzte jedoch seine finanzielle Beteiligung fort.

Gemeinsam mit dem niederländischen staatlichen Gasversorger Gasunie und dem Hamburger Tanklager-Logistikunternehmen Oiltanking GmbH hatte Vopak 2018 die Projektgesellschaft German LNG für den Bau eines LNG-Terminals gegründet. Der Antrag für die Errichtung eines Hafens und wasserseitige Anlagen war Ende Juni 2021 gestellt worden. Die erforderliche Genehmigung könnte laut des schleswig-holsteinischen Wirtschaftsministeriums in Kiel frühestens im Herbst 2023 kommen. Bei einer Bauzeit von rund drei Jahren könnte das Terminal Ende 2026 in Betrieb gehen, vorausgesetzt, dass es zu keiner Verzögerung durch Klagen von Umweltverbänden kommt.

Nach früheren Angaben des Projektträgers German LNG Terminal GmbH soll das Terminal in Brunsbüttel eine Kapazität von rund acht Milliarden Kubikmeter Erdgas haben und mit rund 450 Millionen Euro eine der bedeutendsten Industrieansiedlungen im Norden sein. Ursprünglich war das Tiefkühlgas als alternativer Treibstoff für Kreuzfahrt-, Binnen- oder Containerschiffe sowie als Industriegas für chemische Betriebe in der Region gedacht. Doch nun könnte der Bedarf mittelfristig deutlich steigen.

Uniper könnte verworfene Pläne für Wilhelmshaven wieder aufnehmen

Seine Pläne für den Bau eines LNG-Terminals in Wilhelmshaven hatte der Energiekonzern Uniper mangels Nachfrage nach LNG eigentlich schon begraben. Es gab zu wenig konkretes Interesse von Partnern, dort Kapazitäten für Importe des Rohstoffes fest zu reservieren, wie Uniper Ende 2020 mitteilte. Jetzt aber prüft der Düsseldorfer Energiekonzern die Möglichkeit, seine Planungen wieder aufzunehmen. Viele Vorarbeiten für ein schwimmendes Terminal seien bereits unternommen worden. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, sagte das Unternehmen am Montag.

Statt eines Terminals für verflüssigtes Erdgas plante Uniper zuletzt ein Importterminal für Wasserstoff in Wilhelmshaven. Dort hatte das Energieunternehmen Ende vergangenen Jahres das Steinkohle-Kraftwerk Wilhelmshaven stillgelegt. Die infrastrukturellen Voraussetzungen seien gut, sagt der Oberbürgermeister der Stadt Wilhelmshaven Carsten Feist (parteilos) Wilhelmshaven sei der einzige deutsche Tiefwasserhafen, verfüge über eine gute Hinterlandanbindung über Straße, Schiene und Wasser und über Speicherkavernen.

Der Standort habe logistisch "hervorragende Voraussetzungen", bestätigte Uniper. Die Stadt Wilhelmshaven will nach der Ankündigung von Scholz sofort in das Projektmanagement einsteigen. "Wir sind gut aufgestellt, weil wir nicht bei null anfangen", sagte Feist. Die Frage sei jetzt, ob der Bund die Infrastruktur selbst erstellen wolle oder die Privatwirtschaft das übernehmen solle. Auch wenn alles sehr gut liefe, wäre aus Feists Sicht eine Inbetriebnahme wohl frühestens in zweieinhalb bis drei Jahren möglich.

Neben Uniper bot sich zuletzt ein weiteres Unternehmen für den Aufbau eines Terminals für Flüssigerdgas (LNG) in Wilhelmshaven an. Die belgische Firma Tree Energy Solutions (TES) kündigte am Mittwoch an, sein Projekt eines "Green Energy Hubs" zu beschleunigen. Das Unternehmen peilt einen Betrieb in großem Maßstab ab 2025 an. Das Vorhaben in Wilhelmshaven läuft laut TES grundsätzlich bereits seit 2019. Hauptziel war eigentlich der Import grünen Wasserstoffs. Übergangsweise solle aber auch LNG aufgenommen werden können, so TES.

Unterlagen für Projekt in Stade sollen rasch eingereicht werden

Ebenfalls an der Elbe ist ein geplantes Terminal im niedersächsischen Stade. Das Flüssiggas-Terminal soll auf dem Gelände des Chemiekonzerns Dow Chemical entstehen. Der Projektträger Hanseatic Energy Hub (HEH) plant die Unterlagen für das Terminal Ende März und die für die Hafenanlage Ende April einzureichen. Ursprünglich war das für diesen Sommer geplant. Ein bis eineinhalb Jahre könnte das Genehmigungsverfahren im günstigen Fall dauern, schätzt der geschäftsführender Gesellschafter Johann Killinger. Wenn alles glatt laufe, wäre die Inbetriebnahme 2026.

Erst im August 2020 unterzeichnete die HEH Absichtserklärungen für das geplante LNG-Importterminal. Das Projekt umfasst rund eine Milliarde Euro. Gesellschafter des HEH sind der belgische Gasinfrastrukturbetreiber Fluxys, die Schweizer Vermögensverwaltungsgesellschaft Partners Group und die Hamburger Logistik-Gruppe Buss-Gruppe. In der Endstufe sollen bis zu 12 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr in die deutschen Netze eingeleitet werden. Rund zehn Prozent des jährlichen deutschen Gasverbrauchs peilt die HEH als Einleitungsvolumen aus Stade an.

mit Nachrichtenagenturen
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