Verstärkung durch Apple-Finanzchef Nachlassendes Tempo bei Nestlé

2021 lief gut beim Nahrungsmittelkonzern Nestlé. Die Aussichten für das laufende Jahr sind jedoch vorsichtig, da die Inflation den Schweizern zu schaffen macht. Im April zieht Apple-Finanzchef Luca Maestri in den Nestlé-Verwaltungsrat ein.
Auswirkung der hohen Inflation: Nestlé mit nur mäßigen Aussichten

Auswirkung der hohen Inflation: Nestlé mit nur mäßigen Aussichten

Foto: Arnd Wiegmann / REUTERS

Nestlé ist im vergangenen Jahr etwas stärker gewachsen als erwartet. Allerdings schlagen steigende Kosten etwa für Rohstoffe auch beim weltgrößten Nahrungsmittelkonzern auf die Marge. Für 2022 richten sich die Schweizer auf ein gemäßigteres Wachstumstempo und eine womöglich weiter rückläufige Profitabilität ein.

Die Kosten dürften in diesem Jahr noch schneller steigen als 2021, sagte Konzernchef Mark Schneider (56) am Donnerstag zur Vorstellung der Bilanz in Vevey. Das neue Jahr habe aber bereits gut begonnen, die Prognose bezeichnete er als vorsichtig.

Für 2022 stellt das Management ein Umsatzplus aus eigener Kraft von rund 5 Prozent in Aussicht, nachdem dieses im vergangenen Jahr bei 7,5 Prozent gelegen hatte. Mit dem 2021-Wert hatte Nestlé 2021 die Erwartungen der Analysten noch leicht übertroffen. Es seien mit Blick auf die Kosteninflation "turbulente Zeiten", äußerte sich Schneider während einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Wie schon im Vorjahr will Nestlé die anziehenden Kosten auch über Preiserhöhungen abfedern, "und zwar über alle Länder und Kategorien hinweg", kündigte der Firmenlenker an.

Mittelfristig rechnet das Unternehmen mit einem "anhaltenden organischen Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Bereich". Die zugrunde liegende operative Gewinnmarge soll sich "anhaltend moderat" verbessern.

Geringerer Kostendruck im Vergleich zu Konkurrenten

Ein Analyst der Baader Bank fand am Donnerstag lobende Worte. Die Zahlen für das vergangene Jahr seien gut ausgefallen, schrieb er in einer Studie. Zudem deute die Prognose darauf hin, dass der Kostendruck bei Nestlé weniger stark ausfalle als bei zahlreichen Konkurrenten.

Sehr zufrieden zeigte sich der Firmenchef mit Nestlés Lauf im vergangenen Jahr. Insgesamt setzte der Konzern knapp 87,1 Milliarden Schweizer Franken um nach 84,3 Milliarden Franken ein Jahr zuvor. Gute Geschäfte machte der Hersteller mit dem Einzelhandel. Zudem profitierte Nestlé davon, dass auch über die Gastronomie wieder mehr verkauft wurde. Die operative Marge verschlechterte sich hingegen leicht auf 17,4 Prozent nach 17,7 Prozent ein Jahr zuvor. Damit hatten die Kosten stärker auf das Ergebnis gedrückt als vom Konzern gedacht.

Zum Jahresende legte Nestlé im vierten Quartal einen Schlussspurt hin, mit einem Wachstum aus eigener Kraft von 7,2 Prozent nach 6,5 Prozent im dritten Jahresviertel. Vor allem zu Jahresbeginn hatte die Erholung in China sowie im Außer-Haus-Geschäft kräftig angetrieben und für rekordverdächtige Wachstumsraten gesorgt.

Über das gesamte Jahr hinweg trugen vor allem der Kassenschlager Kaffee mit Marken wie Nescafé, Nespresso und Starbucks zum Wachstum bei, aber auch Tiernahrung (Purina) florierte. Zudem scheint sich die Neuausrichtung auf die Premiummarken beim Wasser für den Konzern auszuzahlen. Das Wassergeschäft, das in der Vergangenheit eher schwächelte, wuchs um 6,8 Prozent.

Nestlé baut sein weltweites Wassergeschäft bereits seit Längerem um und konzentriert sich nun vermehrt auf internationale Premiummarken und Mineralwasser. Dafür hat sich der Konzern beispielsweise von seinen regionalen Quellwassermarken und dem Geschäft mit gereinigtem Wasser und den Getränkelieferservices in den USA und Kanada getrennt und Premium-Wassermarken wie die amerikanische Essentia aufgekauft.

Unter dem Strich verdiente Nestlé 16,9 Milliarden Franken, rund 38 Prozent mehr als im Vorjahr. Dazu trug maßgeblich der Verkauf einiger Anteile an dem französischen Kosmetikkonzern L'Oreal bei, der dem Lebensmittelkonzern 8,9 Milliarden Euro in die Kasse gespült hatte.

Vom Gewinnanstieg profitieren auch die Aktionäre: Sie sollen eine Dividende von 2,80 Franken erhalten, nach 2,75 Franken im Vorjahr. Zudem hat der Konzern zu Jahresbeginn ein neues Aktienrückkampfprogramm im Umfang von bis zu 20 Milliarden Franken gestartet. Das Unternehmen erwartet, in den ersten zwölf Monaten Aktien im Wert von etwa zehn Milliarden Franken zurückzukaufen. Das Programm soll bis Ende Dezember 2024 abgeschlossen sein.

Apple-Finanzchef zieht in den Verwaltungsrat

Der Schweizer Lebensmittelriese Nestlé nominiert den aktuellen Finanzchef von Apple zur Wahl in seinen Verwaltungsrat. Der Italiener Luca Maestri, der seit 2014 für die Finanzen des iPhone-Herstellers verantwortlich ist, soll nach der Generalversammlung am 7. April in das Gremium einziehen, wie Nestlé am Donnerstag mitteilte. Zudem wird Chris Leong, Marketing-Chefin beim französischen Elektrotechnik-Konzern Schneider Electric, zur Wahl in den Verwaltungsrat vorgeschlagen. Nestlé zufolge zieht sich Ann M. Veneman aus dem Gremium zurück. Verwaltungsratsmitglied Kasper Rorsted habe außerdem beschlossen, sich nicht zur Wiederwahl zu stellen. Mit den vorgeschlagenen Kandidaten werde der Nestle-Verwaltungsrat nun aus 14 Mitgliedern bestehen.

hr/dpa-afx, Reuters