Wo immer Sie auch wohnen: Die nächste schöne Laufstrecke ist garantiert nicht weit
Wo immer Sie auch wohnen: Die nächste schöne Laufstrecke ist garantiert nicht weit
Foto:

Sonja von Opel

Kleiner Aufwand, großes Abenteuer Wie Sie Ihr heimisches Laufrevier ganz neu entdecken

Der Marathon abgesagt, die Fernreise storniert: Wie bekommen Läufer jetzt neue Impulse? Laufcoach Sonja von Opel erklärt, wie man auch in der näheren Umgebung noch ganz neue Strecken entdecken kann.
Von Sonja von Opel

Es ist wirklich ein komisches Jahr für uns Läuferinnen und Läufer. Die meisten kleinen Veranstaltungen wurden aus Kostengründen bereits sehr früh abgesagt, die großen Stadtmarathons warten noch ein wenig mit dem Verkünden des endgültigen Aus, aber im Grunde ist klar: 2020 wird kein Jahr für eine amtliche Marathonbestzeit oder für den ersten Halbmarathon in einer großen Metropole. Aber: Jetzt schlägt die Stunde der Lebensläufer! Denn um des Laufens Willen laufen kann man schließlich überall.

Bei aller intrinsischen Motivation muss aber irgendwann doch einmal ein wenig Abwechslung in den läuferischen Alltag. Da trainiert man wochenlang, monatelang, vielleicht sogar jahrelang regelmäßig vor sich hin, macht hin und wieder ein paar Tempoläufe und am Wochenende einen langen Lauf, aber so richtig weiß man im Corona-Jahr dann doch nicht, wo das alles hinführen soll. Der Sommer lädt mit seinen langen Nächten und den satten Wiesen und Feldern dazu ein, ein Abenteuer in Mutter Natur zu erleben.

Laufen Sie doch mal von Ihrer Haustür weg an einen besonderen Ort. Vielleicht wohnen Sie in der Nähe einer touristischen Attraktion wie beispielsweise dem Blautopf Blaubeuren oder dem Steinhuder Meer? Das könnte Ihr Ziel sein. Oder Sie wohnen in Küstennähe und wollten schon immer mal zum Strand laufen. Jetzt oder nie! Ich lebe im Süden von München und werde in diesen Tagen auf die Zugspitze laufen. Von Zuhause aus. Das sind rund 100 Kilometer und am Ende gilt es gute 2800 Höhenmeter zu überwinden. War eine spontane Idee, weil mein geplanter 100-Kilometer-Wettkampf ebenfalls der Absagewelle zum Opfer gefallen ist und ich nicht weiß, wohin mit meiner Lauf-Form. Aber - und deshalb erzähle ich Ihnen das hier an dieser Stelle – bei aller Kurzfristigkeit gilt es doch ein paar Planungsschritte zu beachten - auch für weitaus kürzere Strecken.

Wie weit können Sie laufen?

Falls Sie sich fragen, welchen läuferischen Umfang Ihr Sommerprojekt 2020 haben darf, können Sie sich ganz einfach an einer simplen Formel orientieren. Nehmen Sie die in 2020 gelaufenen Kilometer und teilen Sie diese durch die Anzahl der bisherigen Wochen dieses Jahres. Beispiel: Sie sind seit dem 1. Januar bis zum 9. August in Summe 1407 Kilometer gelaufen, dann teilen Sie diese Zahl durch 32 (Wochen) und erhalten die Zahl 43,97… das sind die Kilometer, die Sie nach einer Woche Ausruhen – im Fachjargon "Tapering" – problemlos am Stück in Angriff nehmen können. Waren Sie vor allem in den letzten drei Monaten sehr aktiv, dann dürfen Sie auch noch mal gute 10 Prozent auf die gesamte Distanz aufschlagen. Im besten Fall schaffen Sie also 50 Kilometer an Ihrem persönlichen Tag X.

Wann ist der Tag X?

Der Wetterbericht sollte Ihr wichtigster Ratgeber sein, wenn Sie zeitlich flexibel sind. Es macht nicht nur sehr viel mehr Spaß im Sonnenschein zu laufen, Sie müssen auch viel weniger Kleidung mit sich tragen. Besprechen Sie mit Ihrem Umfeld, Ihrer Familie, Ihren Freunden, wann ein geeigneter Zeitpunkt ist und dann planen Sie alles auf diesen einen Tag hin. Sie sollten eine Woche vor dem Loslaufen wissen, wann Sie starten, damit das Training rechtzeitig entsprechend reduziert werden kann. Außerdem ist es empfehlenswert, die Kohlenhydratspeicher an den Tagen vor Ihrem Lauf ordentlich zu füllen.

Was müssen Sie planen? 

Das Tolle am Laufsport ist: Sie sind extrem flexibel. Sie sind weder auf gute Asphaltstraßen angewiesen, noch auf ein funktionierendes Sportgerät. Sie brauchen gutes Schuhwerk, zwei gesunde Beine und eine große Portion Lauflust. Die ersten Kilometer werden ein Kinderspiel, denn sie führen über Ihre altbekannten Hausrunden. Je weiter Sie sich von Zuhause entfernen, umso spannender wird es. So ganz ins Blaue rate ich Ihnen allerdings nicht zu laufen. Der erste Schritt Ihrer Planung sollte sein, dass Sie die Entfernung Ihres Zuhauses bis zum Wunschzielort eruieren. Am einfachsten geht das über Google Maps und die Funktion Fußweg. Es gibt aber auch ausgeklügelte Apps wie Komoot oder Maps 3D, die Ihnen den perfekten Laufweg zeigen. Je nachdem wie technikaffin Sie sind, können Sie sich Ihren Weg im Detail vorher zurechtlegen, den Track auf Ihre GPS Uhr laden, um dann Meter für Meter zu navigieren. Aber Achtung: Navigation kostet Akku!

Wie kommen Sie zurück?

Der Heimweg hängt natürlich stark davon ab, wo Sie hingelaufen sind. Wenn es eine Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr gibt, dann brauchen Sie sich nur in den Zug oder in den Bus setzen, um die müde gelaufenen Beine nach Hause kutschieren zu lassen. Informieren Sie sich aber im Vorfeld über Abfahrtszeiten. Von der Zugspitze fährt die letzte Bahn um 17:45 Uhr und es wäre blöd, wenn ich die verpasse. Vielleicht haben Sie aber auch einen treusorgenden Partner, der bereit ist, Sie am Zielort abzuholen. Wenn dem so ist, dann können Sie ja versuchen ihn zu überreden, ob er nicht kurz vorher einmal an der Strecke Verpflegung reichen möchte, dann brauchen Sie nicht so viele Riegel und Flüssigkeit im Laufrucksack mitzuschleppen. Dort gehört übrigens auch Kleidung (in Plastik verpackt) hinein, damit Sie nach dem Lauf etwas Trockenes anziehen können.

Sind Sie sicher?

Natürlich sollen Sie sich fragen, ob Sie das wirklich wollen mit dem Laufabenteuer. Aber hier möchte ich jetzt den Punkt Sicherheit ansprechen. In meinem Fall ist es nämlich so, dass ich durch die Nacht laufen werde, und obwohl ich eine sehr mutige Frau bin, habe ich mich dagegen entschieden, ganz alleine loszuziehen. Ein Freund wird mich auf dem nächtlichen Weg durch das Voralpenland bis auf den höchsten Punkt Deutschlands begleiten. Mein Hund schafft eine solche Distanz leider nicht, sonst hätte er mir sicherlich Geleitschutz durch die Dunkelheit gegeben. Bei allem, was Sie planen und schließlich umsetzen, sollten Sie immer ein gutes Gefühl haben. Angst ist kein guter Mitläufer und macht Ihr Abenteuer im schlimmsten Fall zum Albtraum. Fragen Sie im Umfeld, ob jemand Lust zum Mitlaufen oder wenigstens auf eine Radbegleitung auf einsamen Passagen hat. Nehmen Sie immer ein Handy mit und achten Sie darauf, dass Sie jederzeit ausreichend Akku für einen Notfallanruf haben.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.