Fußball-Bundesligist Lars Windhorst will bei Hertha BSC aussteigen

Finanzjongleur Lars Windhorst hat keine Lust mehr auf Fußball. Er bietet dem Hauptstadt-Klub Hertha BSC den Rückkauf seiner Anteile an und verweist auf den Streit mit Hertha-Präsident Kay Bernstein. Wie die Hertha die von Windhorst gezahlten 342 Millionen Euro aufbringen soll, ist offen.
Sieht keine Perspektive mehr: Lars Windhorst (hier bei einer Mitgliederversammlung) bietet Hertha BSC den Rückkauf seiner Anteile an

Sieht keine Perspektive mehr: Lars Windhorst (hier bei einer Mitgliederversammlung) bietet Hertha BSC den Rückkauf seiner Anteile an

Foto: IMAGO/Juergen Engler / IMAGO/Nordphoto

Investor Lars Windhorst (45) will nach dem jüngsten Eklat seine Zusammenarbeit mit dem Fußball-Klub Hertha BSC beenden und bietet dem Hauptstadtverein den Rückkauf der für 374 Millionen Euro erworbenen Anteile an. In einer Erklärung, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, erklärte Windhorst, dass der aktuelle Präsident Kay Bernstein (42) "erkennbar an einer vertrauensvollen und seriösen Zusammenarbeit nicht interessiert" sei. Es gebe keine Basis und keine Perspektive mehr.

Bernstein hatte am Mittwoch seinen 101. Tag im Amt des Präsidenten bei Hertha BSC. Der ehemalige Ultra hatte die Wahl nach dem Rücktritt von Werner Gegenbauer überraschend gewonnen. Den langjährigen Chef Gegenbauer wollte Windhorst aus dem Amt haben, daran hatte der 2019 mit seiner Tennor-Gruppe bei Hertha eingestiegene Investor keinen Zweifel gelassen. Medienberichte, wonach Windhorst dazu über eine isrealische Agentur eine Kampagne gegen Gegenbauer veranlasst haben soll, wies Windhorst als "Unsinn" zurück.

"Statt gemeinsam mit uns an der Aufklärung zu arbeiten, hat Präsident Bernstein entschieden, sich ohne Prüfung der Beweislage den Vorverurteilungen anzuschließen", schilderte Windhorst das Vorgehen der neuen Vereinsführung aus seiner Sicht. Der Präsident habe in einem Gespräch als Ziel seiner Aktivitäten "den Break mit Tennor" genannt.

"Die wesentliche Grundlage unseres Engagements für Hertha BSC ist zerstört"

Lars Windhorst

Unter diesen Voraussetzungen sei eine weitere Zusammenarbeit zum Wohle von Hertha BSC ausgeschlossen. Wirtschaftliche und sportliche Ziele seien so nicht zu erreichen, "und damit ist die wesentliche Grundlage unseres Engagements für Hertha BSC zerstört". Deshalb werde er das Engagement bei Hertha beenden und dem Club offiziell anbieten, "unsere Mehrheits-Anteile in Höhe von 64,7 Prozent zum damaligen Kaufpreis zurückzukaufen".

Mit dem Kauf und Verkauf von Objekten hat Windhorst langjährige Erfahrung. Seine Tennor-Holding ist extrem verschachtelt und selbst für Finanzexperten kaum zu durchschauen. Windhorst hat sich nicht nur an Hertha BSC beteiligt, sondern über Tennor auch die marode Flensburger Werft FSG gekauft. In Hannover hatte Windhorst 2019 ebenfalls über Tennor das Ihme Zentrum übernommen, mit 285.000 Quadratmeter eine der größten Problemimmobilien Deutschlands, die seit Jahren leer steht und auf Sanierung wartet. Seitdem wartet das Wohn-, Gewerbe- und Immobilienzentrum weiterhin auf die dringende Sanierung. Inzwischen hat Windhorst eine Grundschuld von 230 Millionen Euro auf die Immobilie eintragen lassen, zu Gunsten einer Projektgesellschaft seines Geschäftspartners Ulrich Marseille. Während das Gebäude weiter vor sich hin bröckelt, hat es zugleich die Voraussetzung für viel flüchtiges Kapital geschaffen.

Wie das Nachrichten-Magazin "DER SPIEGEL" berichtete, will das Präsidium von Hertha am Mittwochabend über einen Antrag auf einen Vereinsausschluss von Windhorst entscheiden. Der Klub verwies darauf, dass man sich generell nicht vorab zu Inhalten der turnusmäßigen Sitzungen äußere. Zudem werde man der Untersuchung der Spionage-Affäre durch eine Kanzlei nicht vorgreifen.

Über einen Ausschluss von Windhorst aus dem Verein würde im Falle eines Antrags des Präsidiums das Vereinsgericht der Berliner entscheiden. Am Status von Tennor als Anteilseigner würde ein Ausschluss nichts ändern.

rei/DPA
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.