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Kulturform der Spaßgesellschaft

Werteverfall: Bestechung, Betrug und Bereicherung erschüttern die Wirtschaft (mm 6/2002)
aus manager magazin 8/2002

Der von Ihnen angeprangerte Sittenverfall ist eine Kulturform unserer Spaß- und Ellbogengesellschaft und wird von staatlicher Seite auch noch gefördert. Denn wer heute Steuern hinterzieht und Sozialabgaben unterschlägt, kann auch im öffentlichen Bereich ganz andere Preise anbieten und wird großzügiger behandelt als ein dummer Unternehmer, der sich an die einstigen Spielregeln hält.

Gott sei Dank gibt es jedoch einige rechtschaffene Unternehmer, für die unsere Gesellschaft kein Selbstbedienungsladen ist. Hubert K. Fischer, Saal

In Zeiten, in denen es nur noch um Schnelligkeit geht, wo Erfolg sich an Quartalsergebnissen und oft unrealistischen Zielvorgaben misst, wo Loyalität und langfristiges Denken eher bestraft als belohnt werden, braucht man sich über Auswüchse individueller Egoismen auf allen Hierarchieebenen nicht zu wundern.

Appelle an ethische Maximen und Vorbildfunktion von Führungskräften werden hier wenig bewirken. Deutlich muss werden, dass Firmen mittel- bis langfristig ihre wirtschaftliche Existenz aufs Spiel setzen, wenn sie Mitarbeiter (Führungskräfte eingeschlossen) nur noch als Kostenfaktor betrachten. Wir müssen endlich wieder erkennen, dass der Shareholder-Value ein wichtiges Mittel für Existenz und Fortentwicklung eines Unternehmens ist, aber nicht das einzige und wesentliche Ziel darstellt.

Karin Fontaine, Hamburg

Die Selbstbereicherung von Führungskräften in Firmen sowie deren mangelnder Blick für Moral als Erfolgsfaktor in Unternehmen hängt mit der plötzlichen und rabiaten Kündigung von Führungskräften unmittelbar zusammen. Entscheidend ist: Wenn nur noch ökonomische Werte wie Rendite, Profit und Effizienz zählen, dann gilt das für alle Seiten.

Dass weitere soziale, kommunikative und ethische Werte notwendig sind, damit sowohl der ökonomische Erfolg einer Firma wie eines Führungshandelns nachhaltig sind, merken viele Manager erst, wenn sie "Opfer" einseitiger ökonomischer Orientierung geworden und gekündigt sind.

Dr. Norbert Copray, Frankfurt/Main

Sie sprechen mir aus der Seele. Ein erschreckendes Beispiel für den Verfall ist auch die neueste Erhöhung der Bezüge für Vorstandsmitglieder der Telekom. Wenn man den Berichten glauben kann, sind es 90 Prozent, und das bei sehr umstrittenen Leistungen dieser Herren und angesichts der Vernichtung von immensen Werten der Aktionäre.

Ich war viele Jahre in einem Konzern für die personelle Betreuung der Leitenden Angestellten verantwortlich. Die Selbstbedienungsmentalität dieser Herren war sehr ausgeprägt. Spesenrittertum bei den Reisekosten und erhebliche Überschreitungen des festgelegten Kostenrahmens bei Jubiläen waren an der Tagesordnung. Diese wurden vom Personalchef trotz sehr detaillierter Nachweise über den Missbrauch akzeptiert. Wen wundert''s, auch er setzte sich großzügig über die Richtlinien hinweg, die wohl nur für das "Fußvolk" aufgestellt wurden.

Auch Kostenübernahmen ohne Versteuerung des geldwerten Vorteils, die zu Steuerausfällen in erheblicher Höhe führten, waren üblich. Ich hatte immer gehofft, bei den Steuerprüfern würde das mal entdeckt. Leider sind die Steuerprüfer auf solche Fälle nicht vorbereitet.

Der Name des Leserbriefschreibers ist der Redaktion bekannt

Karin Fontaine, HamburgDr. Norbert Copray, Frankfurt/MainDer Name des Leserbriefschreibers ist der Redaktion bekannt

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