Kosten steigen Jede fünfte Krankenkasse erhöht Beiträge

Jede fünfte gesetzliche Krankenkasse hat ihren Beitrag zum Jahreswechsel erhöht. Auch in der gesetzlichen Pflegeversicherung schlägt der GKV-Verband Alarm und erwartet noch im ersten Halbjahr steigende Beiträge.
Steigende Zusatzbeiträge: Rund ein Fünftel der gesetzlichen Krankenversicherer hat den Zusatzbeitrag erhöht

Steigende Zusatzbeiträge: Rund ein Fünftel der gesetzlichen Krankenversicherer hat den Zusatzbeitrag erhöht

Foto: Daniel Karmann / dpa

Von den gesetzlichen Krankenversicherungen hat nach einem Zeitungsbericht etwa jede Fünfte zum Jahreswechsel ihren Beitragssatz angehoben. 19 von 97 gesetzlichen Kassen hätten den Zusatzbeitrag erhöht, berichtete die "Welt am Sonntag". Gesetzliche Krankenkassen dürfen einen Zusatzbeitrag zum allgemeinen Beitrag verlangen. Die Höhe variiert von Kasse zu Kasse, denn jede kann ihn selbst festlegen.

Die Zeitung beruft sich auf eine im Internet veröffentlichte Beitragsliste des Spitzenverbands der gesetzlichen Kassen. Darunter sind neun der insgesamt elf Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK). Betroffen seien mehr als ein Viertel der 73 Millionen gesetzlich Versicherten. Zugleich haben demnach neun Kassen ihre Beiträge gesenkt. Dabei handele es sich aber um sehr viel kleinere Betriebskrankenkassen.

Neun kleinere Kassen haben ihren Beitrag gesenkt

Der Vorstandsvorsitzende der DAK-Gesundheit, Andreas Storm, sagte der Zeitung: "Wenn die Politik nicht aktiv gegensteuert, wird es 2023 einen Beitrags-Tsunami geben." Es brauche dringend einen "schonungslosen Kassensturz für die Finanzen der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung bis zum Jahr 2025". Dies sei eine vordringliche Aufgabe der neuen Bundesregierung.

"Die finanzielle Perspektive der gesetzlichen Krankenversicherung GKV hat sich zuletzt verdüstert", sagte die neue Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbands, Carola Reimann, der Zeitung. Drohende Milliardenlöcher 2021 und 2022 hätten nur durch staatliche Sonderzuschüsse und den Rückgriff auf Kassenreserven gestopft werden können. Zudem gehe ein neuer Verteilungsschlüssel der Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds massiv zulasten der AOK.

Beitragssatz zur Pflegeversicherung könnte schon 2022 steigen

Angesichts eines Milliardendefizits im vergangenen Jahr befürchten die gesetzlichen Krankenkassen einen Beitragsanstieg der Pflegeversicherung bereits im ersten Halbjahr 2022. "Wenn nichts passieren sollte, dann wird bereits im ersten Halbjahr eine Beitragserhöhung von 0,3 Prozentpunkten notwendig sein, um die Finanzierung sicherzustellen", sagte der Vize-Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Gernot Kiefer, der "Rheinischen Post". Die Gesamtausgaben für 2021 seien etwa um knapp 2 Milliarden Euro höher als die Einnahmen gewesen - also ein Defizit von 2 Milliarden Euro.

Der Bundestag hatte erst im November eine zusätzliche Milliardenhilfe für die gesetzlichen Krankenversicherungen bewilligt. Das Parlament beschloss für 2022 einen Bundeszuschuss von insgesamt 28,5 Milliarden Euro - und damit noch einmal sieben Milliarden Euro mehr als eigentlich vorgesehen. Hintergrund waren vor allem Zusatzausgaben und Einnahmeausfälle durch die Corona-Pandemie.

rei/dpa-afx
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