Private Krankenversicherung Beiträge in der PKV ziehen stark an

Die Beiträge in der Privaten Krankenversicherung steigen rasant. PKV-Versicherte seien dabei aber nicht schlechter dran als gesetzlich Versicherte, sagt ihr Lobbyverband. Regieren die Grünen, könnte sich für PKV-Versicherte einiges ändern - auch zu ihrem Vorteil.
Gesundheit kostet: Das müssen Kunden der Privaten Krankenversicherung an erneut steigenden Beiträgen feststellen

Gesundheit kostet: Das müssen Kunden der Privaten Krankenversicherung an erneut steigenden Beiträgen feststellen

Foto: Armin_Weigel/ picture-alliance / dpa/dpaweb

Corona-Kosten, Zinsflaute, steigender Aufwand im Gesundheitswesen: Die Beiträge für die etwa 8,8 Millionen privat Krankenversicherten (PKV) in Deutschland wachsen deutlich stärker als die Lebenshaltungskosten. Sie legten im März im Vergleich zum Vorjahresmonat um 5,3 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Zum Vergleich: Die Inflationsrate lag mit 1,7 Prozent deutlich darunter.

Die meist zu Jahresbeginn fällige Beitragserhöhung sei vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie diesmal deutlicher ausgefallen als in den beiden Vorjahren, erklärte das Statistikamt die Entwicklung. Die Beiträge für die private Krankenversicherung kletterten im Januar um 4,9 Prozent zum Vormonat, Anfang 2020 dagegen nur um 2,6 Prozent und im Januar 2019 lediglich um 1,7 Prozent.

"Die längerfristige Betrachtung zeigt ebenfalls einen deutlichen Anstieg", teilte das Statistikamt mit. Die Krankenversicherungsbeiträge erhöhten sich von Januar 2015 bis März 2021 um 24,7 Prozent . Im selben Zeitraum legten die Verbraucherpreise insgesamt nur um 9,1 Prozent zu.

PKV: Beiträge steigen im Vergleich zur GKV nicht überproportional

Der Verband der privaten Krankenversicherer behauptet , dass die Beiträge in der PKV im Vergleich zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nicht überproportional gestiegen seien. Für Durchschnittsverdiener in der GKV seien die Beiträge zwischen 2015 und 2021 um 20,5 Prozent geklettert. Betrachte man den Zeitraum von 2011 bis 2021 seien die Beitragseinnahmen je Vollversicherten in der PKV im Jahresschnitt lediglich sogar um 3,0 Prozent und die eines gesetzlich Versicherten durchschnittlich um 3,3 Prozent gestiegen.

Die PKV ist immer wieder Gegenstand von politischen Diskussionen. Während zum Beispiel die Linke die Abschaffung der PKV fordert, setzen sich die Grünen für eine Reform der privaten Krankenversicherung ein, die im Kern auf die Schaffung einer breiter finanzierten Bürgerversicherung hinauslaufen würde.

Grüne wollen Bürgerversicherung, PKV soll aber bleiben

So sollen nach Vorstellung der womöglich künftigen Regierungspartei privat Krankenversicherte in Zukunft auch einen einkommensabhängigen Beitrag zahlen. Dieser soll zunächst in den Gesundheitsfonds fließen. Aus dem Fonds wiederum erhalten sie einen Zuschuss, mit dem sie ihre Prämie in der PKV mit finanzieren können.

Für die Beitragsbemessung soll nicht nur das Arbeitseinkommen, sondern auch Einkommen aus Kapitalanlagen oder Mieteinnahmen herangezogen werden. Ziel sei es, privat Versicherte mit weniger Einkommen oder chronisch Kranken eine "bezahlbare Krankenversicherung" zu ermöglichen.

Zugleich streben die Grünen auf längere Sicht einen barrierefreien Wechsel zwischen PKV und GKV an. "Alle Versicherten, die mit den Leistungen ihrer Krankenversicherung nicht (mehr) zufrieden sind, sollen diese wechseln können", heißt es wörtlich in einem Positionspapier  der Grünen. Bei ihrem Wechsel in die GKV sollen Privatversicherte dann auch ihre angesparten Altersrückstellungen nicht verlieren, sondern diese mitnehmen und in die gesetzliche Krankenversicherung einbringen dürfen. Gleiches gilt für einen Wechsel in eine konkurrierende private Krankenversicherung. Die Grünen versprechen sich davon mehr Wettbewerb unter den Anbietern und im Ergebnis eine bessere Versorgung.

rei mit Reuters
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