Krise beim kriselnden Immobilieninvestor KPMG verweigert Adler das Testat

Seit Monaten steht der Immobilieninvestor Adler wegen seiner Bilanzierungsmethoden in der Kritik. Zuletzt hatte sich der Konzern nach einer Sonderprüfung von Vorwürfen entlastet gefühlt. Jetzt hat KPMG offenbar neue Zweifel.
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Foto: Stefan Boness/Ipon / imago images/IPON

Der kriselnde Immobilien-Investor Adler Group bekommt für seinen Jahresabschluss kein Testat von KPMG. Der mit der Abschlussprüfung beauftragte Wirtschaftsprüfer habe einen sogenannten Disclaimer of Opinion (Versagungsvermerk) für den Konzernabschluss und Einzelabschluss 2021 angekündigt, teilte Adler am späten Freitagabend in Luxemburg mit. KPMG sei demnach "nicht in der Lage, ein Prüfungsurteil abzugeben".

Zu den Gründen für das ausbleibende Testat machte das Unternehmen keine Angaben. Ein derartiger Versagungsvermerk wird fällig, wenn sogenannte Prüfungshemmnisse vorliegen, die die Bilanzexperten daran hindern, wesentliche Sachverhalte in der Bilanz zu überprüfen. Anleger zeigten sich entsetzt. Der Aktienkurs des Immobilienkonzerns brach auf der Handelsplattform Tradegate in einer ersten Reaktion um fast ein Drittel ein.

Adler kündigte an, den Jahresabschluss 2021 trotzdem wie geplant am Samstag vorzulegen - schon um die Bedingungen für seine Anleihen zu erfüllen. Die Adler Group hatte die Veröffentlichung ihrer Bilanz wegen einer Untersuchung der KPMG-Wirtschaftsprüfer mehrfach verschoben.

Sonderprüfung hatte Mängel aufgedeckt

Schon seit Monaten steht Adler wegen seiner Bilanzierungsmethoden in der Kritik, zuletzt hatten die Wirtschaftsprüfer der KPMG Forensic das Zahlenwerk des Konzerns bei einer Sonderprüfung durchleuchtet. Anlass waren Vorwürfe des Leerverkäufers Fraser Perring, der schon den insolventen Finanzdienstleister Wirecard früh mit Veröffentlichungen unter Druck gesetzt hatte. Adler geriet Anfang Oktober vergangenen Jahres in den Fokus von Perring, er kritisierte das Unternehmen wegen der Bewertung von Immobilienprojekten. Der Aktienkurs war daraufhin stark unter Druck geraten.

Das Unternehmen hatte sich durch die Sonderprüfung zuletzt entlastet gefühlt. "Es ist kein Freispruch erster Klasse, natürlich wurden Mängel aufgedeckt", hatte der neue Verwaltungsratschef der Adler Group, Stefan Kirsten, bei der Vorstellung der Ergebnisse gesagt. Die Sonderprüfer hätten aber keine Beweise dafür gefunden, dass es systematisch "betrügerische oder die Gesellschaft ausplündernde Transaktionen mit angeblich nahe stehenden Personen" gegeben habe.

Die Adler Group hat ihren rechtlichen Sitz in Luxemburg und ihren operativen Hauptsitz in Berlin. Das Unternehmen war aus dem Zusammenschluss von Ado Properties, Adler Real Estate und dem Berliner Projektentwickler Consus Real Estate entstanden. Ado Properties hatte hierbei Adler Real Estate übernommen und dann Consus geschluckt.

dpa/rtr/oho