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Morgan Stanley Kopflos in Frankfurt

Die US-Investmentbank sucht einen neuen Deutschland-Chef - bislang vergeblich.
Von Ulric Papendick
aus manager magazin 8/2008

Die Einweihung einer amerikanischen Botschaft in Berlin ist für den Deutschland-Chef einer US-Bank ein Pflichttermin. So drängte sich Anfang Juli neben Abgesandten aus Politik und Gesellschaft reichlich Finanzprominenz in der neuen Vertretung am Brandenburger Tor.

Für die Investmentbank Morgan Stanley war Lutz Raettig (65) von Frankfurt nach Berlin geeilt. Der altgediente Finanzprofi hatte seinen Job als Deutschland-Statthalter des US-Finanzhauses zwar schon Ende 2004 abgegeben. Doch seit einigen Monaten muss Raettig wieder ran. Denn Morgan Stanley findet keinen neuen Chef für die 400 Mitarbeiter in Deutschland, nachdem die Österreicherin Dagmar Kollmann (44) den Job im Februar entnervt aufgegeben hat.

Seitdem haben die Amerikaner bei mehreren Frankfurter Topbankern angefragt. Doch die Umworbenen, darunter der frühere Deutschbanker Michael Sautter (50), lehnten allesamt ab. "Die Position des Landeschefs ist ein Frühstücksdirektorenposten ohne echte Verantwortung, wenn man nicht zugleich eine der Abteilungen leitet", begründet ein Geldmanager die Zurückhaltung.

In der Branche gilt mittlerweile eine interne Nachfolgeregelung als wahrscheinlich. Davon würden vermutlich ausgerechnet die beiden Manager profitieren, die Insidern zufolge maßgeblich zu Kollmanns Abgang beigetragen haben: Dirk Notheis (40) und Carsten Dentler (43), die gemeinsam das Fusions- und Übernahmegeschäft der Amerikaner in Frankfurt leiten, könnten künftig eine Doppelspitze bilden.

Noch ist die Personalie, die Morgan Stanley nicht kommentieren will, nicht ausgemacht. Zumal beide Kandidaten in der Branche nicht gerade als Ideallösung gelten. Dentler ist ein zahlensicherer Experte, allerdings nicht unbedingt führungsstark. Notheis hingegen gilt als extrem ehrgeizig und als der eigentliche "Rainmaker" von Morgan Stanley in Deutschland. Allerdings wird der frühere Vorsitzende der Jungen Union in Baden-Württemberg mit einigen fragwürdigen Deals in Verbindung gebracht.

So beriet Morgan Stanley unter seiner Ägide zuerst den Immobilienfinanzierer HRE beim Erwerb der Depfa-Bank. Anschließend standen die mit HRE-Interna bestens vertrauten Berater dem Investor Christopher Flowers (50) beim Kauf eines HRE-Aktienpakets zur Seite.

Bei der Deutschen Post, die von den Amerikanern beim Verkauf der Postbank unterstützt wird, ist Notheis nicht mehr wohlgelitten. Er wird als schwierig im Umgang beschrieben, fachlich ist er umstritten. "Morgan Stanley hat das Mandat zwar bekommen - aber trotz Notheis", sagt ein Insider.

Sollte das Duo dennoch installiert werden, wird es einiges zu tun bekommen. Bei Morgan Stanley in Deutschland läuft es nicht rund. Im Aktiengeschäft kündigten viele Mitarbeiter. Und in den Ranglisten zur Fusionsberatung rutschte Morgan Stanley ab - was wohl auch am Rückzug des früheren Post-Chefs und Morgan-Stanley-Aufsichtsrats Klaus Zumwinkel (64) liegt, der dem Geldhaus stets helfend zur Seite stand.

Ulric Papendick

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