Konsum Luxushandel bangt nicht vor der Krise

Die hohe Inflation macht es vielen Menschen schwer, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Doch die Luxushersteller spüren bisher wenig von der Krise. Champagner-Produzent Moët-Hennessy hat sogar Mühe, die Nachfrage nach Top-Sorten zu befriedigen.
Top-Champagner fast ausverkauft: Moët-Hennessy-Chef Bernard Arnault bangt nicht vor der Krise

Top-Champagner fast ausverkauft: Moët-Hennessy-Chef Bernard Arnault bangt nicht vor der Krise

Foto: ? Charles Platiau / Reuters/ Reuters

Die hohen Preise für Energie und Lebensmittel zwingen immer mehr Menschen den Gürtel enger zu schnallen. Doch an vielen Luxusgüter-Herstellern wie Dior, Cartier oder Louis Vuitton ist die Krise bisher vorbeigegangen. Sie erzielten auch in den ersten neun Monaten dieses Jahres zweistellige Wachstumsraten. Der Chef des Champagner-Herstellers Moët-Hennessy, Philippe Schaus (59), berichtete kürzlich in einem Interview, die meisten Top-Champagner des Hauses seien praktisch ausverkauft.

Die Unternehmensberatung Bain & Company erwartet für den Luxussektor 2022 weltweit ein Rekordjahr mit einem Wachstum von 15 Prozent. Insgesamt würden in diesem Jahr wohl 353 Milliarden Euro für persönliche Luxusgüter ausgegeben, prognostizierten die Experten. Und die Zahlen der großen Luxushersteller bestätigen den Trend.

Umsatzwachstum von 28 Prozent

So meldete das französische Luxusimperium LVMH, zu dem Modeikonen wie Dior und Louis Vuitton, Champagnermarken wie Moët & Chandon und Veuve Clicquot, aber auch Edel-Weingüter wie das Chateau Cheval Blanc und das Chateau d'Yquem gehören, für die ersten neun Monate dieses Jahres ein Umsatzwachstum von 28 Prozent auf 56,6 Milliarden Euro.

Der Wettbewerber Richemont, der unter seinem Dach bekannte Marken wie Cartier, Montblanc oder IWC vereint, steigerte zwischen April und September seinen Umsatz um 24 Prozent auf 9,7 Milliarden Euro. Die französische Luxusgruppe Kering wuchs mit Marken wie Gucci, Saint Laurent, Balenciaga oder Bottega Veneta in den ersten neun Monaten dieses Jahres um 23 Prozent und erzielte einen Umsatz von 5,1 Milliarden Euro.

Auch im kommenden Jahr werde es trotz Rezessionsgefahr für Luxushersteller weiter aufwärtsgehen, sind die Experten von Bain überzeugt – allerdings langsamer. Die Branche profitiere nicht zuletzt von der gestiegenen Begeisterung für Luxus in den jüngeren Generationen.

Luxushersteller widerstandsfähig in der Krise

Ähnlich sieht das auch der für das Geschäft mit dem Luxus zuständige Experte der Unternehmensberatung McKinsey, Achim Berg. Er ist überzeugt, dass sich die Luxushersteller auch in einer Rezession als sehr widerstandsfähig erweisen werden. Allerdings werde der Luxusmarkt auch nach den Analysen von Nielsen im kommenden Jahr nicht mehr die zweistelligen Wachstumsraten haben wie 2021 oder 2022.

"Wer sagt, die reichen Leute haben immer Geld, und deshalb wird Luxus weiter laufen, macht es sich ein bisschen zu einfach", meint der Branchenkenner. Das stimme zwar am oberen Ende des Luxussegments. Aber in den vergangenen Jahren habe es eine gewisse Demokratisierung des Luxus gegeben. Mit Anleihen bei der Streetware und dem Casual-Trend seit es den Luxusherstellern in den vergangenen Jahren gelungen, ihre Kundengruppe deutlich zu verbreitern.

"Gerade viele jüngere Kunden haben die Edelmarken für sich entdeckt. Für viele Luxusunternehmen ist das inzwischen ein relevantes Marktsegment. Und hier werden auch sie die sinkende Konsumlust in der Bevölkerung zu spüren bekommen", prognostizierte Berg.

Er glaubt, dass in nächster Zeit der Secondhand-Markt für Luxusartikel von der drohenden Rezession profitieren könnte. "Die Begehrlichkeit ist da. Die Leute wollen weiter Luxusartikel kaufen, auch wenn das Geld knapper ist." Luxusprodukte seien dabei für viele Menschen ein Mittel zur Selbstdarstellung. "Darauf werden sie auch in der Rezession nicht verzichten wollen."

Langfristig sieht sich die Luxusbranche ohnehin im Aufwind. Die Experten von Bain erwarten, dass sich der weltweite Umsatz mit persönlichen Luxusgütern von aktuell rund 353 Milliarden Euro bis 2030 auf bis zu 580 Milliarden Euro erhöht.

mje/ dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.