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Aussteiger Kommandowechsel

Thales tauscht Deutschland-Chef aus.
aus manager magazin 9/2007

Der Streit zwischen den beiden Herren zog sich mehr als ein Jahr hin, und er wurde immer heftiger. Nun hat der Hader ein Ende: Klaus D. Rettig (62), Deutschland-Geschäftsführer des französischen Rüstungs- und Elektronikmultis Thales, verlässt die Firma. Ob ihm Konzernlenker Denis Ranque (55) ein gesichtswahrendes "auf eigenen Wunsch" mitgibt, steht dahin.

Rettig verwaltete ein stattliches Reich mit 4700 Mitarbeitern und einem inländischen Umsatz von 863 Millionen Euro. Viel zu bestimmen hatte er allerdings nicht, denn die Geschäftsbereiche werden von den jeweiligen Spartenchefs zentral gesteuert. Landesfürst Rettig aber wollte sich nicht mit der Rolle als Grüßaugust abfinden. Die hatte er ursprünglich auch nicht spielen sollen. Ranque holte seinen Statthalter vor vier Jahren, damit der im Berliner Kanzleramt sowie im Verteidigungs- und Wirtschaftsministerium die Türen öffnet - ein wichtiger Job, läuft doch in der Rüstungsbranche ohne politische Beziehungen gar nichts. Nun kennt sich

Rettig zwar in der Waffenindustrie aus - er hat überwiegend in wehrtechnischen Betrieben gearbeitet -, aber mit der Kontaktpflege wollte es nicht recht klappen. So mussten die Franzosen Ende 2005 mit ansehen, wie der Marineausrüster Atlas Elektronik, für den sie das höchste Gebot abgegeben hatten, aus politischen Erwägungen an ein Konsortium aus ThyssenKrupp und EADS ging.

Eine derartige Niederlage will Ranque nicht noch einmal erleben. Daher hat er sein Augenmerk jetzt auf einen Mann ganz anderen Kalibers geworfen: Harald Kujat (65), der einstige Generalinspekteur der Bundeswehr und ehemals Vorsitzender des Nato-Militärausschusses, könnte - wenn er denn will - die Nachfolge Rettigs antreten.

Ursula Schwarzer

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