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Kühne + Nagel KMK-Monarchie

Inhaber Kühne ernennt einen Zementmanager zu seinem "persönlichen Nachfolger".
aus manager magazin 8/2008

Offiziell nennt sich Klaus-Michael Kühne (71) Verwaltungsratspräsident der Kühne + Nagel International AG - was einem besseren Aufsichtsratsvorsitzenden entspräche. Doch inoffiziell gibt es keinen Zweifel, wer in dem schweizerischen Logistikkonzern die Geschicke bestimmt: KMK. Mit diesem Kürzel tituliert man Kühne in der Firmenzentrale, gelegen im steuerlich wie landschaftlich idyllischen Schindellegi hoch über den Ufern des Zürichsees.

Kühnes Macht rührt daher, dass er zusätzlich alleiniger Inhaber der Kühne Holding ist - die hält die Aktienmehrheit an Kühne + Nagel International. Zieht man dann noch Kühnes legendären Arbeitseifer ins Kalkül, wird schnell klar, warum der als CEO zeichnende Klaus Herms (66) vor allem dem Willen von KMK folgt. Mitte kommenden Jahres verabschiedet sich Herms in den Ruhestand. Doch auch sein designierter Nachfolger Reinhard Lange (59) wird nicht das alleinige Sagen im Konzern haben.

Mit einem radikalen Schnitt nämlich will der kinderlose Kühne jetzt seine Nachfolge regeln: Bereits zum 1. Oktober 2008 wird KMK den Hamburger Manager Karl Gernandt (48) zu seinem Bevollmächtigten und zum Chef der Kühne Holding ernennen. Auch in den Rat der Stiftung, an die Kühnes Firmenanteile nach seinem Tod fallen sollen, wird Gernandt eintreten und soll später dort den Chefposten übernehmen.

Kein Zweifel: Dies ist der neue starke Mann in der KMK-Monarchie. "Ich will Karl Gernandt zu meinem persönlichen Nachfolger aufbauen", bestätigt Kühne gegenüber dem manager magazin.

Nach Stationen bei der Deutschen Bank und bei A. T. Kearney leitet Gernandt derzeit von Brüssel aus das Westeuropa-Geschäft des Zementkonzerns Holcim. Kühne kennt und schätzt Gernandt aus gemeinsamen Sitzungen beim Landesbeirat der Deutschen Bank in Hamburg.

Es erscheint nur logisch, dass Gernandt früher oder später auch einen Verwaltungsratsposten bei Kühne + Nagel International übernimmt - womöglich bereits bei der nächsten Generalversammlung im Mai 2009. Und noch eine wichtige Aufgabe könnte auf Gernandt zukommen: Steigt Kühne tatsächlich wie geplant bei der Großreederei Hapag-Lloyd ein, dann soll Gernandt auch dieses Engagement koordinieren.

Geschäftlich befindet sich Kühne + Nagel in guter Verfassung. 2007 erzielte der Konzern einen Rekordumsatz von 21 Milliarden Franken und einen ebensolchen Gewinn (531 Millionen Franken). Doch Gernandts Erfolg dürfte nicht nur von den Fährnissen des Logistikgeschäfts abhängen. Sondern mindestens ebenso stark davon, dass KMK seinem Nachfolger nicht allzu sehr ins Tagesgeschäft hineinregiert.

"Die Umstellung wird nicht einfach für mich", bekennt Kühne. Als Therapeutikum gegen die Arbeitswut hat er Kreuzfahrten mit seiner Frau vorgesehen, ferner längere Aufenthalte in seiner Villa auf Mallorca. Christian Rickens

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