Größte deutsche Friseurkette Gericht eröffnet Insolvenzverfahren der Klier-Friseure

Der Umsatzeinbruch in der Corona-Krise hat Deutschlands größte Friseurkette Klier in die Insolvenz gedrückt. Das Amtsgericht Wolfsburg eröffnete am Dienstag ein entsprechendes Verfahren. Das Unternehmen zeigt sich zuversichtlich für einen Neustart.
Salon von Essanelle Ihr Friseur: Gehört zur Klier Hair Group wie Super Cut, HairExpress, Frisör Klier und Styleboxx

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Foto: Jakob Hoff / imago images

Die in der Corona-Krise stark unter Druck geratene Friseurkette Klier ist pleite. Der starke Nachfragerückgang seit dem Beginn der Pandemie hatte Deutschlands größte Friseurkette in die Insolvenz gedrückt. Das Amtsgericht am Firmenhauptsitz Wolfsburg eröffnete am Dienstag ein entsprechendes Insolvenzverfahren, um die Forderungen der Gläubiger zu prüfen. Nachdem Anfang September zunächst ein Schutzschirmverfahren beantragt worden war, um das Unternehmen zu sanieren, machte das zuständige Gericht nun knapp drei Monate später den Weg für das Insolvenz-Hauptverfahren frei.

"Die Gläubiger werden aufgefordert, Insolvenzforderungen bei dem Sachwalter anzumelden", teilte die Kammer mit. Eine Gläubigerversammlung wurde für den 25. Februar 2021 angesetzt. Wie viele der rund 9200 Jobs bei Klier gefährdet sind, ist bisher unklar.

Zuvor hatten auch Überbrückungshilfen die hohen Einnahmeeinbußen bei Klier besonders während des Shutdowns im Frühjahr nicht ausgleichen können - etliche Friseurbetriebe hatten damals zeitweise komplett schließen müssen. Ein Sprecher hatte am Montag erklärt, die Prüfung der Finanzlage sei nun "eine wichtige weitere Etappe" auf dem weiteren Weg. Die geschäftsführenden Gesellschafter Michael und Robert Klier hatten sich zuversichtlich für einen Neustart gezeigt.

Trotz Pleite soll es weitergehen

In Kürze wolle man einen Sanierungsplan bei Gericht einreichen und den Gläubigern zur Abstimmung vorlegen, hieß es aus dem Unternehmen.

Während des vorgeschalteten Schutzschirmverfahrens war das Restvermögen von Klier zunächst vor äußeren Zugriffen geschützt. Ziel eines solchen Ablaufs ist es, noch nach weiteren Lösungen zu suchen, ohne dass förmlich Insolvenz angemeldet wird. Die Geschäftsleitung bleibt im Amt, ihr wird allerdings ein Sachwalter zur Seite gestellt. Klier ließ im September mitteilen, man wolle sich "in eigener Verantwortung nachhaltig sanieren und zukunftsfähig aufstellen". Der Sachwalter im Schutzschirmverfahren, Silvio Höfer, wollte sich zu den konkreten Aussichten zuletzt nicht äußern.

Mit 1400 Salons größte deutsche Friseurkette

Die Klier-Gruppe betreibt nach eigenen Angaben die bundesweit größte Zahl an Friseurfilialen. Nach eigenen Angaben zählte das familiengeführte Unternehmen im Jahr 2018 täglich rund 50.000 Kunden und verfügt über einen eigenen Großhandel. Neben rund 1400 Salon-Niederlassungen im Inland gibt es zahlreiche Filialen in weiteren Ländern Europas. Die Marken Essanelle Ihr Friseur, Super Cut und HairExpress gehören zur Gruppe, sowie mit Cosmo und Beautyhairshop auch rund 140 Geschäfte für Haarprodukte.

Die "Bild"-Zeitung hatte am Montag berichtet, dass im Zuge der Insolvenz rund 450 Filialen schließen und 15 bis 20 Prozent der 9200 Stellen gestrichen werden sollen. Die Medienberichte über Schließungen von Hunderten Filialen bezeichnete der Unternehmenssprecher als Spekulationen. "Wir führen mit zahlreichen Vermietern Gespräche und Verhandlungen; dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen", hieß es.

Die Vizechefin der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Christine Behle, hatte betont, bei den Verhandlungen müssten die Interessen der Mitarbeiter berücksichtigt werden. Sie warnte Klier vor einem massiven Abbau von Arbeitsplätzen.

cs/dpa-afx
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