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Deutsche Telekom Klare Ansage aus Berlin

Der Finanzminister erteilt dem Vorstand einen Freibrief zum Kostenkürzen.
Von Astrid Maier
aus manager magazin 12/2008

Diplomatie ist eine hohe Kunst, mit der man sich im Hause Deutsche Telekom in Zeiten strenger Sparzwänge erst gar nicht lange aufhält. So erfuhren Betriebsräte und Gewerkschaften aus der Presse von den Beschlüssen des Telekom-Vorstands, die Zahl der Callcenter drastisch zusammenzustreichen.

Die erbosten Gewerkschafter von Verdi ersuchten in dem Konflikt um prominente Schützenhilfe - bei Finanzminister Peer Steinbrück (60). Schließlich ist der Bund größter Anteilseigner der Telekom. Und hatte der SPD-Minister nicht angesichts der Finanzmarktkrise bekundet, ein maßloser Kapitalismus fresse sich am Ende selbst auf?

Die Antwort aus Berlin kam prompt; doch anders, als Verdi es erwartet hatte. "Die Entscheidung zur Neustrukturierung der Callcenter-Standorte obliegt allein dem Vorstand", schrieb Steinbrück in einem Brief vom 27. Oktober. Und: Angesichts des Preisverfalls in der Branche bleibe der Handlungsbedarf, Kosten zu drücken, "unverändert hoch" für den Exmonopolisten.

Des Weiteren: Die Bündelung in größere Einheiten bringe erhebliche Kostenvorteile, "was ökonomisch schwer widerlegbar sein dürfte". Mit anderen Worten: Der Bund unterstützt den Sparkurs von René Obermann (45) uneingeschränkt.

Dabei hatte der SPD-Parteivorstand noch am 17. Oktober die Bundesregierung dazu aufgefordert, dafür zu sorgen, dass der Telekom-Vorstand sein Callcenter-Konzept revidiert.

"So eindeutig sich die SPD festgelegt hat, so missverständlich antwortet Herr Steinbrück. Es liegt nun an ihm, diese Glaubwürdigkeitslücke zu schließen", sagt der Adressat von Steinbrücks Schreiben, Lothar Schröder (48). Verdi-Bundesvorstand Schröder ist Vizeaufsichtsratschef der Telekom.

So missverständlich war Steinbrücks Brief freilich nicht. Der SPD-Politiker macht sogar seine Haltung zu künftigen Umstrukturierungen bei der Deutschen Telekom deutlich. Es sei wichtig, dass das Unternehmen "bei der technischen Weiterentwicklung einen Spitzenplatz im europäischen und internationalen Vergleich wiedererlangt", schrieb der Finanzminister. Technologisch induzierter Restrukturierungsbedarf lasse sich zudem nicht "per Vereinbarung hinweg definieren".

Ende November soll nun die Einigungsstelle von Betriebsräten und Arbeitgebern zusammenkommen - unter dem Vorsitz von Gert-Albert Lipke, dem Präsidenten des Landesarbeitsgerichts Niedersachsen.

Derweil treibt die Telekom die nächste große technologisch induzierte Restrukturierung bereits mit voller Kraft voran: Die Umstellung ihres Festnetzes auf die Internettechnik, nicht zuletzt, um auch hier zukünftig Kosten sparen zu können. Wettbewerber der Telekom überrumpelte der Vorstand erst vor Kurzem mit der Ansage, das Thema nun zügiger anpacken zu wollen.

Die Umstellung auf die Internettechnik wird die Arbeit von mindestens der Hälfte der rund 17 000 Techniker überflüssig machen, sind sich Experten einig. Zumindest von Steinbrück muss das Telekom-Management offenbar keinen Widerstand befürchten.

Bleibt die Frage, wann Obermann die Netzmodernisierung in Angriff nimmt. Bis 2014 will er das Thema abgehakt haben. Ginge es nach dem Willen seines zweiten Großaktionärs, des Finanzinvestors Blackstone, müsste der Telekom-Chef schon im kommenden Jahr damit beginnen.

Doch im Superwahljahr 2009 wird die Bundesregierung solche Störmanöver wohl zu verhindern wissen. Anschließend dürfte der nächste Personalkahlschlag bei der Telekom aber beginnen.

Seit bekannt ist, dass die Telekom ihre Betriebsräte bespitzelte, bemüht Obermann sich zumindest um bessere Stimmung. Mit seinem Sparkurs sorgt er wenigstens bei den Großinvestoren schon jetzt für gute Laune. Astrid Maier

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