Widerstand vor der Hauptversammlung Fondsgesellschaften wollen Adidas-Chef nicht in Siemens-Aufsichtsrat sehen

Adidas-Chef Rorsted soll ebenso wie Airbus-Technikchefin Vittadini in den Aufsichtsrat von Siemens rücken. Doch gleich mehrere Fondsgesellschaften wollen den forschen Dänen nicht im Aufsichtsrat haben - aus einfachen Gründen.
Kasper Rorsted: Schafft es der forsche Adidas-Chef auch in den Siemens-Aufsichtsrat?

Kasper Rorsted: Schafft es der forsche Adidas-Chef auch in den Siemens-Aufsichtsrat?

Foto: Daniel Karmann/dpa

2020 war für Adidas-Chef Kasper Rorsted (58) ein gebrauchtes Jahr. Zwar hat der Sportartikelhersteller die Staatskreditlinie der Kfw, die Adidas im April inmitten der Corona-Krise als erster Dax-Konzern anfragen musste, inzwischen wieder abgelöst. Auch seine Ankündigung, wegen Corona Ladenmieten zeitweise zu stunden, hat Rorsted nach einem öffentlichen Shitstorm hastig wieder einkassiert - inzwischen verdient Adidas wieder prächtig Geld, die Mieten werden pünktlich gezahlt, und auch der Börsenwert hat sich erholt. Und doch hat der unerbittliche Renditeoptimierer Rorsted mit seiner ruppigen Art für Verunsicherung und einen Kulturkampf im Konzern gesorgt: Spitzenkräfte suchen reihenweise das Weite , und Rorsted muss neben steigenden Gewinnmargen auch wieder für steigendes Vertrauen in den eigenen Reihen sorgen.

Eine Berufung in den Aufsichtsrat des Industrieriesen Siemens käme Rorsted bei diesem Vorhaben wie gerufen. Doch mit Deka Investments, Union Investment sowie DWS werden gleich drei große deutsche Investmentgesellschaften gegen die Wahl von Rorsted stimmen, wie sie in manager magazin vorliegenden Statements erklären.

Dabei könnte der prestigeträchtige Job nicht nur den Einfluss Rorsteds in Corporate Germany stärken - auch im Siemens-Konzern selbst, wo Joe Kaeser in dieser Woche die Führung an den neuen CEO Roland Busch (56) weitergibt, setzt man auf die Erfahrung des designierten Aufsichtsrates Rorsted. Der Adidas-Chef ist ein Wunschkandidat von Aufsichtsratschef Jim Hagemann Snabe, der den Dänen als Nachfolger von Bayer-Urgestein Werner Wenning im Kontrollgremium platzieren will. Als Nachfolgerin der scheidenden, nicht minder prominenten Nicola Leibinger-Kammüller (61) ist Airbus-Technikchefin Grazia Vittadini vorgesehen.

Rorsted für Wenning im Aufsichtsrat von Deutschlands Industrie-Ikone. Eine Win-Win-Situation für Siemens wie auch für den Neuen?

Deka und Union Investment wollen gegen Rorstedt-Berufung stimmen

Siemens-Aktionär Deka Investments sieht das anders. Die Fondsgesellschaft will auf der Siemens-Hauptversammlung am Mittwoch ebenso wie Union Investment und die DWS als Vermögensverwalter der Deutschen Bank gegen die Wahl von Rorsted in den Aufsichtsrat stimmen. Dies habe jedoch nichts mit dem angekratzten Image des Adidas-Chef in den eigenen Reihen zu tun, sondern schlicht mit Rorsteds bereits weitreichenden Aufgaben: Rorsted ist nicht nur Chef bei Adidas, sondern auch Mitglied des Verwaltungsrats beim Schweizer Lebensmittelmulti Nestlé. Deka Investments sieht hier ein "Overboarding" - ein weiterer Posten im Siemens-Aufsichtsrat ist aus Sicht des Aktionärs einer zuviel. DWS sieht Rorsted mit bestehenden Jobs als "voll ausgelastet" und auch Union Investment begründet ihr Votum gegen Rorsteds Berufung mit dessen "Ämterhäufung".

Mandate für Aufsichtsratschefs müssten klar begrenzt sein, damit jedes Mitglied in der Lage sei, "seinen Aufsichtspflichten vollends nachzukommen", argumentiert Deka weiter. Man zweifle nicht an den Fähigkeiten Rorsteds als Manager, doch ein Kontrolleursposten bei Siemens wäre neben dem Aufsichtsjob bei Nestlé eben ein Job zu viel.

Gleichwohl hat Rorsted gute Chancen auf den Aufsichtsratsposten - die Mehrheit der Anteilseigner scheint in der Ämterhäufung des Dänen noch kein Problem zu sehen. Rorsted hat im eigenen Haus zwar reichlich zu tun, alle Spitzenkräfte wieder hinter sich zu bringen - überlastet ist er nach Ansicht der Mehrheit der Siemens-Aktionäre jedoch noch nicht.

Streit um Fragerecht der Aktionäre bei der Hauptversammlung

Größerer Streit droht unterdessen bei der Frage, ob den zugeschalteten Aktionären bei der virtuellen Hauptversammlung von Siemens am Mittwoch das Recht eingeräumt werden muss, auch während der HV noch Fragen einzureichen. Nicht nur Deka Investments sowie Union Investment und die Belegschaftsaktionäre von Siemens haben sich dafür ausgesprochen, dass ein solches Fragerecht bis in die Hauptversammlung hinein ermöglicht werden muss, um damit Kommentare und Meinungen von Aktionären zuzulassen. Auch die einflussreichen Stimmrechtsberater ISS und Glass Lewis stellen sich hinter die Forderung.

Damit könnten die Regeln für virtuelle Hauptversammlungen neu geschrieben werden. Denn bislang gelten die Sonderregelungen für die Corona-Krise, nach denen Fragen bisher zwei Tage im Voraus schriftlich eingereicht werden müssen. Die Aktionäre können damit nicht unmittelbar auf Aussagen von Vorstand oder Aufsichtsrat während der Veranstaltung reagieren. Nach Ansicht von Glass Lewis sei das "übermäßig restriktiv". Neben Deka, den Stimmrechtsberatern und den Belegschaftsaktionären stellt sich auch die Fondsgesellschaft Union Investment hinter diese Forderung nach einem öffentlichen Dialog. "Wir fordern, dass wir als Aktionäre bei künftigen Hauptversammlungen von Siemens wieder unser volles Frage-, Rede- und Auskunftsrecht bekommen", schreibt Union Investment. Folgt eine Mehrheit diesem Ergänzungsantrag, muss sich die Siemens-Führung auch in der Causa Rorsted auf einige kritische Nachfragen einstellen.

la/rei
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