Wie Elternzeit nicht zum Karrierekiller wird Von der Kunst, guten Kontakt zur Firma zu halten

Hielt engen Kontakt trotz Elternzeit: Frauke Grotjahn von dem Zertifizierer DNV GL.

Hielt engen Kontakt trotz Elternzeit: Frauke Grotjahn von dem Zertifizierer DNV GL.

Betrachtet man Studienergebnisse und verfolgt die Diskussionen in hiesigen Personalabteilungen oder Frauennetzwerken, wird deutlich: Rechte und Zuschüsse alleine reichen nicht, um ein elternfreundliches Arbeitsumfeld zu schaffen. "It's the culture, stupid", möchte man in Anlehnung an Bill Clintons Wahlkampfstrategien sagen, die mit der Überzeugung "It's the economy, stupid" 1992 die US-Präsidentschaftswahlen gegen George W. Bush gewannen. Wenn es darum geht, eine familienfreundliche Atmosphäre zu schaffen und Mütter zum Fortsetzen ihrer Karriere zu animieren, ist die Unternehmenskultur entscheidend, bestätigt Isabel Hochgesand, Geschäftsführerin von Procter & Gamble, selbst Mutter zweier Kinder. "Hierzulande behandeln wir Frauen und Männer am Arbeitsplatz schon bei der Nachricht der Schwangerschaft unterschiedlich. Männern wird freudig gratuliert, während sich viele Frauen sorgenvoll fragen lassen müssen: 'Und wann kommst du wieder…?'"

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Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis auch Vorgesetzte des alten Schlages akzeptieren, dass Chancengleichheit nicht nur ein wünschenswertes Phänomen beim Glücksspiel ist. Bis dahin obliegt es modernen Führungskräften, mit gutem Beispiel voranzugehen. Working Moms können dafür sorgen, dass die Karriere von Nachwuchskräften nicht mit der Schwangerschaft beendet ist. Zugleich ist es an den Schwangeren, gegen bestehende Vorurteile anzugehen.

So wie Frauke Grotjahn. Die Wirtschaftsingenieurin arbeitet bei der DNV GL Gruppe, einem Experten in den Bereichen technische Beratung, Ingenieurdienstleistungen, Zertifizierungen und Risikomanagement - mit hoher Männerdichte. Sie war nach eigenen Worten eine der ersten Frauen mit Führungsverantwortung, die Kinder bekam - und mit ihnen den Gegenwind in der Firma empfing. Ihre Chefin, Anfang 50 und kinderlos, war sehr verhalten und abwartend, als sie von der Schwangerschaft erfuhr. Doch Grotjahns Plan stand: Sie wollte sechs Monate Elternzeit nehmen und anschließend Vollzeit auf ihre ursprüngliche Position zurückkehren.

Auch wenn sie wusste, dass sie keinen Anspruch auf den konkreten Job hatte. "Um drinzubleiben, schlug ich ihr vor, während der Elternzeit einen halben Tag pro Woche von zu Hause zu arbeiten." Ohne Bezahlung - wohlbemerkt. Die Vorgesetzte war skeptisch, aber sie willigte ein in die wöchentlichen Telefonate, in denen sich die junge Mutter auf den aktuellen Stand bringen ließ. Und als die Vorgesetzte merkte, dass Frauke Grotjahn es tatsächlich ernst meinte und die Telefongespräche Woche für Woche trotz des kleinen Babys wahrnahm, sammelte diese Pluspunkte. Als dann einiges in der Firma in Bewegung kam und ein Teil der Führungsriege wechselte, nutzte sie ihre Mitarbeiterin als echte Sparrings-Partnerin. "Die regelmäßigen Gespräche haben unserer professionellen Beziehung auf jeden Fall gutgetan", sagt Grotjahn.

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Working Moms: Wie Frauen Kinder und Karriere unter einen Hut bekommen

Inzwischen hat sie ihr zweites Kind und arbeitet noch in derselben Firma. Auch während der vorigen Elternzeit verabredete sie mit ihrem neuen Chef Telefonate im selben Rhythmus - und bekam diese als Arbeitszeit sogar bezahlt. Nicht nur das: Das Unternehmen wurde während der Auszeit der Wirtschaftsingenieurin fusioniert: Aus Germanischem Lloyd, wo Grotjahn ursprünglich in Hamburg arbeitete, und dem norwegischen Wettbewerber Det Norske Veritas wurde die DNV GL Group, eine internationale Klassifikationsgesellschaft sowie Experte in den Bereichen technische Beratung, Ingenieurdienstleistungen, Zertifizierungen und Risikomanagement.

Häufig sind Mütter oder Väter in Elternzeit in solchen Situationen die Ersten, denen ein Aufhebungsvertrag angeboten wird. Doch Frauke Grotjahn konnte sich trotz großem Stühlerücken von zu Hause für einen neuen Job in Position bringen - eine Führungsrolle, in der sie am Aufbau eines weltweiten sogenannten Shared Service Centers beteiligt ist.


Der Text ist ein Auszug aus dem Buch "Mut zu Kindern und Karriere - 40 Working Moms erzählen, wie es funktionieren kann" von Working Moms (Hg.) und Stefanie Bilen, 182 Seiten, Verlag Frankfurter Allgemeine Buch, Preis: 24,90 Euro. Bei amazon kaufen , Kaufmöglichkeit bei fazbuch.de ; Kontakt: Twitter @KinderKarriere ; Mail: stefanie.bilen@saalzwei.de 

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